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Sonntag, 21. Januar 2018 5

Studie

Die „richtigen“ Deutschen und die Ossis

Wir Deutsche – das sagt man so leicht. Doch in Ost und West stecken immer noch unterschiedliche Bilder dahinter. Gezeichnet werden sie in den Medien.
Von Ute Grundmann, MZ

Forscher untersuchten, wie die Ostdeutschen in westdeutschen Leitmedien dargestellt wurden. Foto: dpa

Als sich durch den Mauerfall West- und Ostdeutsche unverhofft gegenüberstanden, begann eine Zeit des Kennenlernens. Dabei spielten die Medien eine nicht unwesentliche Rolle, denn sie lieferten Bilder und Reportagen von „drüben“. Wie die Ostdeutschen in den (West-) Medien dargestellt wurden, haben Wissenschaftler untersucht. Ihr Fazit: Das Bild in den Leitmedien war westzentriert, oft von Herablassung und von der Überzeugung geprägt, der Westen sei das „richtige“ Deutschland, der Osten dagegen die Abweichung von der Norm.

Ein „Ossi“ war überall „Ossi“

Ein „Wessi“ ist der Westler nur im Osten, der „Ossi“ dagegen ist es überall. Zu diesem Schluss kommt Juliette Wedl, die sich mit der Ost-Darstellung in der „Zeit“ beschäftigt hat. Die Ostdeutschen wurden dort als Masse, als Kollektiv gesehen und dem Leser erklärt, wie diese im Allgemeinen denken und fühlen. Der Westler im Osten dagegen bleibt immer eine einzelne Persönlichkeit. Das, so Wedl, zementierte die Trennung mehr als sie aufzuheben.

Für den Band „Die Ostdeutschen in den Medien“ (Hrsg. Thomas Ahbe, Rainer Gries, Wolfgang Schmale; Leipziger Universitätsverlag, 24 Euro) wurde nicht nur die „Zeit“ unter die Lupe genommen, sondern auch die Bild-Zeitung, die Süddeutsche Zeitung (SZ), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), der Spiegel und, teilweise, auch die Tageszeitung (taz). Die sehen die Wissenschaftler als die Leitmedien, die dazu beitrugen, „das im vereinigten Deutschland gültige Wissen über Ostdeutschland und die Ostdeutschen zu produzieren“. Und sie haben bemerkenswerte Unterschiede und Veränderungen in der Berichterstattung ausgemacht.

So wurden die aus der DDR Geflohenen in der Bild-Zeitung als absolut hilflos dargestellt, im Spiegel dagegen als „die Landsleute von drüben“. Nach der Wende sah man bei Bild die Neubürger als „etwas rückständig“ an (weshalb man einen „Notruf für Ostdeutsche“ einrichtete), während man in Spiegel und SZ (auch) schon die künftigen Verteilungskämpfe kommen sah. Im Spiegel schrieb man von der Reservearmee für Arbeitsmarkt und Rentenkasse, „ähnlich überzählig wie viele Nachkommen der einst gerufenen Gastarbeiter“.

Der Ostdeutsche als Held

Auch zwischen 1990 und 1995 sehen die Wissenschaftler deutliche Unterschiede in der West-Berichterstattung. Während die FAZ „Volksschelte“ und wenige Wochen nach der Grenzöffnung vor allem Düsteres geboten habe, holte die SZ Ex-DDR-Autoren, die mit Schaudern in die ehemalige Heimat blickten. Auch der Spiegel habe sich nicht unbedingt glücklich über das wiedervereinigte Vaterland gezeigt, während die taz das Ost-Thema für „Fundamentalkritik“ am bundesrepublikanischen System genutzt habe. 1995 sei dann „Normalität mit noch nicht gelösten Problemen“ (FAZ) dargestellt worden, die SZ habe Konflikte und Schwierigkeiten aufgezeigt, der Spiegel dagegen „den Ostdeutschen als Helden des wirtschaftlichen Umbruchs“, oft als sympathischen Verlierer, aber nicht Versager.

Mit der Jahrtausendwende registrieren die Wissenschaftler dann nicht nur ein sinkendes Interesse am Osten, sondern auch eine „Uniformierung und Verhärtung der Deutungsmuster zu den Ostdeutschen“. Deren Erfahrungen und Werte passen nicht ins West-System, werden als falsch oder irrelevant dargestellt. Insgesamt, so lautet das Fazit der Studie, diene das mediale Bild der Ostdeutschen nach wie vor dazu, westdeutsche Identitäten zu stützen.

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