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Samstag, 16. Dezember 2017 3

Wanderbare Region

Sagenhafte Wanderung für jedes Wetter


Von Andrea Potzler, MZ

Strahlender Sonnenschein und eine vergnügliche Wanderung? Das kann jeder! Mein Freund und ich hingegen beschlossen, dem herbstlich bis winterlich anmutenden Wetter die Stirn zu bieten und den Ruselabsatz im Bayerischen Wald auch bei „dem bisschen Regen“ zu erwandern. Schließlich sind die Wege einfach und es lockt am Ziel das Landshuter Haus – ein großes, warmes Gasthaus. Jedenfalls lässt sich diese Wanderung garantiert bei jedem Wetter machen – bei Schnee mit Langlaufskiern, bei Regen mit unserem gelben Schirm, um den wir richtig froh waren. Los geht’s am Parkplatz mit dem Schild „Ruselabsatz 855 m über Normalnull“. Hier findet man Wanderkarten und auch den Hinweis auf den GEHsundheitsweg. Hier kann man Natur an elf Stationen hören, riechen und fühlen.

Wir lassen den Rundweg jedoch für heute aus und sehen lieber zu, dass wir der Beschilderung Wanderweg Nummer 4 zum Landshuter Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite folgen. Wir laufen auf einem kleinen Waldweg, bis wir schließlich auf die Forststraße treffen und dieser schnurstracks folgen. So geht es vorbei an einem kleinen Gedenkstein für einen, der kürzlich mit 51 Jahren verstorben ist und weiter zu einem großen Gedenkstein mit Kreuz links ab für die Opfer des Zweiten Weltkriegs.

Der Mann hielt sein Gelübde

Die Wege verzweigen sich an der „Hölzernen Hand“. Hier soll sich ein Mann laut Sage verlaufen haben und schwor, wenn er je aus dem Wald fände, würde er jedes Jahr hierher eine Wallfahrt machen und eine hölzerne Hand zum Gedenken an seine Rettung aufstellen. Ein altes Weiblein soll aufgetaucht sein und ihm den Weg gewiesen haben. Der Mann hielt sein Gelübde und errichtete die hölzerne Hand, die den Weg nach draußen weisen soll.

Von hier laufen wir der wieder ausgezeichneten Beschilderung des Wanderwegs 3 nach, die uns immer gen Landshuter Haus führen. Wir kommen an einer Bergwachtstation vorbei und kurz darauf können wir den Gipfel des Breitenauer Riegels auf 1114 Meter erklimmen. Leider verstellt uns der Nebel den weiten Blick.

Zwanzig Minuten später erreichen wir Oberbreitenau. Bis auf das Landshuter Haus, in dem wir einkehren, sind hier nur noch Fundamente alter Häuser. Das Dorf wurde 1956 aufgegeben. Schon im sechzehnten Jahrhundert hatten sich hier Menschen trotz der widrigen Bedingungen durch Abgeschiedenheit und schlechte Ernten angesiedelt. Als Letztes erhalten blieb das Landshuter Haus, das erst eine Jugendherberge war und später in das jetzige Gasthaus umgebaut wurde. Heute ist es ein großes, modernes Ausflugsziel.

Wir kehren im Landshuter Haus ein auf einen Braten, Bärlauchspätzle und eine Rohrnudel. Das heiße Skiwasser mit Hollersirup wärmt von innen, Schirm und Regenjacken tropfen ab. Außer uns hat es auch noch zehn andere Wanderer ins Freie getrieben, was die Wirtin doch sehr wundert: „Beim schönen Wetter kanns ja jeder...“ und schaut uns zweifelnd an.

Frisch gestärkt suchen wir noch zwei Schätze mit unserem Navigationsgerät: Leute haben hier Tupperschachteln gut versteckt und die Koordinaten ins Netz gestellt. Die Freude über einen Riesenschatz namens „Zauberwald“ lässt für uns die Sonne scheinen. Wir laufen zurück auf dem Wanderweg Nr. 2 und kommen schon wenige Meter nach der Landshuter Hütte ins Naturschutzgebiet des Hochmoors.

Kunst in der Nähe des Moors

Beim Hochmoor ist es dann auch von unten kräftig nass, doch leiten uns die Stege sicher durch das Moor. Ein besonderes Vergnügen sind hier die Skulpturen, die in die Baumstümpfe von Fichten gesägt wurden. Wir erspähen einen riesigen Holzpilz und einen eleganten hölzernen Vogel. Mehr als 8000 Festmeter Fichten, die nicht standortgerecht waren, mussten dem Hochmoor Luft machen. Auch eine Langlaufloipe musste hier dem Moor Platz machen und wurde umgelegt. Das Moor liegt schön da und ein Schild weist uns darauf hin, dass nun alles zur „bildungstechnischen und touristischen Zufriedenstellung“ sei. Von hier kommen wir wieder auf einen Forstweg und wandern teils durch Fichtenbestände und Mischwald, bis wir wieder auf die hölzerne Hand treffen.

Von hier kennen wir den Weg zum Auto und können am Ende sogar kurz unseren Schirm zumachen, der uns so treue Dienste geleistet hat. Wen es also auch an einem Regentag nicht auf dem Sofa hält, ist mit dieser einfachen Wanderung gut beraten.

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