Erinnerungen
Senioren erzählten vom Silvester früher

Im BRK-Seniorenheim Kelheim saßen Bewohner am Silvesternachmittag beisammen. Erinnerungen wurden wach – an früher, als die Damen noch jünger waren.

02.01.2014 | Stand 16.09.2023, 7:15 Uhr
Sigrid Manstorfer

Zusammen plaudern, Bilder anschauen und ein bisschen in Erinnerungen kramen, das war dieser Damengruppe im Kelheimer Josef-Bauer-Haus lieber als spätes Feiern. Foto: Manstorfer

Silvester im BRK-Seniorenheim in Kelheim. Das ganze Haus wirkt festlich. Im Speisesaal hängen reich bestückte Girlanden von den Decken, überall stehen beleuchtete Christbäume und auf den Tischen bunte Gestecke. Weil die Bewohner sich darüber freuen, steht vor einer der Wände ein menschengroßes Christkindl, mit einem bunt bemalten Fahrrad, auf dem hatte es Weihnachten die Geschenke gebracht. Wie verlebt man nun Silvester? Von den Bewohnern war keiner daran interessiert am Abend zu feiern, das berichten sie alle.

Lieber früh ins Bett

„In unserm Alter will man früh ins Bett“, sagt eine der Frauen. „Und die Knallerei draußen ist sowieso zu laut“, sagt eine andere. Stattdessen traf man sich am Nachmittag, um im kleinen Kreis zu plaudern. Sie alle im Alter zwischen 80 und 90 Jahren haben viele Jahreswechsel erlebt. An manche erinnern sie sich gern. An die während des Zweiten Weltkriegs wollen sie lieber nicht denken. Manche erinnern sich an Bräuche, andere an besondere Erlebnisse. „Wir waren daheim vier Kinder“, sagt Elisabeth Heigl, „und Silvester saßen wir immer zusammen und aßen Würstl und Kraut.“

„Bei uns im Bayerwald gab es viel Schnee“, erzählt die aus der Nähe von Heiligenblut stammende Josefa Müller. „Meine Eltern hatten ein Gasthaus und da kamen die Leute Silvester zum Tanzen. Weil die meisten lange durch den tiefen Schnee stapfen mussten, hatten sie Schuhe zum Wechseln und oft auch Kleider zum Umziehen dabei. Das alles lag dann in einem Raum und manchmal habe ich mich als Kind dahin geschlichen und habe Schuhe und Kleider probiert. Einmal hat meine Großmutter mich dabei erwischt. Da hat’s was gegeben“, erinnert sie sich.

Margarete Batz, die aus dem Sudetenland kommt, weiß, dass in ihrer Jugend nicht viel gefeiert wurde. Es herrschte Arbeitslosigkeit und die Not war groß. Ilse Schubert, die aus Reichenbach stammt, kam als 16-Jährige nach Kelheim. Wenn sie durfte, ging sie Silvester zum Tanzen, da wollte sie unbedingt dabei sein. Johanna Kiel stammt aus dem Böhmerwald und da musste sie schon als Kind im Stall helfen. Auch an Silvester. „Als ich meinen Mann heiratete hatten wir immer Wirtschaften. Acht Jahre den Römerturm in Kelheim, zwei Jahre den Wallner in Ihrlerstein. Da wurde immer groß gefeiert. Aber es gab auch viel Arbeit“, vermerkt sie.

Rita Propst ging in ihrer Jugend am Silvesterabend mit Freundinnen aus. „Aber daheim gab es für alle zusammen höchstens mal eine Flasche Wein. Heute geht es allen besser“, findet sie.

Lustig gefüllte Krapfen

Erna Riedl war mit einem Musiker verheiratet. Der spielte mit seiner Kapelle an jedem Silvesterabend. „Als die Kinder kamen, war ich mit ihnen immer allein daheim. Aber wir haben es uns lustig gemacht.“ Mit selbst gebackenen Silvesterkrapfen, die statt Marmelade mit ulkigen Sachen gefüllt waren.

Bräuche und Essen

Bei Erinnerungen an Jahreswechsel „anno dazumal“ im Kelheimer Seniorenheim spielt das Essen eine ebenso große Rolle wie alte Bräuche. Dass Mohnklöße in Schlesien Weihnachten und Silvester dazugehörten, klingt dabei ebenso an, wie die Erinnerung, dass manche Familien traditionell auch Karpfen aßen, in manchen Gegenden mit Fischtunke oder polnischer Soße.

Zukünftiges: Bisweilen wurden in ländlichen Gegenden Böller aus Kanonen abgeschossen, auch Blei wurde gegossen oder aus Apfelschalen wurden Orakel geworfen. War ein Buchstabe zu ersehen, dann war dies der Name des oder der Zukünftigen.

Dank: Und dann gab es auch den Brauch, dass der Kaminkehrer am Silvester- oder Neujahrstag in die Häuser kam und dafür ein kleines Silvestergeld bekam – genau wie der Postbote und der Müllmann, immer zwischen Weihnachten und Neujahr. (esm)