mz_logo

Wirtschaft
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Messe

Zulieferer setzen Autobranche unter Strom

Auf der IAA wagen Autobauer höchstens vorsichtigen Optimismus. Die Ära der puren E-Autos ist noch nicht da – die der Elektrifizierung schon.
Von Bernhard Fleischmann, MZ

Erstes Auto der BMW Submarke i: der i3, der nach seiner Enthüllung Ende Juli nun auch auf der IAA noch einmal glänzt. Foto: dpa

Frankfurt.Die Elektroautos fahren spätestens bei dieser IAA aus ihrer kleinen Nische heraus – was die Wahrnehmung und den Eifer der Hersteller betrifft. Der BMW i3 ist einer der Stars der Messe. Doch selbst wenn der i3 oder sein Konkurrent aus Wolfsburg, der E-Golf, die Erwartungen ihrer Erbauer erfüllen sollten, auf dem Gesamtmarkt bleiben sie auf absehbare Zeit wohl kaum wahrnehmbar.

Davon geht jedenfalls der Zulieferer Continental aus. Nach dessen Prognosen werden im Jahr 2025 erst ein Drittel der dann jährlich verkauften Autos nennenswert elektrifiziert sein. Zwei Drittel werden weiterhin Verbrenner sein, so wie wir sie heute kennen. Rein elektrisch angetrieben sind dann, so die Erwartung, lediglich drei Prozent. Der Großteil der elektrifizierten Modelle werde ein Zwischenstadium zwischen klassischem Verbrenner und Hybrid sein, schätzt Bernhard Klein von Conti Powertrain.

Der entscheidende Unterschied bei dieser Vorstufe zum Hybrid gegenüber dem gewöhnlichen Verbrenner: Die Spannung des Bordnetzes beträgt 48 statt zwölf Volt. Kern des Pakets sind u. a. eine zusätzliche Batterie und ein Ringstartergenerator, der die Lichtmaschine ersetzt. Das Paket soll bei geringem technischen und finanziellen Aufwand den Verbrauch um bis zu 13 Prozent senken. Der Generator wird als kleiner Elektromotor eingesetzt. Damit kann das Auto beim Bremsen und Gaswegnehmen Energie zurückgewinnen. Die Start/Stopp-Automatik kann wirkungsvoller und komfortabler eingesetzt werden. Obendrein dient die E-Maschine als zusätzliche Kraftquelle, die die immer kleineren Motoren gut gebrauchen können. 2015 wird das System in Serie gehen, bei einem europäischen Volumenhersteller.

Energieeinsparung ist auch im Detail wichtig. Webasto etwa hilft den von Reichweitenproblemen geplagten E-Autos mit einer neuen Heizung. Sie kommt mit zehn Prozent weniger Energie aus, so das Unternehmen. Obendrein wiegt sie nur zwei statt fünf Kilo und kann zusätzlich die Batterie des Stromfahrzeugs vorwärmen, was deren Energieabgabe und Lebensdauer vor allem im Winter fördert. Kurz vor der Serienreife steht auch ein Solardach, das seinen gewonnnen Strom in die Batterie einspeist. Das spart am Ende Treibstoff.

Einen anderen Schwerpunkt hat Zulieferer Delphi, der in der Nähe Standorte in Nürnberg und Neumarkt betreibt. Zwar geht es auch darum, Gewicht einzusparen, etwa mithilfe leichterer Kabelbäume. Aber auf der Messe stehen Unterhaltung und Sicherheit im Mittelpunkt. Bereits 2014 soll ein System in Serie gehen, das u. a. Passanten oder andere Fahrzeuge und deren Verhalten so erkennt, dass das Auto eigenständig darauf reagieren kann.

Eine deutliche Stufe weiter – die Serienreife soll 2016/2017 erreicht sein – geht eine weitgehende Fahrerüberwachung. In die Windschutzscheibe projizierte rote Blitze sollen seinen Blick wieder nach vorne lenken, wenn der Pilot zu lange woanders hingeschaut hat. Dabei analysiert das System sogar die Situation des Verkehrs. Ist sie wenig gefahrenträchtig, lässt es dem Fahrer mehr Spielraum als bei schwierigen Bedingungen. Mails zum Beispiel können nur dann abgerufen werden, wenn es der Verkehr erlaubt.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht