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Dienstag, 16. Januar 2018 6

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Seit Jahren im stetigen Aufwärtstrend

Nabaltec produziert und vertreibt hoch spezialisierte Produkte der Segmente Funktionale Füllstoffe und Technische Keramik.
Von Andreas Allacher

  • Am Gelände der ehemaligen Vereinigten Aluminiumwerke (VAW) im Süden Schwandorfs hat seit 1994 die Nabaltec ihr Zuhause. Foto: Nabaltec
  • Insgesamt 475 Beschäftigte hat die Nabaltec an den drei Betriebsstandorten in Schwandorf, noch in Kelheim und in den USA. Foto: Nabaltec

Schwandorf.Die Nabaltec beschäftigt an ihren drei Standorten 475 Mitarbeiter, erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 160 Millionen Euro und ist seit 2006 sogar an der Börse notiert. Und dennoch wissen selbst viele Schwandorfer nicht, was der „Weltmarktführer Champion 2017 in der Branche Chemie & Pharmazie“ – dazu wurde das Unternehmen vom Index der Universität St. Gallen und der Akademie Deutscher Weltmarktführer gekürt – eigentlich produziert. „Irgendwas mit Aluminium“ ist immer wieder zu hören, denn schließlich ist man seit 1994 ja auf dem Gelände des ehemaligen Nabwerks der Vereinigten Aluminiumwerke (VAW) im Süden der Großen Kreisstadt ansässig und hat auch die Nachfolge für dessen Spezialsparte Aluminiumoxide angetreten. „Im Grunde machen wir nichts anderes als weißes Pulver“, sagt Vorstandsvorsitzender Johannes Heckmann – ein Pulver freilich, dass dem Unternehmen nach vielen Höhen und Tiefen im vergangenen Jahrzehnt ein Umsatzplus von jährlich rund acht Prozent im Schnitt eingebracht hat.

Johannes Heckmann steht als Vorstandsvorsitzender an der Spitze des Unternehmens.Foto: Nabaltec

Auf der Basis von Aluminiumoxid und -hydroxid entwickelt, produziert und vertreibt die Nabaltec hoch spezialisierte Produkte in den Segmenten „Funktionale Füllstoffe“ und „Technische Keramik“ für ihre Kunden. Die Produktpalette umfasst unter anderem halogenfreie, flammhemmende Füllstoffe für die Kunststoffindustrie, wie sie beispielsweise bei Kabeln für die Datenkommunikation und elektronische Geräte, in Tunneln, Hochhäusern und Flughäfen eingesetzt werden. „Im Falle eines Feuers verzögert dies die Brandausbreitung und unterdrückt die Rauchgasentwicklung“, erklärt Heckmann. Additive kommen in der Katalyse sowie in der Elektromobilität zum Einsatz. Zudem produziert Nabaltec Ausgangsstoffe für die technische Keramik und die Feuerfestindustrie. „Wir sehen stets das Komplettpaket für den Kunden: neben guten Produkten stehen dafür ein kompetentes Team und die Orientierung an den Bedürfnissen unserer Abnehmer“, so der Vorstandsvorsitzende. Durch seine hohe Liefersicherheit hat sich Nabaltec in den vergangenen zehn Jahren immer mehr zu einem zuverlässigen Lieferanten entwickelt.

Energie war und ist vorhanden

Seit 1936 war die VAW in Schwandorf ansässig und beschäftigte zur Hochzeit über 800 Menschen. Der Rohstoff Bauxit wurde in Ex-Jugoslawien abgebaut und an den Bahnknotenpunkt Schwandorf gebracht, auch und vor allem weil mit der Wackersdorfer Braunkohle und dem Kraftwerk Da-chelhofen Energie vorhanden war. Doch irgendwann wurde das Nabwerk zu klein, um weiter wachsen und sich am Weltmarkt behaupten zu können. Dennoch stellte das Unternehmen, das im Wesentlichen für die Aluminiummetallindustrie produzierte, noch die Weichen für die Zukunft, unter anderem mit dem Bau des benachbarten Müllkraftwerks, der Einstellung des Rotschlammbetriebs und der Entwicklung von Spezial-Oxiden und -Hydroxiden in über Jahrzehnten vorangetriebenen Anwendungen. Dennoch stand man 1993 vor der Alternative „Schließung oder Verkauf“.

Auf der Basis von Aluminiumoxid und -hydroxid entwickelt, produziert und vertreibt die Nabaltec in Schwandorf hoch spezialisierte Produkte. Foto: Nabaltec

Und dieser Käufer für die VAW wurde mit den Amberger Kaolinwerken gefunden – Partner, die sich aus gemeinsamen Projekten schon kannten. Aus Brasilien wurde der Wirtschaftsingenieur Johannes Heckmann vom Bau eines Kaolinwerks weggeholt und an die Spitze der „Nabwerk Aluminiumhydoxid-Technologie-GmbH“ gestellt, welcher der 200-köpfigen Restbelegschaft Hoffnung gab.

Mit der Rückkehr des Ex-VAW-Spartenleiters Gerhard Witzany wurde daraus eine Doppelspitze, die gemeinsam viele Höhen und Tiefen bewältigte. Auch die Finanzkrise 2009 meisterte das Unternehmen zusammen mit den Mitarbeitern, die damals über einen freiwilligen Lohn- und Gehaltsverzicht einen wichtigen Beitrag leisteten. Die Unternehmensleitung hielt ihr Versprechen und hat das Geld in vollem Umfang zurückgezahlt. Längst kaufte Nabaltec nicht mehr den Rohstoff Bauxit, sondern weltweit von großen Firmen das daraus gewonnene Aluminium-Oxid und -Hydroxid. Letzteres wird zu 90 Prozent in Flammhemmern eingesetzt, da darin noch 35 Prozent Wasser gebunden ist. Das Oxid geht nach seiner Verarbeitung meist in die technische Keramik.

Seit 2006 an der Börse

Auch wenn die Nabaltec im vergangenen Jahrzehnt ihren Enbergiebedarf essentiell senken konnte, ist die Partnerschaft mit dem Müllkraftwerk immer noch existenziell wichtig. „Ohne diesen Nachbarn hätten wir bisher nicht 150 Millionen Euro am Standort Schwandorf investiert“, sagt Johannes Heckmann. Mit dem Gang an die Börse im Jahr 2006 erlöste man für Investitionen nötige 30 Millionen Euro, „die uns die Banken nie gegeben hätten“, sieht Heckmann diesen mutigen Schritt heute noch positiv. Dieses Geld ermöglichte die Expansion in Schwandorf und den Schritt in die USA.“ Das dortige Werk profitiert von den günstigen Gaspreisen in den Vereinigten Staaten. Kelheim als dritter Standort, wo allerdings nur ein halbes Dutzend Mitarbeiter in einer Pilotanlage engagiert ist, wird derzeit nach Schwandorf verlagert. Die knappe Mehrheit der Aktien halten die Gesellschafterfamilien Witzany und Heckmann; Gerhard Witzany steht heute dem Aufsichtsrat vor.

„Im Grunde machen wir nichts anderes als weißes Pulver“, sagt Vorstandsvorsitzender Johannes Heckmann.Foto: Nabaltec

Die Nabaltec hat ihre Nische gefunden – in einem begrenzten Markt mit einer begrenzten Zahl von Mitbewerbern. Und mit ihrem Erfolg haben es die Schwandorfer schon mehrfach in die „Top 100“ der deutschen Unternehmen geschafft. Heckmanns Ziel ist es, die Zukunft der Nabaltec „als internationaler Konzern“ sowie „als eigenständiger und wirtschaftlich erfolgreicher Betrieb“ zu sichern. Das Zeug zu einem weiteren Wachstum habe die Nabaltec.

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