Erfolgsprojekt des SV
Riesen-Lob für Demenzverzögerer: Ehrenamtsbeauftragte der Regierung in Wilting

02.06.2023 | Stand 14.09.2023, 23:49 Uhr

Ein herzliches Dankeschön und die besten Grüße der Staatsregierung gab es für die Übungsleiter der Wiltinger Demenzverzögerer.

Mit der Demenverzögerer-Gruppe hat der SV Wilting seit geraumer Zeit ein weiteres Erfolgsprojekt gestartet. Gut 25 Frauen und Männer jeden Alters finden sich regelmäßig mittwochs um 14 Uhr im Vereinsheim in Wilting ein, um unter Anleitung von ausgebildeten Demenzverzögerern dem Ausbruch der Alzheimer-Krankheit vorzubeugen.

Aus Augenmerk liegt dabei auf Vorbeugung und nicht, wie viele meinen auf der Behandlung von erkennbaren Symptomen. Zumeist in den Ferien finden sogar Kinder Spaß und Freude an den Übungsstunden. Insofern fördert das Projekt auch noch den generationsübergreifenden Zusammenhalt.

Die Krankheit nimmt zu

Die Zahl der Demenzkranken wird nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rasant steigen. Bis 2030 dürften rund 40 Prozent mehr Menschen weltweit mit Demenz leben als heute. Betroffen waren 2019 nach Schätzungen weltweit etwa 55 Millionen Menschen. In Deutschland leben nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums etwa 1,6 Millionen Menschen mit Demenz.

Einer der Hauptgründe für die steigenden Zahlen ist die Tatsache, dass Menschen dank besserer Lebensbedingungen deutlich älter werden als frühere Generationen. Die WHO hat aber auch eine positive Botschaft: Viele Menschen könnten ihr Risiko, an Demenz zu erkranken, deutlich reduzieren, etwa durch einen gesünderen Lebensstil, angemessene Bewegung in Verbindung mit einer Forderung des Gedächtnisses und intakter Sozialkontakte.

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Und genau darauf zielt das Präventionsangebot der Demenzverzögerer ab: Mit Abwechslung und Ideenreichtum gestalten die mittlerweile sieben Übungsleiter des SV Wilting jede Stunde anders. Gezielte Übungen sollen den Ausbruch der Krankheit möglichst lange verhindern.

Das Projekt, das der Chamer Treffpunkt Ehrenamt mit dem Untertitel „Woaßt as no?!“ ersonnen hat und seit 2019 umsetzt, hat überregionale Beachtung erfahren und ist sogar mit dem „Innovationspreis Ehrenamt“ des Bayerischen Sozialministeriums ausgezeichnet worden. Den Preis haben 2021 die damalige Sozialministerin Caroline Stautner und die Ehrenamtsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Eva Gottstein, an die Verantwortlichen des Treffpunkts Ehrenamt verliehen.

Projektidee 1:1 umgesetzt

Letztere wollte sich am Mittwoch ein Bild von der Wiltinger Erfolgsgeschichte machen. Zusammen mit ihrem persönlichen Referenten Hans Schmöller nahm Gottstein im Vereinsheim des SV Wilting an einer Übungsstunde teil und setzte sich anschließend mit den Teilnehmern zum Erfahrungsaustausch zusammen.

Dabei erfuhr die Ehrenamtsbeauftragte aus erster Hand, wie positiv sich das Projekt auf den Alltag und damit das Wohlbefinden der Teilnehmer auswirkt. „Ich bin beeindruckt und begeistert, was hier in Wilting auf ehrenamtlicher Basis umgesetzt wird. Wenn ein Projekt bei uns im Sozialministerium eingereicht wird, dann ist das zunächst theoretisch. Um mir aber einen unverblümten Eindruck zu verschaffen, sehe ich mir ausgewählte Ideen gerne Vorort an. Und hier in Wilting wird die Projektidee tatsächlich 1:1 umgesetzt und vorbildlich an die Menschen herangetragen. Ich bin begeistert und danke allen, die „Woaßt as no?!“ zu einem Leuchtturmprojekt für ganz Bayern machen“, fasste Gottstein zusammen.

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Auch Hans Schmöller ist vom innovativen Sport- und Koordinationstraining des SV Wilting begeistert: „Ein riesiges Lob an das Ehrenamtsteam der Wiltinger Demenzverzögerer, die mit abwechslungsreichen Übungen ihren Teilnehmern geistige und körperliche Fitness erhalten. Es sollten sich noch mehr darüber im Klaren sein, dass sich das Projekt nicht an schon an Alzheimerpatienten wendet, sondern den Menschen möglichst lange eine unbeschwerte Zeit ermöglicht, die die erschütternde Diagnose noch nicht erhalten haben.“

Auch der regionale Fernsehsender TVA hat vom Erfolgsprojekt erfahren und wird diesen Freitag über die Wiltinger Demenzverzögerer berichten. In dem TV-Beitrag werden auch die Teilnehmer zu Wort kommen.

Kostenloses Angebot

Gefördert wird das Projekt durch die Landwirtschaftliche Krankenkasse (Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau), die die Ausbildung der Demenzverzögerer und die Studie finanziert. Durch diese Unterstützung kann der Treffpunkt Ehrenamt die dreitägigen Kurse kostenlos anbieten.

Damit es nicht bei den aktuell 56 lizenzierten Demenzverzögerern im Landkreis Cham bleibt, findet Anfang September wieder ein neuer Kurs statt. 2024 und 2025 sollen weitere Ausbildungsangebote folgen. Auskünfte dazu erteilt der Treffpunkt Ehrenamt am Chamer Landratsamt, Tel. (09971) 78-285.

Demenzverzögerer

Das Projektwird von der Deutschen Sporthochschule in Köln wissenschaftlich begleitet. Die dreijährige Studie soll am Ende bestenfalls den Beweis führen, dass gerade durch die Kombination von kognitiven und psychomotorischen Übungseinheiten der Ausbruch der Krankheit Demenz verhindert bzw. zeitlich verzögert werden kann.

− csb