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13 Biere im Test: Weizen und Aromabomben

Biersommelier Heinz Kühnlein verkostete populäre Sorten aus Ostbayern – und einige Exoten. Heute geht es um besondere Aromen.
Von Stefan Stark, MZ

Nach dem Bier-Marathon: Der Neumarkter Sommelier Heinz Kühnlein hat für die MZ 13 regionale Sorten verkostet.
Nach dem Bier-Marathon: Der Neumarkter Sommelier Heinz Kühnlein hat für die MZ 13 regionale Sorten verkostet. Foto: Gabi Schönberger

Regensburg. 13 regionale Biersorten im Geschmackstest – das erfordert eine langsame Steigerung von leichten Bieren hin zu den kräftigen. Der Neumarkter Biersommelier Heinz Kühnlein hat für die MZ bekannte und einige weniger bekannte Sorten aus Ostbayern verkostet. Im ersten Teil des Tests am vergangenen Samstag lotete der Experte die geschmacklichen Nuancen verschiedener heller Klassiker aus – von Rhaner, Eichhofener, Lammsbräu, Ottenbräu und Naabecker. Heute nehmen wir uns Dunkelbiere, Weizen und Bock vor.

Kühnlein rät: „Langsam trinken, bewusst trinken und genießen. Ein Tipp von mir: Einen dunklen Bock aus einem Rotweinglas trinken. Das suggeriert eine ganz andere Wertigkeit des Biers, als wenn ich es aus einem Halbliterglas trinke.“

Zunächst ist ein klassisches dunkles Bier an der Reihe: Das Weltenburger Kloster Barock Dunkel. „Der Schaum ist wie eine Creme. Von der Optik her der Klassiker für dunkles Bier – Kastanienbraun mit rötlichen Reflexen,“ sagt Kühnlein. Der Geruch wechselt in eine völlig andere Richtung als die vorhergehenden Biere und erinnert den Biersommelier an Brot, Schokolade, Leder und Kakao. „Das sind die klassischen Aromen von dunklen Bieren. Zuerst springen einen diese Kopfnoten an. Wenn man dann etwas tiefer schmeckt, kommen intensive Malzaromen und Trockenpflaumen dazu.“ Die Bitteraromen kommen nicht vom Hopfen. „Es handelt sich um die sogenannte Malzbittere, die sich angenehm im ganzen Mund breit macht,“ sagt der Biersommelier.

Auch die Temperatur ist wichtig

Der Temperatur misst Kühnlein eine wichtig Bedeutung bei: „Bier ist ein Erfrischungsgetränk. Wenn ich es als solches trinke, sollte es im Sommer zwischen fünf und sieben Grad haben,“ sagt Kühnlein. „Für eine sensorische Verkostung sollte die Temperatur je nach Alkoholgehalt zwischen zehn und 15 Grad liegen,“ empfiehlt er. „Je dunkler und je alkoholhaltiger, umso mehr Temperatur.“

Als nächstes nehmen wir uns zwei Regensburger Originale vor. Zuerst das Kneitinger Dunkel: „Die Farbe etwas kräftiger als beim Weltenburger, dunkle Kastanie, der Schaum etwas heller, cremefarben, stabil,“ beschreibt Kühnlein die Optik. „Beim Geruch kommt deutlich das Brotige zum Vorschein, begleitet von vollen Röstaromen. Ein schlankes und ausgewogenes Bier. Wenn man es in den Mund nimmt, ist der Geschmack sofort voll da.“ Das Spital Dunkel beschreibt Kühnlein als „farblichen Klassiker – Haselnuss mit schönen rötlichen Reflexen. Der Schaum ist cremeartig und fest. Die Aromen riechen intensiv nach Brot und etwas süßlich nach Karamell und Dörrpflaumen. Beim Geschmack merkt man den Körper. Ein gutes Bier, das nicht zu dominant ist.“

Sehen Sie hier ein Video von der Verkostung:

Biere der Region im MZ-Test: stärkere Sorten

Jede Region hat eine Bieridentität

Jede Region habe eine eigene Bieridentität, sagt Kühnlein. Er beschreibt Deutschland als Land der Biervielfalt: „1340 Brauereien – Tendenz steigend – mit mehr als 5000 Biersorten gibt es. Und der Markt ist derzeit so innovativ wie nie.“ Der Trend nach immer flacheren Bieren für den Massenmarkt, der einst aus den USA über den Atlantik schwappte, habe sich wieder umgekehrt. Kühnlein zufolge gaben erneut die Amerikaner die Richtung vor – diesmal mit den Craft-Bieren. Übersetzt bedeutet Craft handwerklich gemacht. „Inzwischen stehen viele deutsche Brauereien wieder zu ihren Ursprüngen, produzieren regionale Spezialitäten und trauen sich, alte Sorten wieder zu beleben.“

Der nächste Kandidat in der Verkostung ist das Riedenburger Emmerbier – das erste Spezialbier in der Reihe. Das Emmerbier ist naturtrüb, also unfiltriert. Deshalb schüttelt Kühnlein zuerst die Flasche, dass sich die feinen Partikel gleichmäßig verteilen. „Es ist ein Öko-Bier und wird mit Gerstenmalz, Weizenmalz, Dinkelmalz und Emmermalz gebraut. Es hat eine feine opale Trübung – das ist so gewollt,“ erklärt der Biersommelier. Das Aroma beschreibt er als „getreidig – vom Emmer her – es erinnert mich fast schon an Haferflocken. Beim Trinken treten die Aromen noch kräftiger hervor. Sehr angenehm und schön trinkbar.“

Hefe erzeugt die Fruchtaromen

Nun zum Kuchlbauer Weizen: „Es ist das erste obergärige Bier der Verkostung,“ erklärt Kühnlein. „Weizenbiere, Altbiere oder auch Craft-Biere werden mit obergärigen Hefen gebraut. Sie haben eine ganz andere Aromatik als bei untergäriger Hefe – bei ihnen kommen die klassischen Weißbieraromen sehr stark heraus. Banane, Aprikose, Orange – solche Aromatiken erhält man nur über die Hefe,“ sagt der Sommelier. Eine weitere Eigenschaft der obergärigen Hefe: Sie arbeitet im Gegensatz zu ihrer untergärigen Kollegin auch bei Temperaturen über zehn Grad. Man konnte früher also auch ohne Kühlmaschinen das ganze Jahr über Bier brauen. Das Geschmacksurteil beim Kuchlbauer Weizen: „Die Fruchtaromen stehen deutlich im Vordergrund. Der Geschmack ist ausgewogen und schlank.“

Beim Jacob Weißbier bemerkt Kühnlein eine „schöne gleichmäßige Hefetrübung, die in einen grau-goldenen Farbton geht. Die Fruchttöne kommen nicht so deutlich heraus wie beim Kuchlbauer – es geht mehr in Richtung Nelke.“ Beim Trinken bestätigt sich die Aromatik: „Das Jacob schmeckt geschmeidig und samtig mit einer leichten Süße – ein ganz angenehmes Mundgefühl. Ob es das beste Weißbier der Welt ist, weiß ich nicht. Aber es ist auf jeden Fall ein gutes Weißbier in dieser Welt.“

Wir sind beim zwölften Bier – es ist die Schneider Hopfenweiße: „Hier riecht und schmeckt jeder sofort: Dieses Bier ist anders,“ sagt Kühnlein. „Farblich eine schöne Trübung mit leichten Orange-Reflexen. Allerdings hat es auch einen Alkoholgehalt von 8,2 Prozent.“ Hier sind wir schon beim Doppelbock. „Das glaubt man nicht, denn wenn man es trinkt, hat es eine schöne Leichtigkeit und Spritzigkeit,“ sagt der Biersommelier. „Wenn ich an der Schaumkrone rieche, explodieren Aromen von Aprikose, Ananas, Traube und Litschi. Diese Aromatik erhält man nur in Verbindung von Hopfen und Hefe. Auch wenn man die Hopfenweiße im Mund hat, treten die Fruchtaromen hervor – aber nicht zu aufdringlich,“ sagt Kühnlein.

Rosinen, Trockenobst, Kaffee und Kakao

Zuletzt verkosten wir den Schneider Aventinus. Kühnleins Expertise: „Geniale Braukunst. Eines der besten Bockbiere. Dunkler Rubin, schöne opale Trübung, toller Schaum – und eine Fruchtaromatik wie bei keinem anderen Bier. Rosinen, Trockenobst, Kaffee, Kakao, dieses Bier ist wie eine Granate,“ sagt Kühnlein. Für neue Geschmackserlebnisse empfiehlt er: „Den Aventinus in ein Weinglas schenken, ihn etwas stehenlassen, dass er sich entwickelt. Dann wird man Aromen wahrnehmen, die einem vorher verschlossen waren.“

Welches Bier hat dem Sommelier nun am bestern geschmeckt? Zum Abschluss der Verkostung fällt Kühnlein, der sich als Botschafter einer guten Bierkultur versteht, ein salomonisches Urteil: „Es gibt kein schlechtes Bier. Es gibt verschiedene Geschmäcker.“

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