Musik
Diese Geschwister treffen den Ton

Constantin (17), Felicitas (14) und Cosima (11) treten als „Trio Federle“ auf. Die Geschwister aus Regensburg spielen Klavier, Geige und Cello.

01.01.2014 | Stand 16.09.2023, 7:15 Uhr

Felicitas, Constantin und Cosima Federle (v.l.) musizieren leidenschaftlich gern. Schon mehrfach wurden sie mit Preisen geehrt. Foto: Lex

Talent ist ein Geschenk. Besonders gut hat es das Schicksal mit der Regensburger Familie Federle gemeint. Die drei Geschwister Constantin (17), Felicitas (14) und Cosima (11) spielen Instrumente, seit sie klein sind, und das richtig gut. Alle drei haben mehrfach Preise bei „Jugend musiziert“ gewonnen. Seit dem Sommer treten die Geschwister unter dem Namen „Trio Federle“ auf.

Vier Jahre ist Cosima, die Kleinste, alt, als sie ihr erstes Cello bekommt. Sie eifert ihren Geschwistern nach, die bereits Klavier und Geige spielen. Cosimas Instrument ist ein Minicello, fast so groß wie sie selbst. „Ich war so stolz“, erinnert sich das Mädchen mit leuchtenden Augen, „ich wollte, dass das Cello bei mir im Bett schläft.“ Am Ende einigt sie sich mit den Eltern darauf, das gute Stück vor das Bett zu legen. „Aber ich habe es noch mit einer Decke zugedeckt“, fügt die Elfjährige hinzu. Besonders fasziniere sie die „große Klangvielfalt“ ihres Instruments mit Tönen, fast so hoch die der Geige und fast so tief wie die des Kontrabasses. „Ein Cello klingt manchmal so als würde man singen.“ Konzentriert fasst das Mädchen seine musikalische Leidenschaft in Worte und wirkt dabei ziemlich reif für ihr Alter. Nebenbei ist die Jüngste im Trio auch ein Organisationstalent: Sie versuche täglich zwei Stunden zu üben, versorge außerdem ihre Meerschweinchen, bastele gerne Schmuck und treffe sich auch noch mit Freundinnen. „Man muss sich die Zeit nehmen“, antwortet sie auf die Frage, wie sie das alles unter einen Hut bekommt. Außerdem sei sie eine gute Schülerin, erzählt ihre Mutter. „Die Hausaufgaben gehen immer schnell“, stimmt Cosima zu und schmunzelt.

Klassik statt Pop

Ihre Geschwister sind ebenfalls mit großem Eifer bei der Sache. Constantin, der Älteste, wurde bereits 2012 als Jungstudent an der Hochschule für Katholische Kirchenmusik in Regensburg aufgenommen, da hatte er noch kein Abitur. Seit diesem Sommer liegt die Schule hinter ihm, nun kann er sich als Vollzeitstudent ganz dem Klavier widmen. Mit kaum drei Jahren hat er angefangen, zu spielen. Weil er sich schon früh für Buchstaben und Zahlen interessiert - zu früh für den Geschmack seiner Eltern - lenken sie seinen Lerneifer in musikalische Bahnen. Mit durchschlagendem Erfolg: Heute will Constantin unbedingt Berufsmusiker werden, zum Leidwesen seiner Mutter, die selbst ausgebildete Flötistin ist. Sie hat den Kindern die musikalische Begabung in die Wiege gelegt hat, weiß aber um die Tücken der Berufswahl. „Immer mehr Orchester schließen, der Konkurrenzdruck ist groß, das Niveau ist enorm gestiegen“, sagt Ulrike Gätzner-Federle, die mit dem Kammermusikensemble „Musica Essentia“ auftritt.

Constantin lächelt die Einwände weg und schwärmt lieber von „der Mechanik und Vielstimmigkeit“ seines Flügels. Er hört neben Klassik auch gern Jazz. Von Popmusik hat er nach eigenem Bekunden „keine Ahnung“, das habe er in der Schule schon bedauert. „Ich war auch noch nicht in der Disko, da wäre es mir zu laut“, sagt er. Lieber gehe er in eine Bar, allerdings sei ihm auch dort die Musik oft zu dröhnend. „Ich habe Angst um meine Ohren“, erklärt der junge Mann. Klarinette spielt Constantin auch, zum Singen fühlt er sich dagegen überhaupt nicht berufen. Als großer Bruder hat er innerhalb der Geschwister die Führungsrolle, „als Chef fühle ich mich aber nicht“, stellt er klar.

Für Felicitas, die Mittlere, ist Constantin von Anfang an ein Vorbild. Auch sie lernt zunächst Klavier, doch bei ihren Großeltern entdeckt sie eine kleine Geige und ist begeistert. Die Suche nach einem Lehrer gestaltet sich schwieriger als gedacht, das Mädchen gilt als zu jung für das anspruchsvolle Instrument. Als Felicitas schließlich fünf Jahre alt ist, kann sie „endlich“ Unterricht nehmen. Sie erinnert sich noch gut an die „Smarties-Methode“ ihres ersten Lehrers. Die bunten Schokolinsen lagen auf dem Notenpapier und stellten Notenköpfe dar. „Wenn ich den Ton getroffen habe, durfte ich die Süßigkeit behalten“, erzählt die 14-Jährige heute amüsiert. Das habe ihr damals sehr gut gefallen. Inzwischen braucht Felicitas keine Zuckerl mehr als Anreiz. Sie übt fleißig, möchte einmal Geige studieren und im Orchester spielen. Zweimal pro Woche hat sie Unterricht, dafür fährt sie sogar nach Nürnberg, wo sie in die Hochbegabtenförderung der Musikhochschule aufgenommen worden ist. Felicitas mag den „brillianten Klang“ ihres Instruments und, dass die Geige beim Musizieren „so nah bei mir ist“. Mit Popmusik kann das junge Mädchen nichts anfangen, Klassik sei „tiefgründiger“. „Ich finde es toll, welche Gefühle Musik darstellen und auslösen kann“, fügt sie hinzu. Im Januar wird sie mit ihrer Schwester wieder am Talentwettbewerb „Jugend musiziert“ teilnehmen. Zusammen mit zwei anderen Mädchen sind sie als Streichquartett angemeldet.

Geprobt wird fast immer

Ein Leben ohne klassische Musik ist für die Geschwister undenkbar. Pop hört man bei den Federles nicht mal im Radio. Nur im Sommerurlaub, wenn es Richtung Süden geht, setzt das Trio für zwei Wochen mit dem Musizieren aus. Auch das kleinste Instrument, die Geige, bleibt zu Hause. „Dann vermisse ich das Üben und fange danach oft mit neuen Stücken an“, erzählt Cosima. Die Geschwister stellen hohe Ansprüche an sich und ihr musikalisches Können. „Aus Spaß spielen geht nicht mehr“, sind sich die drei einig. Spontanes Musizieren am Abend, einfach so, mache ihnen keine Freude. „Wir proben auch für den Geburtstag von der Oma“, erzählen sie. Die einzige Ausnahme ist Weihnachten. Dann darf auch Papa Federle, Oberarzt im Krankenhaus Bamherzige Brüder in Regensburg, auf der Bratsche Weihnachtslieder mitfideln und seine hochmusikalischen Kinder begleiten.