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Wirtschaft
Sonntag, 21. Januar 2018 5

Unternehmen

Vom Radio zur Hightech-Firma

Die Maschinen von Mahlo in Saal sind der Schlüssel für die Veredelung von Textilien. Zu den Kunden zählen noble Modelabels.
Von Stefan Stark

Radioproduktion bei Mahlo im Jahr 1945: Mit einer elektromechanischen Werkstatt in Saal begann die Erfolgsgeschichte des Unternehmens. Foto: Mahlo

Saal.Der italienische Edelschneider Zegna zählt zu ihren Abnehmern genauso wie das deutsche Textilunternehmen Trigema: Ein bisschen Stolz schwingt mit, als Ralph Greenwood-Mahlo und Rainer Mestermann, die Chefs des Saaler Maschinenbauers Mahlo, ihre bekanntesten Kunden aufzählen. Denn ohne die bahnbrechenden Produkte Made in Niederbayern täte sich die Mode- und Textilindustrie heute schwer, hochwertige Stoffe oder High-Tech-Gewebe herzustellen. Aber auch Papier- und Kunststoffhersteller, bei denen es auf eine exakte Produktion ankommt, sind brennend interessiert an den Lösungen von Mahlo.

Schnurgerade Fäden

Ralph Greenwood-Mahlo, der Enkel des Firmengründers Heinz Mahlo, und Geschäftsführer Rainer Mestermann erklären im Gespräch mit unserem Medienhaus: „Wir sind die Spezialisten für Messen, Regulieren und Automatisieren für alles, was sich auf Bahnen aufwickeln lässt.“ Ob bei der Produktion von Stoffen für Jeans, für Hemden, für Teppiche oder für Auto-Sitzbezüge: Die sogenannten Schussfäden der Textilien müssen schnurgerade sein. Aber auch das Gewicht muss exakt stimmen und die Feuchtigkeit darf nicht zu hoch sein. Sonst leidet die Qualität oder es wird Material vergeudet.

Hier kommt die Technik von Mahlo ins Spiel. Die Sensoriksysteme überwachen jede Sekunde den Fertigungsprozess – etwa beim Veredeln eines Stoffes. Bei Bedarf greift ein Korrektursystem ein und zieht die Fäden gerade. Eines der wichtigsten Produkte von Mahlo – die klassische Richtmaschine – basiert übrigens immer noch auf den Erfindungen des Firmengründers Heinz Mahlo aus den 50er Jahren, wie sein Enkel erklärt.

Ausgeklügelte Sensoren steuern Maschinen nach

Ohne die Richtmaschinen aus Saal hätten Textilfabrikanten ein großes Problem. Denn dann müssten sie alle paar Stunden mit einer Qualitätsprobe ins Labor, erläutern die Mahlo-Chefs. Erst dann könnten sie bei Fehlern die Produktion korrigieren. Schlimmstenfalls hätte die Maschine bis dahin Ausschussware produziert. Die Produkte von Mahlo dagegen kontrollieren ständig mit ausgeklügelten Sensoren die Qualität und steuern die Maschine nach. Am Schluss kann der Kunde dank der hauseigenen Anwendungs- und Visualisierungssoftware alle Produktionsdaten auswerten und die komplette Fertigung nachvollziehen – sowie die Qualität dokumentieren.

Vom einzelnen Zahnrad bis zur Software

210 Mitarbeiter stellen in Saal die Spezialmaschinen her. Stolz sind die Chefs auch auf die hohe Fertigungstiefe der Spezialmaschinen. Vom einzelnen Zahnrad über die Sensoriksysteme bis hin zur ausgeklügelten Software wird alles komplett in Saal hergestellt. Es gibt ein Konstruktionsbüro, wo neue Produkte entworfen werden, eine Elektrowerkstatt, eine Schweißerei, die Maschinen- und Gehäusefertigung sowie Büros für die Software-Programmierer. Die Mitarbeiter in der Endmontage bauen die Teile zusammen. Vom Auftragseingang bis zur Auslieferung dauert es bei einer Richtmaschine rund zwei Monate. „Zu 90 Prozent gehen sie in den Export, vor allem nach Asien“, sagt Rainer Mestermann. Für den weltweiten Vertrieb hat Mahlo neben dem Stammsitz in Saal Niederlassungen in Italien, Belgien, Spanien, Brasilien, China und in den USA. „Bei unserem Hauptprodukt Richtmaschinen sind wir Weltmarktführer.“

Erfolgsgeschichte beginnt mit dramatischer Flucht

Die Erfolgsgeschichte beginnt 1945 mit einer dramatischen Flucht. Der Physiker Heinz Mahlo verlässt einen Tag vor der verheerenden Bombardierung Dresdens die Stadt und landet schließlich in Saal, erzählt Ralph Greenwood-Mahlo. Dort gründet er im angemieteten Dachgeschoss eines Gasthofs eine elektromechanische Werkstätte und stellt Radiogeräte her. Drei Jahre später gelingt dem Erfinder und begnadeten Techniker der Durchbruch mit dem Feuchtigkeitsmessgerät Textometer. Damit sind die Weichen für die Spezialisierung auf den Textilbereich gestellt. 1959 erfolgt ein weiterer Quantensprung: Heinz Mahlo präsentiert mit dem Orthomat FMC die erste Schussfadenrichtautomatik und erobert damit den Weltmarkt.

Nach dem Tod von Heinz Mahlo 1979 stellt seine Witwe Renate einen Geschäftsführer ein. Das Unternehmen wächst weiter. 1997 steigt Ralph Greeenwood-Mahlo mit 19 Jahren als Gesellschafter in das Unternehmen ein und behält die Strategie mit dem Fremdgeschäftsführer bei.

Rainer Mestermann (l.) und Ralph Greenwood-Mahlo vor einer Richtmaschine – dem Vorzeigeprodukt von Mahlo. Foto: Stark

Mitarbeiter wichtigstes Kapital

Während andere Firmen in Zeiten der Globalisierung mit der Abwanderung in Billiglohnländer liebäugeln, bleibt Mahlo dem Standort treu. „Made in Germany wird von Kunden in anderen Ländern geschätzt“, sagt der Enkel des Firmengründers. „Wir sind ein Familienunternehmen und fühlen uns mit Saal verbunden. Denn unsere Mitarbeiter sind unser Kapital. Manche Beschäftigte arbeiten in zweiter oder dritter Generation im Betrieb.“

Ausbildung hat einen hohen Stellenwert

Einen entsprechend großen Stellenwert legt Mahlo auf die Ausbildung. In der Lehrwerkstatt hängen Zeitungsartikel und Fotos von Azubis, die ihre Abschlussprüfungen mit Bestnoten bestanden. Rainer Mestermann sagt: „Wir bilden gerne aus – zur Mitarbeitergewinnung und zur Mitarbeiterbindung.“ Übrigens fing der heutige Ausbildungsleiter vor elf Jahren selbst als Lehrling bei Mahlo an. Für die Firmenchefs bedeutet die regionale Verwurzelung eine große Stärke des Unternehmens. „Mit den Mitarbeitern aus der Region sichern wir unser Know-how und unsere hohe Qualität.“

Neue Halle für mehrere Millionen Euro

Kunden wie Trigema oder der Edelschneider Zegna wissen das offensichtlich zu schätzen. Die 12 500 Quadratmeter, auf denen Mahlo heute produziert, platzen aus allen Nähten. Gerade entsteht eine neue Halle für mehrere Millionen Euro, um im kommenden Jahr die Fertigung auszuweiten.

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