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Messe

Vor IAA ist Zukunft des Autos ungewiss

Abgasaffäre und Fahrverbote-Debatten lasten auf der deutschen Vorzeigebranche. Mit der E-Mobilität geht es kaum voran.
Von Thomas Kaufner, dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist besorgt, dass die deutschen Autobauer international den Anschluss verlieren. Merkel wird am Donnerstag in Frankfurt die weltweit wichtigste Automesse IAA eröffnen. Foto: dpa

Berlin.Im Streit um die Nachrüstung älterer Dieselautos lässt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nicht locker. Trotz des strikten Neins der Autobauer beharrt sie darauf, dass es nicht bei den von der Industrie angekündigten Updates der Fahrzeugsoftware bleibt. „Die Prüfung von Hardware-Umrüstungen geht voran“, sagte Hendricks der Deutschen Presse-Agentur. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sorgt sich derweil darum, dass die deutsche Schlüsselindustrie mit ihren rund 800 000 Beschäftigten bei umweltfreundlichen Antrieben international den Anschluss verpassen könnte. Die deutschen Autobauer sehen sich indes im weltweiten Wettbewerb um E-Mobilität auf einem Spitzenplatz.

Umweltministerin Barbara Hendricks Foto: dpa

Hendricks sagte, eine der beim Dieselgipfel Anfang August eingesetzten Arbeitsgruppen habe inzwischen vereinbart, kurzfristig externe Sachverständige mit der Begutachtung möglicher technischer Nachrüst-Systeme zu beauftragen. „Da erwarten wir in absehbarer Zeit Ergebnisse und können darauf weitere Beratungen stützen.“ Es sei nicht ganz klar, für welche Fahrzeugtypen Hardware-Nachrüstungen mit welchem Aufwand gehen. „Aber wir wissen, dass auch viele Zulieferer schon unterwegs sind, Systeme anzubieten. Darum können die Automobilhersteller nicht einfach rundheraus sagen, es gehe nicht.“

Merkel appelliert an die Industrie

Umbauten direkt an Motoren lehnt die Branche auch wegen hoher Kosten ab; sie verweist auf technische Probleme. Beim Dieselgipfel von Bund, Ländern und Autobranche hatten die deutschen Hersteller neue Abgas-Software für zusätzliche 2,8 Millionen Wagen zugesagt. Bei 2,5 Millionen VW-Diesel ist dies amtlich angeordnet.

Gegen den Job-Schwund

  • Der Umstieg auf Elektroautos

    wird Zehntausende Arbeitsplätze in der Branche kosten – die gleichzeitig fortschreitende Digitalisierung der Fahrzeuge könnte den Verlust aber in großen Teilen auffangen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, in der die Folgen beider Trends gegenübergestellt werden.

  • Demnach

    werden dem Wandel in der Pkw-Branche bis zum Jahr 2030 im schlechtesten Fall mehr als 170 000 von zuletzt etwa 613 000 Jobs bei Herstellern und Zulieferern in Deutschland zum Opfer fallen. Im besten Fall wäre es nur etwa ein Zehntel davon. Dazu müssten aber alle neuen digitalen Komponenten und auch die Batterien für die Elektroautos in Deutschland produziert werden, schreiben die Autoren der Studie um IFA-Leiter Willi Diez.

  • Unter Digitalisierung

    versteht Diez vor allem die Vernetzung der Autos, also die Verbindung der Fahrzeugteile untereinander, insbesondere aber die Vernetzung des Autos mit der Außenwelt, zum Beispiel Assistenzsysteme.

Merkel sagte in ihrem am Samstag veröffentlichten Podcast, auf den asiatischen Märkten, insbesondere in China, gebe es „jetzt schon eine sehr große Diskussion über alternative Antriebstechnologien“. Mit Blick darauf könne sie „nur hoffen, dass (...) die deutsche Automobilindustrie nicht den Anschluss verliert“. Merkel wird am Donnerstag in Frankfurt die weltweit wichtigste Automesse IAA eröffnen. Die Veranstaltung steht unter dem Eindruck des Abgasskandals und der Debatte um Fahrverbote in deutschen Städten.

Kritisch äußerte sich Merkel zum schleppenden Erfolg von Elektroautos in Deutschland: „Wir sehen allerdings, dass natürlich immer noch nicht so ein breites Angebot da ist. Und auf der anderen Seite, dass auch die Lade-Infrastruktur in den Städten noch nicht so ist, dass die Käufer wirklich Vertrauen haben.“ Dennoch hoffe sie, „dass wir in beiden Bereichen jetzt in der nächsten Zeit besser werden“.

Offen bleiben für Innovationen

An die Industrie appellierte die Kanzlerin, neben der aus ihrer Sicht noch auf Jahrzehnte unverzichtbaren Verbrennungstechnologie nicht nur auf elektrische Antriebe zu setzen. „Was alternative Antriebstechnologien anbelangt, möchte ich noch darauf hinweisen, dass wir auf Technologieoffenheit setzen“, sagte Merkel. „Das heißt, wir fokussieren uns nicht ausschließlich auf die Elektromobilität, sondern wir warten, ob vielleicht auch die Brennstoffzelle oder synthetische Kraftstoffe eine Rolle spielen werden.“ In der Forschung „das richtige Maß und die richtige Mitte zu finden, das wird eine der herausragenden Aufgaben der Automobilindustrie sein“.

„Laut einer McKinsey-Studie sind wir heute schon einer der Leitanbieter und können 2025 sogar Weltmarktführer für Elektromobilität“ werden, sagte der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.“ Auf die Frage, ob die deutschen Anbieter einen „Trend verpennt“ hätten, sagte Wissmann: „Stimmt nicht. (...) Insgesamt sind heute bereits gut 30 Modelle von deutschen Herstellern auf dem Markt, im Jahr 2020 werden es mehr als 100 sein.“ Bislang sind deutsche Autofahrer allerdings kaum an E-Autos interessiert. Vergleicht man die Zahlen aller zugelassenen Wagen, machen Hybrid-Autos in Deutschland laut Kraftfahrtbundesamt derzeit nur 0,36 Prozent aus. Der Anteil reiner Elektroautos liegt nur bei 0,07 Prozent.

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  • FH
    Franz Huber
    11.09.2017 09:41

    "Heute ist morgen schon gestern!" - Mehr sog i ned! MfG Franz Huber Sinzing

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