mz_logo

Regensburg
Dienstag, 21. November 2017 7

Wirtschaft

Insolvenz trifft 77 Minag-Angestellte

Auslöser für den Konkurs der Nittendorfer Firma war der Tod des Eigentümers. Für Verunsicherung sorgen verschwundene Lkw.
Von Christof Seidl, MZ

Die Minag im Nittendorfer Gemeindeteil Pollenried hat Insolvenz angemeldet. Der Betrieb geht vorerst weiter. Foto: Seidl

Nittendorf.Für die Mitarbeiter der „MINAG Mineraliengesellschaft mbH“ (Minag) war es ein Schock. Anfang August erreichte sie die Nachricht, dass ihr Chef in einem Münchner Hotel gestorben ist. Ein Mitgesellschafter hatte wenige Tage später für das führungslose Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt. Für Verunsicherung sorgten auch Gerüchte, dass ein Teil des Fuhrparks verschwunden sei.

Inzwischen hat der Regensburger Rechtsanwalt Dr. Hans-Peter Lehner das Unternehmen als vorläufiger Insolvenzverwalter übernommen. Nach seinen Angaben gegenüber unserem Medienhaus läuft der Betrieb bei der Minag weiter. Die Löhne der 77 Mitarbeiter seien bis Ende September durch das Insolvenzgeld gesichert. Die Juligehälter hätten pünktlich ausgezahlt werden können.

Nach Angaben des Insolvenzverwalters handelt es sich bei der Minag um eine Spedition, die Schüttgut befördert und Baumaschinen vermietet. Als Gründe für den Insolvenzantrag nennt Lehner zum einen den Tod des Geschäftsführers, der zur Führungslosigkeit des Unternehmens geführt habe, zum anderen habe die Minag über keine Liquidität verfügt. Das Unternehmen war offenbar hoch verschuldet. Laut dem veröffentlichten Jahresabschluss 2015 hatte es zum Jahresende 2015 Verbindlichkeiten in Höhe von 15,5 Millionen Euro, 9,6 Millionen davon waren Bankkredite. Diese Verbindlichkeiten sind gegenüber dem Vorjahr (2014) um 700000 Euro gesunken.

Bürgschaften als Absicherung

Dr. Hans-Peter Lehner ist Insolvenzverwalter der Minag in Nittendorf. Foto: Lukas & Zink Fotografen

Aus diesem Jahresabschluss der Minag geht allerdings nicht deutlich hervor, wie die Verbindlichkeiten zuletzt abgesichert worden sind. So heißt es darin, dass „Darlehen und Mietkäufe durch Übereignung der Fahrzeuge sowie durch persönliche Bürgschaften des Geschäftsführers gesichert sind“. Insgesamt kommt der Jahresabschluss zu einer positiven Prognose: „Nach einem sehr gefestigtem Geschäftsjahr 2015 erwarten wir für 2016 weiter positive Betriebsergebnisse.“ Risiken, die den Fortbestand der Gesellschaft gefährden, seien nicht erkennbar, heißt es weiter.

Aus Lehners Sicht lässt der Jahresabschluss dagegen Fragen offen. „Die Insolvenzverwaltung wird diesen Abschluss einer kritischen Würdigung zu unterziehen haben.“ Konkrete Aussagen zur bestehenden Verschuldung der Minag seien erst nach einem Prüfungstermin möglich, der im Spätherbst stattfindet.

Unklarheiten gibt es offenbar auch beim Fuhrpark des Unternehmens. Nach Informationen unseres Medienhauses sollen Teile davon verschwunden sein. Der Insolvenzverwalter erklärte auf Anfrage, dass in den Büchern der Minag „diverse Lkw aufgeführt sind, deren Verbleib ungeklärt ist“. Er habe deshalb die Staatsanwaltschaft Regensburg informiert und diese Fahrzeuge zur nationalen und internationalen Fahndung ausschreiben lassen. Weitere Aussagen hierzu seien frühestens nach der ersten Sitzung des Gläubigerausschusses Mitte September möglich. Die Staatsanwaltschaft konnte am Mittwoch noch keine konkreten Angaben zu der Fahndung machen.

Es gibt aber auch positive Signale bei der Minag. Nach Lehners Angaben hat die Lage des Unternehmens bereits stabilisiert werden können. Er habe die Belegschaft in einer Betriebsversammlung über die vorläufige Insolvenzverwaltung und die bereits unternommenen Sofortmaßnahmen informiert. Die Mitarbeiter hätten positiv reagiert und würden weiterhin im Betrieb arbeiten.

Es gibt Interessenten an der Minag

Noch wichtiger wäre für die Belegschaft eine Zukunftsperspektive. Und auch da tut sich möglicherweise etwas. Wie der Insolvenzverwalter erklärt, gibt es drei konkrete Interessenten, die an einer Übernahme des Geschäftsbetriebs im Wege einer sogenannten übertragenden Sanierung interessiert sind. In diesem Fall würden alle Arbeitsverhältnisse auf den Erwerber übergehen. Die bestehenden Verbindlichkeiten würden im Falle einer übertragenden Sanierung für einen Investor keine Rolle spielen.

Die vorläufige Insolvenz der Minag trifft auch die Erwin Weichmann GmbH in Nittendorf. Dieses Unternehmen ist ein Schwesterbetrieb der Minag. Sie war nach Lehners Angaben aufgrund finanzieller Verflechtungen gezwungen, ebenfalls Insolvenzantrag zu stellen. Bei der Erwin Weichmann GmbH sind zehn Mitarbeiter beschäftigt. Lehner wurde dort inzwischen ebenfalls zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Der Geschäftsbetrieb wird auch bei dem Schwesterbetrieb fortgeführt.

Die Minag wurde 1997 von Erwin Weichmann jun. gegründet. Das Firmenprofil listet unter anderem die Aufbereitung und den Vertrieb von Baustoffen, Transporte sowie die Entsorgung von Abfällen auf. Die Erwin Weichmann GmbH wurde 1967 von Erwin Weichmann sen. gegründet. Nach dessen Tod wurde das Unternehmen von dessen Witwe Marianne Weichmann fortgeführt.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht