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Sonntag, 21. Januar 2018 5

Reisen

Die Eroberer der Campingwelt

Im eigenen Schneckenhaus die Welt erkunden, das liegt im Trend. Knaus Tabbert bietet dafür die notwendigen Gefährte.
Von Bernhard Fleischmann

Fast fertig: Hier laufen Knaus-Caravans vom Band. Das Unternehmen investiert derzeit in neue Linien in Jandelsbrunn. Foto: Knaus Tabbert

Jandelsbrunn.Die weite Welt ist weit weg in Jandelsbrunn. Die gut 3300 Einwohner zählende Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau, ganz nah am Dreiländereck Deutschland/Tschechien/Österreich gelegen, ist umgeben von ganz viel Landschaft. Wer weg will, hat einen weiten Weg vor sich. So gesehen erscheint Jandelsbrunn als Hauptproduktionsort eines bedeutenden Herstellers von Reisemobilen und Wohnwägen weniger widersinnig, als es der erste Blick vermuten lässt.

Hier am Hauptsitz entwickelt und baut Knaus Tabbert mit rund 1100 Mitarbeitern Fahrzeuge für das Leben auf Achse. Dieses Leben leisten sich in Deutschland und Teilen Europas immer mehr Menschen. „Caravaning ist total hip“, sagt Geschäftsführer Werner Vaterl, zuständig für Produktion, Forschung, Entwicklung, Personal und Werke.

Entschleunigung für die Ü-45

Gründe dafür gibt es eine ganze Reihe: Standardflugreisen mit Schlachten am Buffet, das haben die Menschen ab dem mittleren Alter ausreichend erlebt und häufig genug davon. Finanziell geht es vielen Bürgern der Generation Ü-45 besser denn je zuvor. Wegen der Nullzinsen investieren sie lieber, unter anderem in Wohnungen, in Reisen oder eben in Reisemobile, die beides gewissermaßen kombinieren.

Ein entscheidender Faktor in Vaterls Augen: Diese Menschen haben gut bezahlte, stressige Jobs. Caravaning sei für sie wie gemacht: Ein entschleunigendes Lebensgefühl mit der Botschaft, dass man auf zehn Quadratmetern im Grünen bestens leben kann. Diese Kunden wollten sich in ihrem Schneckenhaus die Welt anschauen.

Zur Weinprobe in Frankreich

Camping habe sich verabschiedet vom Billigurlaub mit viel Grillfleisch und Bier. Stattdessen verwöhnen die Reisemobile mit Komfort, sorgen vom Start an der Haustür weg für Urlaubsfeeling und erleichtern auch kurzfristige Trips übers verlängerte Wochenende, sagt Vaterl. Veranstalter bieten bereits maßgeschneiderte Angebote, etwa Weinproben in Frankreich.

Geschäftsführer Werner Vaterl spricht im Video darüber, warum das Unternehmen Knaus Tabbert eine führende Rolle im Markt für Reisemobile und Wohnanhänger spielt und worin er die Herausforderungen der Zukunft sieht.

Knaus-Tabbert-Vorstand Werner Vaterl im Interview

Für all diese Wünsche hat Knaus Tabbert Fahrzeuge im Angebot. Das beginnt beim kleinen Caravan mit dem Markennamen T@B, ein Wohn-Ei im Retro-Stil mit Kult-Charakter bis hin zum Luxusliner Sun I, ein dreiachsiges Wohnmobil mit einem Grundpreis von fast 90 000 Euro, der sich dank Optionsliste spielend weit über die 100 000-Euro-Marke hochtreiben lässt.

Bei Reisemobilen auf Platz eins

Die Knaus Tabbert GmbH fährt wie andere Hersteller auch eine Mehrmarkenstrategie: Knaus steht für gehobene Wertigkeit, Innovation und Verlässlichkeit. Weinsberg bedient eher die jüngeren Kunden und soll beim Preis-/Leistungsverhältnis glänzen. Das Weinsberg-Modell CaraCompact Edition Pepper ist das meistverkaufte Reisemobil in Deutschland und Europa.

Tabbert bietet Wohnwägen in der Preisklasse knapp unter 20 000 bis 80 000 Euro (Grundpreis) an, deutlich eine Stufe über Knaus in schwerer Qualität. Hier werden auch Ganzjahresbewohner wie Schausteller fündig. Seit wenigen Jahren gehört Morelo zur Firmengruppe. Bei geringen Stückzahlen wird hier absoluter Luxus geboten.

16 400 Fahrzeuge hat Knaus Tabbert an seinen drei Standorten Jandelsbrunn, Mottgers in Hessen und im ungarischen Nagyoroszi im Jahr 2016 gebaut. Heuer werden es über 20 000 Exemplare sein, weiß Vaterl.

Damit lag Knaus Tabbert in Deutschland und Europa 2016 bei Reisemobilen auf Platz eins mit Marktanteilen von 12 beziehungsweise sechs Prozent. Bei Wohnwägen ist es jeweils Platz zwei mit 20,7 und 11 Prozent. Die Niederbayern gewinnen von Jahr zu Jahr Marktanteile hinzu.

Die rettende Heuschrecke

Dabei stand das Unternehmen erst vor weniger als zehn Jahren kurz davor, gegen die Wand zu fahren. Ende 2008, als im Zuge der Finanzkrise der Markt für Reisemobile und Caravans fast verdampfte, war Knaus Tabbert finanziell am Ende. Der niederländische Finanzinvestor HTP übernahm das Unternehmen Anfang 2009 zu 100 Prozent und ist bis heute an Bord geblieben. Seither hat sich der Umsatz mehr als verdreifacht. 2016 waren es 411 Millionen Euro, für 2017 zeichnen sich 530 Millionen Euro ab, sagt Vaterl.

Der Bestseller im Knaus-Tabbert-Programm für Reisemobile: Der Weinsberg CaraCompact Edition Pepper Foto: Haasz/Knaus Tabbert

In Jandelsbrunn investiert Knaus Tabbert (KT) gewaltig, steckt soeben 33 Millionen Euro in neue Fertigungsbänder. Gut 2000 Mitarbeiter zählt das Unternehmen, allein in diesem Jahr wurden 350 Menschen eingestellt. Kein Wunder, wenn die Herausforderung nicht im Verkaufen, sondern im Herstellen besteht. Dazu braucht man Mitarbeiter. KT strengt sich an: Vaterl nennt Bezahlung nach Tarif, Wertschätzung, eine gute Kantine, freies Obst für alle, beste Arbeitskleidung und vieles andere. Die 100 Mitarbeiter aus Tschechien erhalten Deutschkurse, anerkannt als Arbeitszeit.

Wohnmobile im Reisebüro

Auch wenn es prima läuft, die Reise geht weiter. KT hat eine zusätzliche Marke für ein weiteres Vertriebsmodell gegründet: Rent and Travel ist ein Vermietservice. Fahrzeuge von Knaus und Weinsberg werden online oder über 300 Reisebüros vermittelt. So sollen Neueinsteiger gewonnen werden.

Auch bei Reisemobilen wird die Elektrifizierung kommen.“ Werner Vaterl, Geschäftsführer

Bei den Fahrzeugen ist neben noch mehr Komfort das Gewicht ein Zukunftsthema. KT entwickelt eine neue Bauweise mit selbsttragendem Rahmen. Die Möbel müssen keine tragende Funktion mehr übernehmen. Rund 30 Prozent Gewicht soll das bei einem Caravan sparen. Das ist wichtig, weil es Treibstoff spart und vor allem, weil die 3,5-Tonnen-Schwelle immer schwerer zu halten ist. Die jüngeren Führerscheinbesitzer dürfen mit der klassischen Fahrerlaubnis nicht mehr Gewicht bewegen (früher 7,5 Tonnen). Wenn nun die Diesel allmählich durch Elektroantriebe abgelöst werden, steigt die Masse des Antriebs. Diese Pfunde muss KT an anderer Stelle einsparen.

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