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Wirtschaft
Dienstag, 27. September 2016 24° 1

Finanzen

Viel Treibstoff für deutsche Aktien

Börsenkenner erwarten für die nächsten Monate tendenziell steigende Kurse. Das hat vor allem einen Grund.
Von Jörn Bender und Friederike Marx, dpa

Die Anzeigetafel gibt am Mittwoch in Frankfurt den Schlusskurs für das Jahr 2015 wieder. Am letzten Handelstag eines insgesamt erfreulichen Börsenjahres haben die Aktienkurse etwas nachgegeben. Foto: dpa

Frankfurt.Griechenland-Krise, Sorgen um Chinas Konjunktur, VW-Abgasskandal und US-Zinserhöhung – das Börsenjahr war alles andere als ruhig. Nach einer Berg- und Talfahrt endete 2015 für so manchen Anleger aber erfolgreich. Der deutsche Leitindex Dax legte auf Jahressicht fast zehn Prozent auf 10 743,01 Punkte zu – nach nur 2,65 Prozent Plus im Vorjahr. Und Börsenprofis sind zuversichtlich: 2016 dürften die Kurse weiter steigen.

Zwar erhöhte die US-Notenbank Fed im Dezember erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen, dennoch bleibt die Billiggeldschwemme diesseits wie jenseits des Atlantiks gewaltig. Das billige Geld gilt als entscheidender Treibstoff für die Börsen. Die Niedrigzinsen nagen nicht nur an den Ersparnissen der Kleinanleger, sie bereiten auch Großinvestoren Kopfzerbrechen. Denn viele Unternehmens- oder Staatsanleihen werfen ebenfalls kaum noch etwas ab. Das treibt viele in die als riskanter geltende Investition in Aktien.

Nach Einschätzung der Dekabank wird die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) 2016 „der entscheidende positive Treiber für den deutschen Aktienmarkt“ bleiben. Die EZB flutet die Märkte bis mindestens März 2017 mit Geld. Die Währungshüter verlängerten Anfang Dezember ihr milliardenschweres Anleihenkaufprogramm um ein halbes Jahr. Zudem erhöhten sie den Strafzins für geparkte Bankgelder auf 0,3 Prozent.

Günstige Gelegenheiten nutzen

Unter anderem deshalb geht auch die Commerzbank davon aus, dass der Leitindex Dax 2016 tendenziell steigen wird: „Im Jahresverlauf dürfte der Dax natürlich immer wieder absacken – etwa wegen Sorgen um China. Aber wir setzen darauf, dass Anleger Rückschläge wie 2015 immer wieder dazu nutzen, günstig in Aktien einzusteigen und damit den sehr niedrigen Anleiherenditen zu entkommen.“

Somit dürfte sich an den Aktienmärkten die Erfolgsgeschichte des Jahres 2015 fortsetzen: Im Frühjahr war der Dax auf den Rekordstand von fast 12 400 Punkten geklettert, sackte dann zeitweise auf 9325 Punkte und erholte sich zum Jahresende wieder. Börsenprofis von 35 befragten in- und ausländischen Banken sehen laut einer Umfrage des „Handelsblatts“ den deutschen Leitindex zum Ende des Jahres 2016 im Schnitt bei 11 793 Punkten.

Börsenhändler stoßen am Mittwoch in Frankfurt im Handelssaal der Börse mit Sekt an. Foto: dpa

Aktionäre konnten sich zudem über einen Geldregen freuen: Die 616 börsennotierten Unternehmen in Deutschland schütteten nach Berechnungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Rekord-Dividende von 41,7 Milliarden Euro aus.

Die meisten Deutschen jedoch lockt das bisher nicht: Sie gehen bei der Geldanlage auf Nummer sicher und machen um Aktien und Fonds einen großen Bogen. Auch Minizinsen für Sparbuch und Tagesgeld führten nach Feststellung der Bundesbank nicht dazu, dass Verbraucher in riskantere Anlagen investieren.

Im Gegenteil: Der Anteil der als sicher geltenden Sichteinlagen stieg in den vergangenen Jahren sogar. Zwei Billionen Euro werden nach jüngsten Zahlen in schnell verfügbarer Form – etwa als Tagesgeld – gehortet, obwohl das aktuell kaum Zinsen bringt. Die Bundesbank erklärt das mit einer „ausgeprägten Risikoaversion“ der Bundesbürger.

Auch die Konjunktur hilft

Nach jüngsten Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) kehrten im Jahr 2014 rund eine halbe Million Deutsche dem Aktienmarkt den Rücken. Nur noch 8,4 Millionen Menschen – rund 13 (Vorjahr: 13,8) Prozent der Bevölkerung – hatten nach DAI-Angaben Geld in Aktien und/oder Aktienfonds angelegt.

Die Volkswirte des Versicherers Allianz weisen darauf hin, dass die Entwicklung außer von den ultra-niedrigen Zinsen auch von einer zunehmend robuster werdenden Konjunktur getragen sei. In diesem Umfeld dürften „die meisten europäischen Aktienmärkte noch beträchtliches Potenzial besitzen“, prognostizieren sie. „Europäische Aktienindizes werden im internationalen Vergleich im kommenden Jahr voraussichtlich überdurchschnittlich abschneiden.“

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