Bayern-Pop
Pam Pam Ida und das Seelenleben

Auf dem Kurzalbum „Nix versammt“ startet die Sandersdorfer Band ihre Trilogie der EPs mit leiser Lebensfreude.

25.02.2022 | Stand 15.09.2023, 6:59 Uhr
Die neuen Songs der Band Pam Pam Ida fallen introvertierter aus als gewohnt. −Foto: Susanne Pesl

Eigentlich“, so einer der jüngsten Songs von Pam Pam Ida, sollte für Fans klar sein, wenn etwas Neues aus dem oberbayerischen Sandersdorf nahe dem niederbayerischen Riedenburg, zu erwarten ist. Weil es aber viele neue Songs gibt und einen ausgefuchsten Plan für deren Veröffentlichung, hat Andreas Eckert mit der Band eine „Lehrstunde“ gehalten und auf Youtube gestellt.

Bei dem einstigen Instrumentalpädagogik-Studenten der Hochschule für Kirchenmusik in Regensburg kommt dann der perfekte Schullehrer durch. Wenn er mit Zeigestock vorn neben der Tafel steht, die Nickelbrille auf die Nase geschoben und den Pullover lässig über die Schultern hängen hat, quetschen die „Schüler“ in der Bank ein leicht genervtes „Jaaa…“ heraus, gefragt, ob sie wüssten, worum es gehe. Wollmütze über die Ohren, spielen die Zöglinge – Bandmitglieder – gelangweilt mit ihren Handys und drücken mit gekonntem Widerwillen die Schulbank.

Unterlegt von „(…) mmh, wia i di eigentlich brauch. Streich das ‚eigentlich‘ eigentlich, mmh, (…) wia i di brauch“ unterweist Schullehrer Eckert schließlich Schritt für Schritt, wann welche Songs herauskommen. Mit einer häppchenweise Portionierung sollen den Fans die Zähne lang gemacht werden. Es ist ja auch spannend und macht Spaß zu entdecken, was Eckert und die Band in der Zeit ausgebrütet haben, in der so gut wie jeder Liveauftritt gecancelt wurde. Nach dem Song über verpasste Chancen, der im Dezember vorgestellt wurde, erscheint jetzt die Single „Das ewige Nix“ und am 4. März eine neue EP auf Vinyl: „Nix versammt“.

Auftritt in Regensburg:Single & EP:
Nach dem letzten Konzert im November sind Pam Pam Ida und das Silberfischorchester bald auch wieder live unterwegs. Für ihr Konzert am 15. Mai im Regensburger Thon-Dittmer-Palais sind allerdings nicht mehr allzu viele Karten erhältlich.„Das ewige Nix“ und die EP „Nix versammt“ (Vinyl) 4. März, F.A.M.E. Recordings/Sony, 19 Euro; Digital-Release am 25. April

Die fünf Songs der ersten von drei Vinyl-EPs, deren Erscheinen 2022 geplant ist, handeln von Nihilismus, Rauschgift, einem fragilem Ego, von Traumanalyse und dem perfekten Tod. „Das ewige Nix“ – eine Phantasie, die das Sterben im Musikgenuss feiert. Für Eckert, der alle Texte der in Mundart gesungenen Lieder geschrieben hat, ist es selbst nicht immer leicht zu sagen, woher die Ideen für Songtexte kommen. Häufig sind es Alltagssituationen, „wo man etwas aufschnappt“ oder „von irgendetwas getriggert wird“. Oft seien es „Momente, wo ich etwas anderes machen sollte“, beschreibt er Situationen, in denen er gern abschweift.

„Des is so schee, da kannt ma sterbn.“

Zum „Das ewige Nix“, einem extrem melancholischen Liebeslied, regte ihn „ein Spruch vom Papa“ an. Wenn dem etwas besonders gefiel, begann er manchmal zu schwärmen: „Des is so schee, da kannt ma sterbn“. Abseits jeglichen Feel-Good-Kitsches transportierte „der Andi“, wie er in der Band heißt, dieses Gefühl scheinbarer Todessehnsucht in einen leisen, tief anrührenden Song voller Lebensfreude.

Insgesamt zeichnet die neuen Songs eine größere Ruhe und Introvertiertheit als von Pam Pam Ida gewohnt aus. Es ist gewissermaßen ein Produkt der Pandemie, die auch den Sandersdorfer Freunden viel Zeit gegeben hat, über Langsamkeit und Veränderung nachzudenken. Auf diese Weise leitet „Nix versammt“ die Trilogie der EPs mit einer Rückschau ins (Seelen-)Leben ein. Dennoch bietet sie aber auch willkommene Ausflüge ins Treibende.

Beim Songwriting, wo Ideen von mehreren Bandmitgliedern einfließen, orientiert sich Andreas Eckert „an alten Größen des Popbusiness“, denn die Songs „müssen ja eingängig sein“. Spannend wird es für ihn allerdings dann, „um das Ganze mal zu brechen“, oft sehr subtil „und es trotzdem im Fluss zu lassen“, wie er sagt. Das kann durch unerwartete Taktwechsel ebenso passieren wie durch den „ungewohnten Einsatz eines Instruments“. Wenn ein Banjo beispielsweise durch Effekte „plötzlich (anfängt), wie eine Sitar“ zu klingen.

Und so klingt der Song „Nix versammt“: