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Sicherheit

Großübung für Einsatzkräfte im Landkreis

Vorbereitet für den Ernstfall: Ein fiktiver Störfall bei der Stullner Firma Nabu soll helfen, die Abläufe zu verbessern.
von Cornelia Lorenz

Kreisbrandmeister Helmut Schatz, Stadtbrandinspektor Helmut Mösbauer, Kreisbrandmeister Günther Ponnath und Stefan Weinberger von der Polizeiinspektion Nabburg (von links) behielten von der Einsatzzentrale aus den Überblick. Foto: scl
Kreisbrandmeister Helmut Schatz, Stadtbrandinspektor Helmut Mösbauer, Kreisbrandmeister Günther Ponnath und Stefan Weinberger von der Polizeiinspektion Nabburg (von links) behielten von der Einsatzzentrale aus den Überblick. Foto: scl

Schwandorf.Es ist ein Szenario, das man sich gar nicht vorstellen mag: In einem Unternehmen, in dem Chemikalien hergestellt werden, kommt es zu einem Störfall – und die für Menschen giftigen Stoffe bewegen sich mit dem Wind auf ein Wohngebiet ganz in der Nähe zu. Jetzt kommt alles darauf an, dass die Einsatzkräfte schnell und richtig reagieren. Um für solch einen Ernstfall gewappnet zu sein, haben die Rettungskräfte aus dem Landkreis Schwandorf am Dienstag im Landratsamt eine Großübung abgehalten.

Hilfe von der Feuerwehrschule

Rund 80 Mitglieder von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk, Johannitern, Rotem Kreuz, der Bundeswehr und natürlich auch Mitarbeiter der Abteilung für Öffentliche Sicherheit und Ordnung des Landratsamtes hatten sich vor Ort eingefunden, um zusammen mit Experten von der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried einen fiktiven Störfall durchzuspielen: Morgens gegen 8.30 Uhr kollidiert ein Gabelstaplerfahrer auf dem Gelände der Firma Nabu Oberflächentechnik GmbH in Stulln aus Versehen mit einem Gefahrgutcontainer. Der Mann wird dabei schwer verletzt, doch damit nicht genug: Chemikalien werden freigesetzt, schon bald klagen Mitarbeiter über Augenreizungen.

Aber schon kommt noch ein viel größeres Problem kommt auf die Einsatzkräfte zu: Der Wind steht so ungünstig, dass die rund 250 Bewohner des Ortsteils Vogelherd in akuter Gefahr sind, dringend gewarnt werden müssen und ihre Fenster und Türen geschlossen halten müssen.

Ein Video-Interview mit Feuerwehrsprecher Hans-Jürgen Schlosser sehen Sie hier:

Die Rettungsorganisationen haben bei der Übung gut zusammengearbeitet. Video: Cornelia Lorenz/Schnitt: Simone Grebler

Von diesem Szenario haben die Bewohner von Stulln nichts mitbekommen, schließlich fand der Störfall nicht wirklich statt, sondern wurde nur virtuell durchgespielt. Eine Übung dieser Größenordnung habe es im Landkreis bislang nicht gegeben, sagt Hans Prechtl, Pressesprecher am Landratsamt. Die 80 beteiligten Einsatzkräfte sammelten sich an zwei Stellen in der Behörde in Schwandorf selbst sowie in der benachbarten Oberpfalzhalle. Natürlich stand hier zu Kommunikationszwecken die moderne Technik im Vordergrund, doch auch die guten alten Pinnwände mit Lageplänen aus Papier und bunten Klebezetteln kamen zum Einsatz.

Aufgrund des bayerischen Katastrophenschutzgesetzes musste zunächst ein örtlicher Einsatzleiter bestimmt werden. Diese Rolle übernahm Kreisbrandinspektor Johann Gietl, der dann planmäßig vom Schwandorfer Stadtbrandinspektor Helmut Mösbauer abgelöst wurde. Der war am Ende zufrieden mit der Übung. Kommunikationsschwierigkeiten seien ab und zu aufgetreten, aber daraus könne man nur lernen.

Ein Interview mit Feuerwehrsprecher Hans-Jürgen Schlosser lesen Sie hier.

Außerdem wurde im Landratsamt die sogenannte „Führungsgruppe Katastropenschutz“ eingerichtet, der unter anderem Maria Zweck, die Leiterin der Abteilung für Öffentliche Sicherheit und Ordnung, angehörte. Für die Verantwortlichen gab es einiges zu beraten und so schnell wie möglich mit den einzelnen Stabsstellen von Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften abzusprechen. Denn bald kristallisierte sich heraus, dass die Bewohner des Ortsteils Vogelherd aufgrund der Wetterlage und des Windes in Richtung Süd-West evakuiert werden müssen. Für sie galt es, so schnell wie möglich Busse anzufordern, um sie vorübergehend ins Schmidgadener Pfarrheim zu bringen. Die Rahmenbedingungen der Übung wie etwa die sich ändernde Wetterlage war für alle Übungsteilnehmer unvorhersehbar. Die Vorgaben kamen von der staatlichen Feuerwehrschule Geretsried und waren auch für die Einsatzleiter unbekannt.

Lage unter Kontrolle

Gegen 14 Uhr konnte Prechtl bei einer fingierten Pressekonferenz den anwesenden Journalisten – gespielt von Mitarbeitern der Feuerwehrschule Geretsried – Entwarnung geben. „Derzeit haben wir die Lage unter Kontrolle“, sagte er. Der Notfallplan, den die Firma Nabu für solche Störfälle vorhalten muss, habe sich bewährt. Am Ende hatten die Einsatzkräfte auch zehn leicht verletzte Firmenmitarbeiter in Sicherheit gebracht und dafür gesorgt, die kontaminierte Unfallstelle zu reinigen. Dennoch: Den Ernstfall möchten sie trotz der guten Vorbereitung in der Realität lieber nicht erleben müssen.

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