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Justiz

13 Jahre Haft für Kindermörder

Der Regensburger fand selbst in Sicherungsverwahrung ein neues Opfer seiner Begierden und schlug zu. Er bleibt weggesperrt.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte Martin P. im Dezember 2005 Foto: Peter Kneffel dpa/lby
Der Angeklagte Martin P. im Dezember 2005 Foto: Peter Kneffel dpa/lby

Regensburg.Gewalt- und Tötungsfantasien gehören bei dem zweifachen Kindermörder Martin P. (41) zum „sexuellen Skript“. Seine tiefverwurzelte Störung ist unheilbar. Er befindet sich in Sicherungsverwahrung. Doch selbst dort, in der Hochsicherheitsforensik des Straubinger Bezirksklinikums, fand der pädophile Mann ein neues Opfer: Im Oktober 2015 verübte er eine sexuell motivierte, potenziell tödliche Hammerattacke gegen einen jugendlich wirkenden Mitgefangenen.

Am Montag wurde der bullige Mann vor dem Regensburger Schwurgericht für seine neuerliche Gewalttat verurteilt: 13 Jahre Haft und Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wegen versuchten Mordes, versuchter, besonders schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung lautete der Richterspruch.

Angeklagter zeigte keine Regung

Der Angeklagte nahm das Urteil ohne sichtbare Gefühlsregung entgegen. Während der Begründung durch den Vorsitzenden Richter Michael Hammer spielte sogar bisweilen ein leises Lächeln um seine Züge.

Nach Überzeugung der Kammer hatte sich der Angeklagte 2015 in einen Neuzugang auf seiner Station verliebt: einen schmächtig und jugendlich wirkenden Frauenmörder. Als ihm klar wurde, dass seine Gefühle kein Echo fanden, „manifestierte sich bei ihm der Gedanke, sich zu holen was er wollte, ohne danach zu fragen“, so Richter Michael Hammer. Seine sexuellen Fantasien, die „Suchtcharakter“ hätten, seien mit dem Würgen und Töten des Opfers verbunden gewesen. Er zweigte einen Hammer ab, versteckte ihn in seinem Zimmer und lud den Kumpel zu einem Fernsehabend ein. Als der 29-Jährige ihm den Rücken zuwandte, um eine DVD einzulegen, schlug er mit dem Hammer mindestens zwei Mal wuchtig zu. Dass die Schläge nicht zum Tode führten, sei „nur dem Zufall zu verdanken“ , sagte der Richter. Einen dritten Schlag konnte der Mann mit der Hand abwehren. Knochen gingen dabei zu Bruch. Er konnte noch um Hilfe schreien und den Notknopf betätigen. Da zog ihn der Angeklagte aufs Bett und würgte ihn am Hals, bis Mitgefangene Schlimmeres verhinderten.

Dem Angeklagten sei bewusst gewesen, dass die Schläge und das Würgen zum Tod des Opfers hätten führen können, sagte Hammer. „Dies nahm er billigend in Kauf.“ Zwar sei die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten infolge seiner Abartigkeit eingeschränkt, jedoch nicht aufgehoben gewesen, befand das Gericht. Er habe durch die Tat drei Mordmerkmale verwirklicht: Sie geschah heimtückisch und diente der Befriedigung des Geschlechtstriebes sowie der Ermöglichung einer weiteren Straftat – nämlich der Vergewaltigung des Opfers.

Zwei Kinder grausam getötet

Die sexuellen Gewaltfantasien des in einem strengen, sehr frommen Elternhaus aufgewachsenen Angeklagten forderten in der Vergangenheit bereits zwei Todesopfer: 1995 tötete er in Regensburg einen elfjährigen Ministranten durch 70 Messerstiche. 2005 ermordete er in München nach seiner Entlassung aus der Haft den achtjährigen Sohn eines früheren Mitgefangenen: Er würgte ihn zunächst, stülpte ihm dann eine Plastiktüte über den Kopf und ließ ihn qualvoll ersticken. Danach beteiligte er sich an der Suche nach dem vermissten Kind. Später holte er den kleinen Körper aus seinem Versteck und verging sich an dem Leichnam.

Dem Antrag der Verteidigung, bei der aktuellen Tat die früheren Verurteilungen auszublenden, erteilte das Gericht eine Absage: „Das ist nicht möglich.“ Alle Taten hätten eine gemeinsame Wurzel: Die sexuelle Abartigkeit des Angeklagten, der seine sexuelle Befriedigung nur in der Gewaltausübung und Tötung der kindlichen oder jugendlichen Opfer finde. Die vom Landgericht München 2006 verhängte Sicherungsverwahrung bleibt weiter bestehen.

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