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Wirtschaft
Dienstag, 26. September 2017 21° 1

Führung

Unternehmen ignorieren die Frauenquote

Ab Januar ist die Quote in Aufsichtsräten Pflicht. Die Vorstände in vielen Firmen bleiben dagegen immer noch „frauenfrei“.

Frauen sind in deutschen Vorstandsetagen immer noch rar. Foto: dpa

München.Die Frauenquote für Führungspositionen gilt ab dem 1. Januar. Doch viele Unternehmen haben noch nicht reagiert. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Dienstag berichtete, wollen etliche Firmen auch 2016 keine Frauen in den Vorstand berufen. Zu den Verweigerern gehören demnach unter anderem Porsche, Fresenius, Eon, die Commerzbank und ThyssenKrupp. Der Chemie-Konzern Beiersdorf hat sich vorgenommen, bis 2017 mindestens eine Frau im Vorstand zu haben. Im BASF-Vorstand sitzt bereits eine Frau. Auf den zwei darunterliegenden Führungsebenen liegt der Anteil nach Unternehmensangaben bei 9,4 Prozent und 11,8 Prozent. Auf eine Steigerung des Frauenanteils in 2016 will sich BASF aber nicht festlegen.

Was das Gesetz vorschreibt

Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe in Führungspositionen verpflichtet 101 börsennotierte, voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen ab 2016 bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherzustellen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Wird dieser Anteil nicht erreicht, bleiben die Stühle unbesetzt. Außerdem müssen diese Firmen sowie rund 3500 weitere Unternehmen Zielvorgaben für den Frauenanteil im Vorstand und in zwei weiteren Führungsetagen veröffentlichen. Für die „Zielvorgabe null“ gibt es allerdings keine Sanktionen.

Justizminister nimmt die Wirtschaft in die Pflicht

Um die geplante Frauenquote zu erreichen, brauchen einige Großkonzerne in ihrem Kontrollgremium mehr weibliche Namen. Foto: dpa

Mit Blick auf die ab Januar gültige Frauenquote in Aufsichtsräten nimmt die Bundesregierung die Unternehmen in die Pflicht. „Nur wer geistig im vergangenen Jahrhundert stecken geblieben ist, glaubt an die Mär, es gäbe nicht genug geeignete Frauen“, erklärte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am Dienstag in Berlin. Eine so gut ausgebildete Generation von Frauen wie heute habe es noch nie gegeben.

Die top ausgebildeten Frauen müssten sich „endlich auch in den Chefetagen widerspiegeln“, forderte Maas weiter.

Eine so gut ausgebildete Generation von Frauen wie heute hat es noch nie gegeben.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD)

Auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) mahnte die Unternehmen in der „Süddeutschen Zeitung“, die Vorgaben des neuen Gesetzes zu erfüllen. „Ich erwarte von den Unternehmen, dass sie es ernst meinen mit der von ihnen selbst so häufig gepriesenen Vielfalt in den Führungsetagen.“ Es gehöre „zum Einmaleins des Managements“, sich strategische Ziele zu setzen - und „alles daranzusetzen, diese Ziele auch zu erreichen“, ergänzte Schwesig.

Familienunternehmen tun sich schwer

Besonders schwer mit der Suche nach weiblichen Aufsichtsräten tun sich unterdessen Familienunternehmen. Nur sechs von 20 familiengeführten Firmen, für die das Gesetz gilt, erfüllen die Vorgaben bereits, wie aus einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft Kienbaum hervorgeht. Absolut gesehen, bräuchten die 20 Familienkonzerne noch 33 Frauen für ihre Kontrollgremien. Während der Konsumgüterhersteller Henkel mit einem Frauenanteil von 44 Prozent im Aufsichtsrat „absoluter Spitzenreiter“ sei, gebe es bei anderen Konzernen noch Nachholbedarf. Das Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius und die Beteiligungsgesellschaft Porsche Automobil Holding haben demnach derzeit noch keine einzige Frau im Aufsichtsrat. (dpa/afp)

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