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Wirtschaft
Dienstag, 21. November 2017 7

Finanzen

So gelingt der Kontowechsel

Ein neues Gesetz vereinfacht seit einem Jahr den Wechsel des Geldinstituts. Viele Deutsche halten aber an der Hausbank fest.
Von Jörn Bender, dpa

Viele Bankkunden schrecken laut der Verbraucherzentralen vor einem Kontowechsel zurück, auch wenn sie mit Konditionen unzufrieden sind.Fotos: dpa

Frankfurt.Steigende Gebühren, ungünstige Öffnungszeiten, wenig eigene Geldautomaten – es gäbe viele Gründe, die Bank zu wechseln. Doch der Großteil der Deutschen hält ihrer Hausbank die Treue – oft ein Leben lang. Die wenigsten Verbraucher haben in jüngster Zeit ihr Konto umgezogen, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab. Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, dass der deutsche Gesetzgeber vor einem Jahr die Rechte der Bankkunden beim Kontowechsel gestärkt hatte.

Die Deutschen bestätigen vielmehr ihren Ruf als Wechselmuffel: Nur 174 – das sind rund neun Prozent der 2052 Befragten – haben der YouGov-Erhebung zufolge im vergangenen Jahr ihre Hauptbankverbindung gewechselt. Auf niedrigem Niveau am höchsten war die Wechselbereitschaft dabei noch in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen.

Mehr Leistung fürs gleiche Geld

Wer sich eine neue Bank gesucht hat, begründet das vor allem mit einem besseren Preis-Leistungsverhältnis (67 Prozent) und einem dichteren Netz an Geldautomaten (27 Prozent) beim neuen Institut. Auch die bessere Erreichbarkeit vor Ort beziehungsweise per Telefon und E-Mail ist ein Wechselgrund (je 14 Prozent).

Dass der Gesetzgeber im September 2016 die Rechte von Verbrauchern gegenüber Banken gestärkt hat, hat sich mittlerweile zwar immerhin bei etwa jedem Zweiten (48 Prozent) herumgesprochen. Unter den Kontowechslern gaben aber nur 24 (gut ein Prozent) an, die Neuregelung habe eine Rolle bei ihrem Wechsel der Hauptbank gespielt.

Nach den verschärften Vorgaben, die seit dem 18. September 2016 gelten, muss das neue Institut ein- und ausgehende Überweisungen sowie Lastschriften des alten Kontos übernehmen. Die bisherige Bank hat dazu dem neuen Institut und dem Kunden eine Liste der Aufträge der vorangegangenen 13 Monate zu übermitteln. Nach spätestens zwölf Geschäftstagen soll das neue Konto fertig eingerichtet sein. Die Regelungen sind Teil des Zahlungskontengesetzes, mit dem eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt wird.

So geht’s zu einem günstigen Konto

  • Unterstützung:

    Verbraucher können einfach ihr Konto wechseln. Und dafür bekommen sie sogar Hilfe. Ob das Konto bei einer Filialbank oder als reines Online-Konto geführt wird, ist dabei egal. Und so geht es: Gestartet werden kann der Wechsel von der neuen Bank aus. Dafür müssen Kunden ein Konto eröffnen und das neue Geldinstitut zur Kontowechselhilfe ermächtigen. Den Umzug übernimmt dann die neue Bank.

  • Anfordern:

    Sie fordert innerhalb von zwei Geschäftstagen bei der alten Bank eine Liste der bestehenden Daueraufträge und der vorhandenen Informationen zu erteilten Lastschriftmandaten. Ebenfalls angefordert werden alle verfügbaren Informationen über eingehende Überweisungen und Lastschriften aus den vergangenen 13 Monaten.

  • Informationen:

    Die alte Bank muss innerhalb von fünf Geschäftstagen alle Informationen liefern. Zugleich darf sie Daueraufträge nicht mehr ausführen und auch Lastschriften nicht mehr akzeptieren. Das Konto wird zu einem vom Kunden gewünschten Termin geschlossen. Restguthaben wird überwiesen. Die neue Bank richtet alle Daueraufträge ein und informiert auch Einzahler wie zum Beispiel den Arbeitgeber über die neue Kontoverbindung.

  • Kontrolle:

    Beim Kontoumzug sollten Kunden aber besser kleinere Probleme mit einplanen. „Lassen Sie das alte und neue Konto einige Zeit parallel laufen“, rät Thomas Mai, Finanzexperte der Verbraucherzentrale. Auf dem neuen Konto sollten am Anfang die Buchungen kontrolliert werden. (dpa)

„Kontowechsel in nur 10 Minuten“, „Girokonto-Umzug: mit wenigen Klicks alles erledigt“ – so oder ähnlich buhlen Banken im umkämpften deutschen Markt um Kunden. Die Stiftung Warentest nahm die vollmundigen Versprechen wörtlich und ließ in diesem Frühjahr drei Testpersonen den digitalen Kontowechselservice von drei zufällig ausgewählten Instituten ausprobieren. Das durchwachsene Fazit: „Zweimal klappte alles gut. Der dritte Wechsel gelang nur, weil die Testperson ihn selbst in die Hand nahm. Bei keiner der drei Banken war der Kontoumzug in den vorgeschriebenen gut zwei Wochen erledigt.“ Mal habe die Technik versagt, mal seien die Testpersonen unsicher gewesen, mal habe es an den Zahlungspartnern gelegen.

Lesen Sie auch: Der Finanzexperte Chris-Oliver Schickentanz erklärt, wann mit der Zinswende zu rechnen ist – und was das bedeutet.

Von den Kontowechslern in der aktuellen YouGov-Umfrage sagten 156 (gut 89 Prozent), der Umzug zur neuen Hauptbank habe reibungslos funktioniert. Bei elf (gut sechs Prozent) ruckelte es, der Rest machte dazu keine Angaben.

„Es läuft noch nicht überall reibungslos, es gibt da auf jeden Fall noch Anfangsprobleme“, zieht Verbraucherschützer Frank-Christian Pauli eine Zwischenbilanz der neuen Bestimmungen zum Kontowechsel. Pauli betont: „Verbraucher müssen den Anbieter rasch und reibungslos wechseln können – gerade in Zeiten steigender Gebühren.“

Pflichten der Kreditwirtschaft

Die Banken erheben unterschiedliche Kontoführungsgebühren.

Dazu sei die Zahlungskontenrichtlinie im Grunde ein „ganz wichtiges Instrument“: Wer bisher den Kontowechsel scheute, aus Sorge, Angaben zu Daueraufträgen oder Lastschriften zu vergessen, kann sich auf die Verpflichtung der Kreditwirtschaft berufen, Kunden beim Umzug des Kontos zu unterstützen.

„In Deutschland ist ein individueller Service für Kunden, ihr Konto wechseln zu können, kein Neuland“, bekräftigten die fünf großen Bankenverbände, die in der Deutschen Kreditwirtschaft organisiert sind, auf Anfrage. „Seit jeher unterstützen die deutschen Banken aktiv Neukunden bei einem Kontowechsel.“ Probleme mit den neuen gesetzlichen Vorgaben sieht die Branche nicht.

Doch ohnehin ist in absehbarer Zeit keine Wechselwelle in Deutschland in Sicht. In den nächsten zwölf Monaten beabsichtigt der YouGov-Umfrage zufolge nur eine Minderheit von gut sechs Prozent, ihre Hauptbankverbindung zu verändern. Die große Mehrheit der Befragten dagegen bleibt ihrer Bank treu – manchem Ärger zum Trotz.

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