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Freitag, 22. September 2017 21° 2

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Projekt: Mehr Datenschutz im Netz

Regensburger Forscher arbeiten an Lösungen, um Nutzerdaten künftig besser vor dem Zugriff durch Dritte zu schützen.
Von Louisa Knobloch, MZ

Datenschutz für alle im Internet – das ist das Ziel eines neuen Forschungsprojekts an der Universität Regensburg. Foto: Matthias Balk/dpa

Regensburg.Internetnutzer kennen das Phänomen: Hat man in einem Online-Shop nach Kleidung gestöbert oder auf einem Reiseportal Hotels verglichen, wird einem auf anderer Webseiten plötzlich Werbung für genau die betrachteten Produkte angezeigt. Denn wer im Internet surft, hinterlässt Spuren – und diese sammeln Unternehmen, um detaillierte Profile der Vorlieben und Gewohnheiten eines Nutzers zu erstellen. Durch die zunehmende Verwendung mobiler Endgeräte wie Smartphones oder Fitnesstrackern können zudem immer mehr persönliche Daten wie der aktuelle Standort oder sogar die Herzfrequenz gesammelt werden.

Ein neues Forschungsprojekt mit mehreren Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft hat das Ziel, Internetnutzer künftig vor dem Ausforschen ihrer persönlichen Vorlieben und Gewohnheiten im Internet zu schützen. Koordiniert wird das Projekt mit dem Titel „AN.ON-Next – Anonymität Online der nächsten Generation“ von Prof. Dr. Dogan Kesdogan, Lehrstuhlinhaber des Instituts für Wirtschaftsinformatik IV der Universität Regensburg. „Wir wollen ein Tool entwickeln, das den Datenschutz übernimmt, ohne dass die Nutzer viel dafür tun müssen“, sagt Kesdogan. Denn obwohl Datenschutz vielen Menschen wichtig sei, hapere es oft an der Umsetzung. „Das ist wie beim Umweltschutz“, so der Professor. „Indem wir die Schwelle möglichst niedrig halten, erhöhen wir die Akzeptanz.“

Ziel: Basisdatenschutz bis 2018

Wer anonym im Internet unterwegs sein möchte, kann auch heute schon auf verschiedene Dienste wie „Tor“ oder „JonDonym“ zurückgreifen. Diese hätten aber noch keine Alltags- und Massentauglichkeit erreicht, so Kesdogan. Die Dienste müssten aufwändig konfiguriert werden und seien oft nicht für alle Geräteklassen verfügbar. Beispielsweise ließen sich verschlüsselte E-Mails dann nicht auf dem Smartphone abrufen. „Anonymisierung geht zudem zu Lasten der Geschwindigkeit“, sagt Kesdogan. Echtzeitsysteme wie die Übertragung von Audio- und Videodaten erforderten aber eine schnelle Datenverbindung.

Prof. Dr. Dogan Kesdogan (r.) und sein Mitarbeiter Christian Roth wollen zusammen mit ihren Kooperationspartnern im Projekt „AN.ON-Next“ einen Basisdatenschutz im Internet entwickeln. Foto: Knobloch

Die Wissenschaftler wollen einen standardmäßigen Basisschutz entwickeln, der allen Internetnutzern zur Verfügung stehen soll. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt bis Ende 2018 mit rund 1,6 Millionen Euro. Neben der Universität Regensburg sind die Universitäten Frankfurt, Hamburg und Dresden sowie das Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein beteiligt. Mit der Manitu GmbH ist auch ein Internetprovider mit an Bord, daneben die Comidio GmbH, die mit der „Trutzbox“ eine Sicherheitslösung für Internetnutzer entwickelt hat, und die Regensburger JonDos GmbH, Anbieter des Anonymisierungsdienstes „JonDonym“. Diese Firma war 2007 als Start-up aus einem früheren „AN.ON“-Projekt hervorgegangen.

Der erste Schritt setzt auf Ebene der Internet-Service-Provider an. „Wir wollen den Datenverkehr über eine Hardware-Komponente anonymisieren, so dass im Internet nicht mehr der einzelne Nutzer, sondern nur noch eine Nutzermasse auftaucht“, sagt Christian Roth, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik. Der eigene Provider hätte in diesem Fall zwar weiter Zugang zu den Nutzerdaten, würde sie aber vor dem Zugriff durch Dritte schützen. „Mit der Telekom und Vodafone haben wir assoziierte Partner im Projekt, die bereits Interesse an dem Ansatz signalisiert haben“, sagt Kesdogan. Mehr Sicherheit zu bieten, sei für Provider auch ein gutes Werbeargument, meint Roth.

Videochats künftig verschlüsselt

In einem zweiten Schritt wollen die Wissenschaftler ein neues Anonymisierungsprotokoll entwickeln, das auch die Übertragung von Audio- und Videodateien unterstützt – und zwar mit geringem Geschwindigkeitsverlust. Im dritten Teil des Projekts sollen die entwickelten Protokolle in den neuen Mobilfunkstandard 5G eingebracht werden. „Wir wollen Geschwindigkeit mit Sicherheit kombinieren“, beschreibt Kesdogan das Vorhaben. Angesichts der besonderen Anforderungen sei hier aber noch viel Forschung nötig. Im Projekt sollen daher Demonstratoren entwickelt werden. Denkbar wäre etwa, dass ein Mobiltelefon keine sensiblen Daten mehr sendet, wenn es in einem fremden Netz ist. Der Basisdatenschutz für Internetnutzer soll dagegen bis 2018 bereits funktionsfähig sein.

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