Imbiss
Eine neue Kappe für das alte Schwammerl

Vor zehn Jahren übernahm Gerhard Probst das Regensburger Wahrzeichen. Zum Geburtstag wird das Stehcafé verschönert.

12.05.2017 | Stand 16.09.2023, 6:34 Uhr |
Katharina Eichinger

Das Schwammerl erstrahlt bald in neuem Glanz. Foto: Froschhammer

Am 25. Mai vor zehn Jahren brachte der Zufall Gerhard Probst zu seinem neuen Café: dem Schwammerl im Fürst-Anselm-Park. Jetzt bekommt der Pilz mit Kultstatus ein neues Dach. Die rote Folie mit den weißen Punkten ist schon drauf, seit Probst das Café, ein regelrechtes Regensburger Wahrzeichen, vor zehn Jahren gekauft hat.

Das Schwammerl im Fürst-Anselm-Park wurde 1954 errichtet. Bereits 1926 gab es auf dem Grundstück einen „Milchkiosk“, den die Milchwerke unterhielten. Doch er überstand den Zweiten Weltkrieg nicht. In Form eines Milchschwammerls sollte Ersatz geschaffen werden. Damals war das Regensburger Schwammerl Nummer 38 von insgesamt 40 Stück – hauptsächlich in Deutschland.

Eines von vier Schwammerln

Der 56-Jährige wollte schon immer ein eigenes Café. Nicht so groß, wie es die Kaffeehäuser in Wien sind, sondern etwas kleines. Durch Zufall entdeckte er vor mehr als zehn Jahren das Schwammerl. Damals arbeitete er noch als Zimmerer. Es dauerte lange, bis er herausfand, in wessen Besitz sich der Pilz befand. Zuerst sprach er mit dem Besitzer über pachten, dann ging es irgendwann darum, dass Probst das Schwammerl kauft. Und so geschah es dann auch.

Gretl, Emmy und Edith sind Milchpilz-Freundinnen. Täglich treffen sie sich zum Kaffee und erinnern sich.Lesen Sie mehr.

Von früh bis spät steht er jeden Tag – außer Samstag – in seinem Schwammerl. Es ist ein Knochenjob. Eine Vertretung hat der 56-Jährige aus Straubing nicht. Wenn er mal krank ist, sich schlapp fühlt, muss er sich mit Medikamenten über Wasser halten. Bei Rückenschmerzen nimmt er Tabletten und steht trotzdem in seinem Café. Wenn es Probst wirklich erwischt, kann das Schwammerl nicht öffnen.

In den Wintermonaten und am Samstag schließt Probst sein Schwammerl. Von Dezember bis Februar nimmt er seinen „gesammelten Urlaub, Wochenenddienste und Überstunden“. Doch der 56-Jährige ist mit Herz dabei. „Man braucht Spaß an den Leuten, am Neuigkeiten austauschen und am Probleme lösen“, sagt er.

Schwammerl zieht Stammgäste an

Sein Alltag macht ihm Spaß. „Ich glaube, anders geht es auch nicht. Da ist die Zeit zu lange, wenn man keinen Spaß hat.“ Sich morgens in ein Büro vor den Computer zu setzen – das wäre nichts für Probst. Für seine Stammkunden sei ein Besuch im Schwammerl wie ein Kurzurlaub, wie eine „kleine, grüne Pause“. „Sie genießen die Kastanien oder setzen sich an den Brunnen.“

„Ich bin nicht so der Feiertyp. Ich bin sehr zufrieden, da muss ich kein Volksfest veranstalten.“Gerhard Probst

Auch auf Facebook ist das Schwammerl vertreten. Den Social-Media-Auftritt pflegt einer von Probsts Stammgästen. Er selbst hat weder Internet noch Smartphone. „Ich brauche kein Handy, über dessen Bildschirm man wischen kann“, sagt Probst. Immer wieder tauchen auf der Facebookseite Bilder von Tieren rund um das Schwammerl auf, denn: Nicht nur die Regensburger und Touristen, sondern auch Tiere fühlen sich dort wohl: Früher versteckte sich eine Maus im Dickicht. Derzeit sind drei Enten im Fürst-Anselm-Park auf der Wiese um den Pilz herum unterwegs.

In die Jahre gekommen

Auf Facebook dokumentiert ein Stammgast den Fortschritt des neuen Dachs:

Am 25. Mai feiert Probst mit seinem Schwammerl zehnjähriges Bestehen. Das war unter anderem ein Anlass für die neue Plane. Geplant hat er für das Schwammerl-Jubiläum aber nichts. „Ich bin nicht so der Feiertyp. Ich bin sehr zufrieden, da muss ich kein Volksfest veranstalten.“

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