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Ostbayern
Montag, 23. Oktober 2017 4

Wirtschaft

Achteckige Wasserkästen und „Bier to go“

Das Angebot an Getränken wird immer vielfältiger. Die Maschinenbauer profitieren davon, wie die Messe Drinktec zeigt.
Von Bernhard Fleischmann, MZ

Die Hersteller müssen auf immer individueller werdende Kundenwünsche eingehen. Krones hat dazu eine „Bottling-on-Demand“-Anlage im Angebot. Foto: Fleischmann

München.Die Drinktec ist die weltweite Leitmesse für die Getränkeindustrie und die Hersteller von flüssigen Lebensmitteln. Über seinen Status als Platzhirsch der Branche lässt die Neutraublinger Krones AG keinen Zweifel. Sie füllt gleich eine ganze Halle und überragt damit das Angebot der anderen Aussteller bei weitem. Krones gibt dafür eine Menge Geld aus, „aber nicht hier zu sein, wäre langfristig noch teurer“, sagt dazu Vorstandschef Christoph Klenk.

Die wirtschaftliche Lage erleichtert den Unternehmen diese Investition. Zurzeit ist ein Extraschluck drin. Wer in diesen Zeiten nicht gut Geld verdient, der werde es auch in Zukunft kaum schaffen, ist immer wieder von Firmenvertretern zu hören. Über solche Aussagen schmunzelt Krones-Aufsichtsratschef Volker Kronseder, der als Vorsitzender der Fachabteilung Getränkemaschinen und Molkereitechnik im Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer auch den großen Überblick gewinnt. Er sieht eine ganze Reihe von Trends, die der Branche auch langfristig Auftrieb geben sollen. Dazu gehört das weltweite Bevölkerungswachstum um die Einwohnerzahl Deutschlands jedes Jahr ebenso, wie die in vielen Regionen erfolgreiche Bekämpfung der Armut.

Individualisierung ist gefordert

In den satten Industrieländern stehen die Getränkehersteller in hartem Wettbewerb. Sie müssen sich von den Wettbewerbern abheben durch Qualität, durch Kosteneinsparungen und einen geringeren Verbrauch an Ressourcen. Dazu müssen sie investieren – in Ausbildung und in Anlagen.

Das spürt nicht nur der Riese Krones mit seinen weltweit bald 15 000 Mitarbeitern, sondern auch ein Mittelständler wie Bohrer in Regenstauf (Landkreis Regensburg). Bohrer fertigt mit rund 30 Mitarbeitern Kastenwaschanlagen. Damit werden die Behälter von Getränken, Lebensmittelkisten und andere Kunststoffgebinde gereinigt. Bohrer unterscheidet sich von anderen Anbietern nach den Worten seines geschäftsführenden Gesellschafters Georg Bohrer technisch dadurch, dass seine Anlagen die Behälter in ein Tauchbad geben und erst danach mit Druck abspritzen. Die Kunden befinden sich in aller Welt, in Deutschland beliefert Bohrer unter anderem fast alle aus der TV-Werbung bekannten Brauereien. 15 bis 20 Anlagen pro Jahr baut das Regenstaufer Unternehmen, Tendenz steigend. Bohrer reagiert, indem er noch mehr Teile der Maschinen als bisher selbst fertigt, um besser auf spezielle Kundenwünsche eingehen zu können. Die werden immer anspruchsvoller. Inzwischen gibt es achteckige Mineralwasserkästen – damit der Kunde im Getränkemarkt aus jedem Winkel die Markenaufschrift lesen kann.

Immer individueller, ein stetiges Feuerwerk an neuen Produkten, dabei immer kleinere Mengen einer Sorte – auf diese Vielfalt aufseiten der Getränkehersteller müssen die Anlagenbauer reagieren. Krones etwa stellt eine „Bottling-on-Demand“-Komplettanlage aus. Sie treibt diese Individualisierung auf die Spitze und kann im Prinzip auch Getränke in lauter unterschiedliche Behälter füllen und einzeln etikettieren.

Die Milchindustrie drängt stärker in den Getränkemarkt. Nachdem die Verbraucher kohlensäurehaltige Getränke wegen ihres oft sehr hohen Zuckergehalts zunehmend kritisch sehen, versuchen große Molkereien, sich mit neuen Milchgetränken – mit Kohlensäure, gemixt mit Tee oder als Energydrink – als gesunde Alternative zu positionieren.

Schnell und ohne Schaum abfüllen

Gesund heißt auch keimfrei. Krones bietet eine aseptische Abfüllung von PET-Flaschen, um den üblichen Einsatz von Chemikalien zu vermeiden. Stattdessen kommt ein Elektronenstrahl zum Einsatz. . Es geht aber auch mit Chemie, die etwa der Konzern Lanxess offeriert. Das Mittel Velcorin soll Mikroorganismen töten. Es wird auch bei Wein verwendet. Für Biobetriebe komme Velcorin nicht in Frage.

Als die wichtigste Erfindung auf der Messe sehen Kronseder und Klenk eine neue Krones-Abfüllanlage, mit der laut Krones-Technikchef Thomas Ricker „ein lang ersehnter Traum der Brauer in Erfüllung“ gehe. Die Maschine verhindere, dass Bier beim Einfüllen in die Flasche überschäumt und reduziere den Kontakt mit Sauerstoff. Eine halbe Sekunde dauere das Befüllen einer Halb-Liter-Flasche. Die Pilotanlage wird ihren Feldtest bei der Brauerei Bischofshof absolvieren. Später soll das System auch für andere Flaschen und Schraubverschlüsse weiterentwickelt werden.

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