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Dienstag, 21. November 2017 7

Unternehmen

Krones: Training für die ganze Welt

Der Konzern will mit Schulungen der Konkurrenz vorausbleiben. In den Akademie-Ausbau werden fünf Millionen Euro gesteckt.
Von Michael Jaumann, MZ

Schulungen bei Krones sorgen dafür, dass die Mitarbeiter der Kunden die Hightech-Maschinen fehlerfrei und effizient bedienen. Foto: Jaumann

Neutraubling.Auch die Hightech von Krones lässt sich kopieren, da macht man sich beim Konzern keine Illusionen. Der Weltmarktführer für Getränkeabfüllanlagen muss sich daher einiges einfallen lassen, um den Mitbewerbern eine Nasenlänge voraus zu sein.

Eines dieser Standbeine, mit denen man der Konkurrenz bisher Jahre voraus ist, ist die Akademie. Mit ihr schult der Konzern Kunden-Mitarbeiter beim Hersteller und beim Geschäftspartner. Um diesen Wettbewerbsvorsprung auszubauen, investiert Krones in den nächsten beiden Jahren allein am Standort Neutraubling 4,5 Millionen Euro in die Erweiterung und Sanierung der Akademie.

„Das größte Risiko ist der Bediener“

In diesem Werksbereich soll die Krones-Akademie erweitert werden. Foto: Jaumann

Bereits im September will Krones mit Abbruch- und Neubauarbeiten beginnen. Den ersten, bis Juni 2018 terminierten Bauabschnitt, schätzt Franz Zollner, Leiter Bau und Technik, auf Kosten von 2,5 Millionen Euro. Für die Sanierung des Bestandsbaus und den Neubau im 2. Abschnitt will der Konzern von Juli 2018 bis Juni 2019 noch einmal zwei Millionen Euro investieren.

„Das größte Risiko beim Kunden ist der Bediener“, betont Dr. Jörg Puma, Chef der Krones-Akademie. Für Getränkeproduzenten bedeute es somit eine Herausforderung, fähige Leute zu bekommen. Unter anderem durch den demografischen Wandel werde es immer schwieriger, gute Elektriker und Mechaniker einzustellen, weiß Puma. Das gelte für die Industrieländer genauso wie für Schwellenländer.

Lesen Sie auch zum Thema von MZ-Redakteur Bernhard Fleischmann: „Krones lagert Produktion aus“.

Gute Maschinen, die von wenig kompetenten Mitarbeitern bedient werden, brächten aber weniger Ausstoß als vom Hersteller versprochen. Das sorge bei den Kunden für höhere Kosten und mache sie unzufrieden. Das kann sich auch auf den Eindruck auswirken, den der Hersteller beim Kunden hinterlässt.

„Das größte Risiko beim Kunden ist der Bediener. “

Dr. Jörg Puma, Chef der Krones-Akademie

Hightech-Maschinen hätten zudem eine Fülle von Einstellmöglichkeiten, Supportfunktionen und Testprogrammen, mit denen sich Maschinen optimieren lassen. „Beim Handy ist es ähnlich“, sagt Puma und hält sein Smartphone in die Höhe. Auch dieses sei prall gefüllt mit Funktionen. Dem Handynutzer bringe ein Verzicht auf Funktionen aber höchstens einen Verlust an Komfort, dem Getränkeabfüller jedoch einen Ausfall ganzer Produktionsschichten. „Hier können wir helfen“, sagt Akademie-Chef Puma.

Schulungen werden beim Konzern seit Jahren angeboten. „Krones war das erste Unternehmen der Branche, das Training beim Kunden anbot“, berichtet Puma. Das sei seinerzeit die Idee des früheren Konzernchefs Volker Kronseder gewesen. Die Schulungen hätten sich zum erfreulichen Wettbewerbsvorteil von Krones entwickelt.

Ein exportorientierter Konzern

  • Fakten

    Der Konzern mit Hauptsitz in Neutraubling plant, entwickelt und fertigt Maschinen und komplette Anlagen für die Bereiche Prozess-, Abfüll- und Verpackungstechnik. Informationstechnologie, Fabrikplanung sowie Produkte von Tochtergesellschaften, wie beispielsweise Intralogistik und Ventilproduktion, ergänzen das Angebot des Konzerns.

  • Zahlen

    Weltweit beschäftigt Krones 14 443 Mitarbeiter. Rund 90 Prozent seiner Produkte gehen ins Ausland. Der Konzernumsatz 2016 betrug 3,391 Milliarden Euro. Für 2017 strebt das Unternehmen ein Umsatzwachstum von vier Prozent an. Zum Konzern gehören neben der Krones AG (M-DAX) über 80 Vertriebs- und Serviceniederlassungen.

Zusätzlich zum Training vor Ort bietet Krones auch Schulungen an eigenen Akademien in Europa, Asien, Amerika und Afrika an. Der Vorteil: ideale Trainingsumgebung und Schulungsmaschinen mit praktischen Übungsmöglichkeiten an aktueller Technologie. „Und am Weg zum Mittagessen kommen die Schüler bei uns in Neutraubling an den künftigen Maschinen ihres Unternehmens vorbei“, weiß Franz Zollner. Die Hightech-Umgebung mache Eindruck und stärke die Bindung des Personals zu seinen künftigen Maschinen.

Der wachsende Qualitätsdruck bei den Getränkeabfüllern habe dazu geführt, dass sich bei Krones in den vergangenen fünf Jahren der Trainingsbedarf verdreifacht habe, berichtet Puma. In Neutraubling gebe es inzwischen rund 50 Trainer, weltweit etwa 100. Auf den gestiegenen Bedarf reagiere man in Neutraubling, Franklin (USA) und Bangkok mit dem Ausbau der Akademien. Auch in Rosenheim werde die Akademie erweitert und in Freising entstünden eine Lehr- und Versuchsbrauerei und eine Akademie.

Consulting-Truppe ist im Aufbau

Seit Juli ist in der Akademie eine neue Truppe im Aufbau, für die der Konzern fortlaufend Mitarbeiter sucht. Die Consulting-Truppe geht von der Erkenntnis aus, dass beim einfachen Mitarbeiter das Wissen um die Probleme eines Unternehmens sitzt. Die Consulter soll vor Ort Strukturen optimieren, um die Motivation bei den Mitarbeitern zu erhöhen und die Effizienz zu steigern. Und sie soll mit diesem Wissen auch die Weiterbildungsprojekte bei Krones verbessern.

Die Akademie hat zudem einen digitalen Traingspool aufgebaut, den sich die Kunden zu ihrer Anlage dazu bestellen können. Über die Hardware in Form einer Metallsäule gibt es nicht nur einen Zugang zu Trainingsvideos und Schaltplänen. Man kann dort unter anderem auch auf „virtuelle Trainer“ zugreifen, die über Videofunktion mit dem Personal des Kunden kommunizieren.

Wenn im September der Ausbau der Akademie beginnt, geht es für Bau-Chef Zollner darum, das neue Gebäude so hinzubekommen, dass der Altbestand daneben problemlos abgebrochen werden kann. Der zweite Bauabschnitt soll sich mit dem ersten Bauteil später zur Einheit zusammenfügen.

Wert legt das Unternehmen dabei auch auf die Gebäudesprache. Die Akademie muss bestens ausgestattet sein und die Schüler sollen sich wohlfühlen. Das Gebäude darf aber nicht teuer rüberkommen – typisches Mittelständler- Unterstatement halt!

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