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Wirtschaft
Mittwoch, 17. Januar 2018 7

Planung

So wären Desaster wie BER zu vermeiden

Flughafen Berlin oder Stuttgart 21 laufen aus dem Ruder. Die Bauindustrie sagt: Planen und Bauen müssen in einer Hand liegen.

Ein Verbotsschild am Bauzaun des Großprojekts Stuttgart 21. Foto: Uwe Anspach

Berlin.Angesichts erheblicher Probleme beim neuen Berliner Flughafen BER und dem Bahnprojekt Stuttgart 21 hat die Bauindustrie Verbesserungen bei Großprojekten gefordert.

„Das grundsätzliche Problem ist bisher, dass Planen und Bauen bei öffentlichen Bauten nicht in einer Hand liegen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Künftig sollte aber die Bauindustrie schon bei der Planung der Architekten miteinbezogen werden. „Bisher macht der Eine das und der Andere das, es wird zu wenig aufeinander abgestimmt, das dauert länger und kostet mehr.“

„Statt auf Fach- und Teillosvergabe sollten wir bei Großprojekten künftig wieder verstärkt auf Generalunternehmer setzen“.

Dieter Babiel

Der neue Hauptstadtflughafen BER sollte eigentlich schon 2011 in Betrieb gehen. Nach einer Serie geplatzter Eröffnungstermine soll der Airport nun im Herbst 2020 eröffnet werden. Beim Stuttgarter Bahnprojekt steigen die Kosten, die Fertigstellung soll sich vom Jahr 2023 auf Ende 2024 verzögern.

Babiel forderte: „Statt auf Fach- und Teillosvergabe sollten wir bei Großprojekten künftig wieder verstärkt auf Generalunternehmer setzen“. Außerdem sollten Empfehlungen der „Reformkommission Bau von Großprojekten“ so schnell wie möglich umgesetzt werden. Dabei gehe es vor allem um eine bessere Bauvorbereitung und einen realistischeren Umgang mit Risiken.

Zuletzt hatte der BER-Aufsichtsrat bei der Verkündung eines neuen geplanten Eröffnungstermins für den Flughafen Berlin eingestanden, es gebe keinen Plan B im Fall weiterer Verzögerungen.

„Wir wollen schneller bauen, dürfen aber nicht, weil Eidechsen geschützt werden müssen.“

Dieter Babiel

Zum Bahnprojekt Stuttgart 21 sagte Babiel: „Es gibt verschiedene Probleme, etwa ein überzogener Artenschutz. Wir wollen schneller bauen, dürfen aber nicht, weil Eidechsen geschützt werden müssen. Die Gesetzgebung in Deutschland ist zu kompliziert. Wir müssen schneller und kostengünstiger bauen, mit weniger Regulierungen.“

Der Hauptverband rechne in diesem Jahr mit einem Umsatzwachstum von nominal 7 Prozent und real 4 Prozent. „Zum ersten Mal seit 2003 werden wir 2018 wieder mehr als 800 000 Beschäftigte in der Branche haben“, sagte Babiel. Ein Wachstumstreiber ist der stark gestiegene Wohnungsbau.

Ein umgekipptes Schild weist in Schönefeld den Weg zur Baustelle des Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Foto: Bernd Settnik/dpa

Wie in anderen Branchen sieht auch die Bauindustrie den Fachkräftemangel als großes Thema. „Wir haben einen eklatanten Nachholbedarf, Bauberufe müssen wieder attraktiver werden. Jedes Jahr gehen 15 000 Facharbeiter in die Rente, wir bilden aber pro Jahr nur 11 000 junge Leute aus. Wir finden einfach nicht genügend junge Leute.“ Ein Kapazitätsproblem habe der Bau aber noch nicht.

Der Bau leide immer noch unter dem schlechten Ruf aus der Zeit der Baukrise. „Wir müssen unser Image verbessern, das heißt, junge Leute aufklären, dass die Bauwirtschaft nicht nur sichere, sondern auch interessante, technisch anspruchsvolle Arbeitsplätze anbietet“, sagte Babiel: „Da gibt wir es sicher Versäumnisse. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen.“

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