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Autoindustrie

BMW-Werk Regensburg lagert aus

Die Logistik des BMW-Werks soll über einen Werkvertrag an einen Dienstleister vergeben werden. Der Betriebsrat befürchtet „Lohndumping durch die Hintertür“.
Von Christine Hochreiter, MZ

Der weiß-blaue Autobauer baut seine Oberpfälzer Fabrik derzeit um – zu einem Kompetenzzentrum für kleinere Fahrzeuge.Foto: dpa

Regensburg. „Betriebsrat gegen Werksleitung: Riesenzoff im BMW-Werk!“ und „Bei BMW sind Betriebsrat und Werksleitung im Krieg“ lauten Schlagzeilen in einem Medienbericht. Auf Nachfrage der MZ äußerten sich am Donnerstag beide Seiten zu dem Artikel. Betriebsratschef Werner Zierer sagte: „Krieg ist Quatsch“. Es gehe um festgefahrene Positionen, und auch Pressesprecherin Martina Grießhammer betonte, dass es sich „nicht um einen Zoff zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung handelt“.

Es geht um rund 280 Stellen

Aber was ist das eigentliche Thema? Grießhammer erläuterte den Hintergrund. In Regensburg bereitet sich BMW derzeit intensiv auf die Fertigung zusätzlicher Modelle aus der unteren Kompaktklasse mit einem hohen Produktionsvolumen vor. Dafür investiert der weiß-blaue Automobilbauer kräftig in den Standort – allein 500 Millionen Euro in Technologien wie Presswerk, Karosseriebau, Montage sowie in neue Logistikstrukturen.

Mit Blick auf den geplanten Kompetenzumbau im Unternehmen prüfe die Werksleitung seit längerer Zeit, welche Themenbereiche eventuell ausgelagert werden könnten. Der Betriebsrat sei in dieses Projekt komplett mit eingebunden und verfüge über alle Unterlagen, so die Sprecherin. Ein Ergebnis dieses Prozesses: „Im Zuge der Fokussierung auf die wettbewerbsdifferenzierenden Kernkompetenzen“ sollen „gegen Ende 2013“ die sogenannte „Physische Logistik Karosseriebau und Presswerk“ sowie der „Leergutversand der Montage“ über einen Werkvertrag an einen externen Dienstleister vergeben werden.

Der Betriebsrat ist damit nicht einverstanden. Betriebswirtschaftlich mag eine solcher Schritt seiner Ansicht nach zwar durchaus sinnvoll sein, zumal aufgrund der niedrigeren Personalkosten ein externer Anbieter günstiger wäre. Die Arbeitnehmervertreter halten es aber für strategisch falsch und für gefährlich, die zunehmende Komplexität der logistischen Abläufe zu unterschätzen. „Wir wollen die Logistik nicht verlieren“, sagte der Betriebsratschef. Neue Baureihen, zusätzliche Modelle und die hohe geplante Auslastung würden mittelfristig die Situation verschärfen.

Laut Zierer geht es insgesamt um etwa 280 der gut 8000 unbefristeten Arbeitsplätze im Regensburger BMW-Werk. Grießhammer betonte, dass alle der bisher dort beschäftigten Stammmitarbeiter (rund 150) in anderen Aufgabenfeldern weiterbeschäftigt würden. Häufig seien diese mit einer Weiterentwicklung verbunden. Den Arbeitnehmervertretern geht es indes vor allem um die andere Hälfte der Logistik-Kräfte: die Leiharbeiter. Was mit ihnen passiere, und zu welchen Bedingungen sie in Zukunft beschäftigt werden, sei noch ungeklärt, sagte Zierer. Die Absicherung aus dem Ergänzungstarifvertrag mit der IG Metall für BMW-Leiharbeiter sei für diese dann jedenfalls erst mal verloren. Der Betriebsrat befürchtet, dass mit den Werkverträgen „Lohndumping durch die Hintertür Einzug hält“.

Und Zierer hat noch ein anderes Argument gegen das Outsourcing der Logistikfelder bereit: die Demografie. Mitarbeiter, die sich mit den Anforderungen am Band altersbedingt schwergetan haben, hätten im Logistikbereich ein neues Tätigkeitsfeld gefunden. Diese Möglichkeit werde in Zukunft wegfallen. Dies lässt Grießhammer aber nicht gelten. Um für den demografischen Wandel gewappnet zu sein, bemühe man sich aktuell um ein Gesamtpaket. Der Erhalt von nicht mehr wettbewerbsfähigen Stellen könne dafür keine Lösung sein.

„Seit Jahren gelebte Praxis“

Werkleiter Dr. Andreas Wendt erklärte den Sinn der Auslagerung wie folgt: Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Werk Regensburg im internationalen Wettbewerb seien Flexibilität sowie die Fokussierung auf eigene Stärken und Kernkompetenzen. „Wir wollen unsere eigenen, hochqualifizierten Mitarbeiter dort einsetzen, wo sie den größten Beitrag für den Erfolg des Werkes leisten können.“

In der Vergangenheit seien bereits zahlreiche Aufgabenbereiche wie IT-Support oder das Facility Management über Werkverträge an externe Dienstleister vergeben worden. Wendt: „Das ist also kein neues Thema, sondern seit Jahren gelebte Praxis.“ Dem Unternehmen sei der faire Umgang mit Mitarbeitern, Lieferanten und Kooperationspartnern sehr wichtig. Daher fordere BMW auch von Lieferanten und Partnern ein, dass sie ihre Mitarbeiter nach den gültigen Tarifverträgen oder branchenbezogenen Mindestlöhnen bezahlen, beziehungsweise eine entsprechende Bezahlung sicherstellen.

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