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Wirtschaft
Montag, 20. November 2017 11

Social Media

„Tool bringt enorme Zeitersparnis“

Prof. Dr. Susanne Leist, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik III an der Uni Regensburg, spricht über kooperative Forschung.
Von Rorbert Torunsky, WZ

Prof. Dr. Susanne Leist Foto: Universität Regensburg

Regensburg.

Frau Prof. Leist, das Projekt UR: SMART ist ein Teilprojekt des Kompetenzzentrums „Mobile Business und Social Media“. Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Standorten konkret aus?

Prof. Dr. Susanne Leist: Das Kompetenzzentrum Mobile Business und Social Media der Universitäten Regensburg, Passau und Bamberg sowie der Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut wurde im Juli 2015 eingerichtet und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie im Rahmen des Internetkompetenzzentrums Ostbayern gefördert. Es wurde mit der Zielsetzung gegründet, wissenschaftliche und sehr innovative Fragestellungen zu bearbeiten, die für Unternehmen und Gesellschaft von hoher Relevanz oder künftig sein werden. Ergebnisse sollen wissenschaftlich fundierte Konzepte, Verfahren und Softwaresysteme sein, um den Einsatz der neuen Technologien intelligent und wirtschaftlich sinnvoll zu unterstützen. Im Themenbereich soziale Medien werden beispielsweise quantitative Methoden entwickelt und verwendet, um den Einfluss von Unternehmensaktionen, wie zum Beispiel Produktwerbung, oder Kundennachrichten auf den Umsatz der Unternehmen zu ermitteln.

Was waren die Herausforderungen bei dem ambitionierten Projekt UR:SMART?

Auffallend ist, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen das Potenzial der Digitalisierung noch nicht vollständig ausschöpfen und Digitalisierungsprojekte nicht immer konsequent vorantreiben. So werden erste Vorstöße zum Beispiel im Bereich Social Media gewagt, aber viele Auswertungen und Arbeitsschritte ohne IT-Unterstützung durchgeführt. Dies wird vor dem Hintergrund der steigenden Nutzerzahlen langfristig so nicht weiter durchführbar sein. Unser Tool UR:SMART setzt hier an und unterstützt bei der automatisierten Analyse von Onlinebeiträgen.

Welche technischen und wissenschaftlichen Herausforderungen ergaben sich bei der konkreten Umsetzung?

Eine erste wissenschaftliche Herausforderung bestand darin, spezielle Algorithmen zu entwerfen, um mit den Besonderheiten der Social-Media-Beiträge bei kleinen und mittleren Unternehmen umgehen zu können. Beispielsweise finden sich in den Onlinebeiträgen dieser Unternehmen verstärkt branchenspezifische Ausdrücke, regionale Dialekte und Umgangssprache. Eine weitere Herausforderung war, dass mithilfe von UR:SMART sowohl deutsch- als auch englischsprachige Onlinebeiträge ausgewertet werden sollten. Entsprechend mussten die zugrunde gelegten Wörterbücher beide Sprachen umfassen und eine automatische Spracherkennung beinhalten. Aus technischer Sicht sollte das Tool durch eine webbasierte Infrastruktur orts- und geräteunabhängigen Zugriff erlauben. UR SMART ist somit in der Lage, den Zugriff und die Auswertungen sowohl via PC als auch mobil, mit Smartphone und Tablet, unabhängig von der Beschaffenheit des Geräts zu ermöglichen.

Um von den Auswertungen profitieren zu können, ist wahrscheinlich eine gewisse Aktivität bei den Nutzern der Social-Media-Präsenz erforderlich. Für wen eignet sich UR:SMART besonders?

UR:SMART unterstützt sowohl Unternehmen, die bereits viel genutzte Social-Media-Kanäle betreiben, als auch solche Firmen, die gerade dabei sind, eine Social-Media-Strategie aufzubauen. So wird bei Ersteren der Aufwand bei der inhaltlichen Auswertung der Beiträge deutlich reduziert und Veränderungen der Kundenstimmung zu bestimmten Unternehmensbereichen werden erkennbar. Damit wird die Grundlage für Qualitätsverbesserungsmaßnahmen geschaffen. Bei Letztgenannten bietet UR:SMART zudem bereits während der Einrichtung entsprechender Kanäle wertvolle Erkenntnisse über die Kundenmeinung, zum Beispiel durch die qualitative Auswertung von gelikten Beiträgen.

Welche Vorteile bietet UR:SMART gegenüber bereits erhältlichen Softwarelösungen?

Der Einsatz von UR:SMART bringt eine enorme Arbeitserleichterung sowie Zeitersparnis bei der Analyse von Onlinebeiträgen mit sich. So werden Inhalte aus Kanälen wie Twitter oder Facebook automatisch extrahiert und sowohl quantitativ als auch qualitativ analysiert. Eine Erweiterung um zusätzliche Kanäle wie Instagram oder YouTube ist bereits in Arbeit. Des Weiteren sollen bei der Analyse der Online-Beiträge zusätzliche quantitative Kennzahlen wie beispielsweise Reichweite, Likes oder Shares mit einbezogen werden. Gleichzeitig erlaubt die kombinierte Darstellung unterschiedlicher Kennzahlen zum Beispiel für Sentiment, Themen, Likes und Reichweite, fundierte Kenntnisse über die aktuelle Kundenmeinung.zu erhalten. Die Ableitung entsprechender Erkenntnisse wird zusätzlich dadurch unterstützt, dass UR:SMART an die Sprache der jeweiligen Kunden anpassbar ist. Beispielsweise werden bei der Analyse so auch regionale Dialekt- oder branchenspezifische Ausdrücke berücksichtigt, welche andere Lösungen am Markt nicht beachten. Gleichzeitig kann die themenbezogene Auswertung, zum Beispiel Produkte oder Serviceleistungen, der Onlinebeiträge bei UR:SMART um neue Kategorien erweitert werden, sodass das Tool flexibel an Markttrends adaptiert werden kann.

Bereits auf dem Markt erhältliche Lösungen bieten in der Regel keine Integration von qualitativer und quantitativer Analyse an. Eine einzige uns bekannte Lösung, die diese anbietet, ist aufgrund der hohen Lizenzkosten für kleine und mittlere Unternehmen nicht wirtschaftlich einsetzbar. Zudem ist es nicht einfach möglich, kommerzielle Softwarelösungen individuell an die Kundensprache anzupassen und diese dauerhaft zu pfleg

Für wann ist der Markteintritt geplant und wer vertreibt das Tool?

Das Tool ist aktuell bereits bei fünf Unternehmen in Betrieb, zum Beispiel bei Northkite. Bis Ende des Jahres wird die zweite Phase der Weiterentwicklung UR:SMART 2.0 abgeschlossen sein. In dieser Phase wurde und wird besonders die quantitative Auswertung der Onlinebeiträge ausgebaut. Jeder, der das Tool nutzen will, ist eingeladen, sich an den Lehrstuhl zu wenden. Eine Ausgründung, die den Vertrieb und den Service zu UR:SMART übernimmt, ist derzeit in Planung.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Artikel Analysetool hilft Unternehmen

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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