Außenseiter in der 3. Liga
Aufsteiger Mintraching hat kein klares Saisonziel, aber ein Alleinstellungsmerkmal

08.09.2023 | Stand 12.09.2023, 16:17 Uhr
Gerd Winkler

Mit fünf Jahren im ESV-Trikot hat Carina Marhöfer die größte Erfahrung beim Drittliga-Außenseiter Mintraching. Foto: Brüssel

Bühne frei für das von den Verantwortlichen propagierte „Abenteuer 3. Liga“ für die Handballfrauen der SG Mintraching/Neutraubling: Am Samstag um 19.30 Uhr bestreitet der Dorfverein sein erstes Spiel in der Historie auf diesem Niveau. Es geht zum im Landkreis Esslingen beheimateten, ambitionierten Vorjahres-Zweiten TSV Wolfschlugen.

Nach einem spielfreien Wochenende ist der Aufsteiger erneut auswärts am Ball: an der Grenze zu Frankreich beim Vorjahres-Dritten SG Kappelwindeck/Steinbach. Wiederum eine Woche später fährt Mintraching zum Vorjahres-Fünften HC Erlangen. Das Startprogramm ist also maximal schwer. Der unübliche Auftakt ist der Spielverlegung des Heimspiels gegen den TuS Steißlingen geschuldet. Der Vorjahres-Siebte gastiert statt am 16. September nun erst am 7. Oktober – zugleich das erste Drittliga-Mal an der Schmiedgasse. „Wir sind im Prinzip noch in der Findungsphase und dann so ein brutales Startprogramm“, kommentiert der neue Trainer Hans-Jürgen Kästl das Auswärts-Triple.

Ein Team mitten im Prozess

Der B-Lizenzinhaber macht aus der Not eine Tugend, sieht „sogar einen Vorteil“ für seine Schützlinge: „Niemand kann davon ausgehen, dass wir automatisch Punkte holen.“ Die Mannschaft befinde sich mitten im Prozess, seine vielen neuen Impulse zu verinnerlichen. „Meine Mädels haben bisher weitgehend eine 5:1-Abwehr gespielt, in der Vorbereitung ist die 6:0 im Mittelpunkt gestanden“, berichtet Kästl.

Alles ist Neuland

Ebenso gab es am Positionsangriff zu feilen. „An den bestehenden Abläufen haben wir detailliert gearbeitet und auch noch abgewandelte Laufwege eingebaut“, so der 61-Jährige. Neu einstudiert sind zudem die hohen Einläufe der Außen, eine Alternative „zum Klassiker der tiefen Einläufe zwischen der Sechs-Meter- und der Neun-Meter-Linie.“ Aktuell gilt der Fokus dem Unterzahlspiel: „Da wollen wir ein Sechs-gegen-Sechs spielen“ – ebenfalls Neuland. „Alles neue, anspruchsvolle Elemente, aber die Mannschaft nimmt das sehr gut an“, so der Coach. Von allen Aufsteigern in den vier Staffeln der 3. Ligen besitzt Mintraching ein Alleinstellungsmerkmal: Mehr als drei Viertel des Kaders rekrutiert sich aus Eigengewächsen, ergänzt im Laufe der Jahre „nur“ durch Zugänge aus der Bezirksoberliga ohne großes Zutun.

Überdies hat nur Carina Marhöfer auf diesem Niveau, fünf Jahre im Trikot des ESV 1927, Erfahrung. Außerdem konnte der Verein nur einen Neuzugang akquirieren: die Rückraum-Halbe Valentina Nwolisa von Bayernliga-Absteiger TG Landshut. „Im Flächenstaat Bayern ist es schwierig, Zugänge zu verpflichten“, klagt Kästl über die unbefriedigende „Ausbeute“. Das sei in Baden-Württemberg anders: „Die haben viel, viel mehr Vereine, da haben die Neuen meistens keinen weiten Weg zurückzulegen.“

Ohnehin als krasser Außenseiter unterwegs, wird die Messlatte durch die Ligenreform am Saisonende noch höher gelegt. Ein Drittel des Zwölfer-Feldes steigt direkt ab, der Tabellenachte muss in die Relegation. „Die Verschärfung ist natürlich für einen Aufsteiger die unglücklichste Konstellation und für uns erst recht“, bedauert Kästl. Ein hausgemachtes Problem gesellt sich hinzu: In der heißen Phase der Vorbereitung hat Mintraching an den beiden letzten Wochenenden kein Testspiel mehr ausgetragen.

Wegen all der Umstände ist es wenig verwunderlich, dass das Saisonziel „in unserer Situation nicht an irgendwelchen Tabellenplätzen festgemacht wird.“ Bitter ist, dass sich im August drei Leistungsträger verletzt haben. In Wolfschlugen müssen Torfrau Lea Platzer, Kreisläuferin Nell Stiller (beide Sprunggelenk) und die auf Rechtsaußen und im linken Rückraum einsetzbare Jasmin Lehner (Knie) den Start in zivil verfolgen.

Mintrachings Kader

Tor: Lea Platzer (Jahrgang 2001), Ali Singer (1996), Madeleine Kellner (1996)

Rückraum: Carina Marhöfer (1989), Melanie Wohlmann (1992), Tabea Bauer (1998), Carina Gerl (1996), Hannah Platzer (2003), Valentina Nwolisa (2003), Pauline Pfund (2000)

Außen: Jasmin Lehner (2002), Stephie Mühlbauer (1994), Lisa Sperl (1996)

Kreis: Nell Stiller (2001), Lucie Mauerer (1994), Magdalena Streit (2001), Verena Pielmeier (2003), Steffi Nüßle (1992), Izi Rey (2006)