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Jahresrückblick

15 000 Euro für Waisenkinder der Medizin

Am 1. Dezember fand zum dritten Mal „Menschen, die bewegen“ statt. Bewegende Erlebnisse bestimmten diesmal die Gespräche.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Der Förderverein für das Zentrum für Seltene Erkrankungen am Uniklinikum Regensburg darf sich in diesem Jahr über einen Spendenscheck in Höhe von 15 000 Euro freuen. Foto: Lex
Der Förderverein für das Zentrum für Seltene Erkrankungen am Uniklinikum Regensburg darf sich in diesem Jahr über einen Spendenscheck in Höhe von 15 000 Euro freuen. Foto: Lex

Regensburg.Es ist ein Abend, an dem Emotionen und tiefgreifende Erlebnisse die Hauptrolle spielen. Die dritte Jahresrückblicks-Gala „Menschen, die bewegen“ hat in diesem Jahr nicht nur ein paar Monate, sondern sogar Jahrzehnte zurückgeschaut auf Menschen und Ereignisse, die bis heute Gänsehaut verursachen. Und diese Gala hat auch einmal mehr einen Blick auf diejenigen gerichtet, denen es nicht so gut geht. In diesem Jahr kann sich der Förderverein für Kinder und Erwachsene mit seltenen Erkrankungen (FSER e.V.) am Uniklinikum Regensburg über einen Spendenscheck in Höhe von 15 000 Euro freuen, den Martin Wunnike, Vorsitzender der Geschäftsführung des Mittelbayerischen Verlags, und Chefredakteur Manfred Sauerer gemeinsam mit den Sponsoren überreichten. Damit kann die Forschung für die sogenannten „Waisenkinder der Medizin“ weiter vorangetrieben werden – und nicht nur das: Den Mitarbeitern und Ärzten der Einrichtung steht nun auch ein nagelneues Dienstfahrzeug gestiftet vom BMW Group Werk Regensburg zur Verfügung. Das Auto, ein Modell X2, hat zudem Symbolkraft: Es ist der siebenmillionste BMW, der in Regensburg produziert wurde.

BMW stiftete ein neues Dienstfahrzeug für die Mitarbeiter und Ärzte des Zentrums für Seltene Erkrankungen. Foto: Lex
BMW stiftete ein neues Dienstfahrzeug für die Mitarbeiter und Ärzte des Zentrums für Seltene Erkrankungen. Foto: Lex

Es waren nicht die großen Weltnachrichten, die an diesem Samstagabend im Marina Forum im Mittelpunkt standen, es waren die Geschichten von Menschen aus der Region. Die Moderatoren, MZ-Redakteurin Marina Gottschalk und MZ-Chefredakteur Josef Pöllmann, führten wieder gemeinsam durch das facettenreiche Programm. Zwölf Geschichten und die Menschen, die dahinterstecken, standen exemplarisch für das Jahr 2018 in der Oberpfalz und im Landkreis Kelheim. Manfred Sauerer sagte, dass dieser regionale Jahresrückblick jedes Jahr der schönste für ihn sei.

Die Veranstaltung „Menschen, die bewegen“ sehen Sie in voller Länge im Video:

Die Gala in voller Länge.

Mutter und Tochter erzählen vom WAA-Protest

Anna Maria Sturm war noch ein kleines Kind, als sie in Wackersdorf am Bauzaun stand. Die Mutter, eine Vorkämpferin des Widerstandes gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage, war nun die Vorlage für die Hauptfigur eines Kinofilms, der die bewegte Zeit der 1980er Jahre in der Oberpfalz noch einmal auf die Leinwand brachte und tausende Besucher In die Kinos lockte. In die Rolle der fiktiven Figur einer Widerstandskämpferin, die der Rolle ihrer Mutter damals durchaus ähnelte, durfte im Film Tochter Anna Maria schlüpfen. „Natürlich bin ich stolz auf die Anna, es war toll, dass sie in dem Film noch einmal einen wichtigen Teil meines Lebens dargestellt hat.“ Auf der Gala-Bühne erinnerten sich Mutter und Tochter auch an die gemeinsame Zeit am Bauzaun. Sogar die Kleidung sei baustellentauglich gewesen, bestätigte Irene Maria Sturm. Sie könne sich bis heute an viele Eindrücke erinnern, sagt die Tochter. „Ich habe vor allem die Erinnerung, dass es immer kalt war.“ Sonntags sei erst gefrühstückt worden, danach ging es an den Zaun. Der WAA-Protest sei Teil des Familienlebens gewesen. Der Kinofilm zeige realistisch, wie es war. Es sei aber kein Film, der den Zeigefinger erheben wolle, sagte die Schauspielerin. Pöllmann wollte wissen, wie wichtig die Rolle der Frauen im Widerstand war. „Sehr wichtig“, sagte Irene Maria Sturm. Dies sei auch darin begründet, dass sie von der Sorge um die Kinder getragen worden seien. „Frauen haben Kraft und Durchhaltevermögen und wenn sie sich etwas in den Kopf setzen, dann geht das durch“, betonte sie unter dem Applaus des Publikums. Anna-Maria Sturm ergänzte, dass bei der Kinotour die Filmemacher versucht hätten, CSU-Politiker, die damals die WAA mit allen Mitteln erzwingen wollten, für eine Diskussion auf die Bühne zu bringen. Das habe jedoch kein einziges Mal geklappt.

Über jene vier Schläge, die möglicherweise eine Katastrophe verhinderten, hat Waseem Azem nicht lange nachgedacht. Er handelte einfach an jenem heißen Sommertag 2018 auf der Regensburger Nibelungenbrücke. Dort war dem durchtrainierten Profi-Wrestler, der vor einigen Jahren aus der Nähe von Tel Aviv zum Zahnmedizin-Studium nach Regensburg gezogen war, ein Autofahrer aufgefallen, der mitten im Berufsverkehr andere Autofahrer und Fußgänger in der Nähe des Donau-Einkaufszentrums gefährdete. „Wir dachten zuerst, der Mann hat einen Herzinfarkt“, erzählte der Gala-Gast über die bangen Minuten. Das Auto sei verriegelt gewesen, der Mann habe auf Klopfen und Rufe überhaupt nicht reagiert, aber er habe immer wieder Gas gegeben und versucht weiterzufahren. „Bei seinem Anblick wurde mir klar, dass der Mann total betrunken sein muss.“ Azem gelang es schließlich, die Seitenscheiben des roten Jaguars mit einer Eisenstange einzuschlagen und den Mann zu stoppen, der, wie sich später herausstellte, 2,36 Promille Alkohol im Blut hatte. Gottschalk wollte wissen, wie Azem den Moment erlebt hat. „Diese Minuten wünsche ich keinem, das war sehr unangenehm.“

MZ-Chefredakteur Josef Pöllmann (l.) im Gespräch mit Professor Thomas Scheibel Foto: Lex
MZ-Chefredakteur Josef Pöllmann (l.) im Gespräch mit Professor Thomas Scheibel Foto: Lex

Mit Emotionen hat Professor Thomas Scheibel nicht zu kämpfen, wenn er seiner Arbeit nachgeht. Er nicht, aber andere Menschen schon, wenn sie hören, womit sich der Biochemiker beschäftigt. Scheibel arbeitet mit Schwarzen Witwen, Gartenkreuzspinnen und Taranteln zusammen. Er habe heute Abend auch einige Spinnen im Marina-Forum ausgesetzt, witzelte er zur Begrüßung. Die Spinnen verhalfen dem gebürtigen Regensburger zur Erfindung seines Lebens. An der Uni Bayreuth entwickelte er Bio-Steel, eine Superfaser, die stärker ist als Nylon und tragfähiger als Carbon. Die Angst vor Spinnen sei antrainiert und könne auch wieder abtrainiert werden, erklärte er die gute Zusammenarbeit mit seinen tierischen Ideengebern. Mit einem Spinnennetz könne man Badminton spielen, berichtet er über die extreme Belastbarkeit. Seine Vorkenntnisse als Proteintechniker seien ihm bei der Entwicklung sehr hilfreich gewesen. Auf die Idee der Produktion brachten ihn aber schließlich Journalisten, die bei der Präsentation der Forschungsergebnisse die Fäden auch sehen wollten. Das war der erste Schritt in die biologische Produktion. Produkte mit diesem Material gebe es heute in der Kosmetik, in der Implantologie, in der Möbelindustrie. Auch Sportschuhe werden mit der Faser inzwischen hergestellt. „Und wenn einem der Schuh nicht mehr gefällt, dann kann man ihn aufessen“, witzelte der Biochemiker.

Zuerst kannten Donikkl die Kinder, dann deren Eltern und inzwischen kennt ihn wohl jeder, der schon einmal einen Abend im Bierzelt verbracht hat. Der Musiker aus Kelheim arbeitete noch als Lehrer, als ihm Anfang der 2000er Jahre der Kinderhit „So a schöner Tag“ gelang. Dass sich der Song als „Fliegerlied“ international in den Charts behaupten, mehrere Goldene Schallplatten einheimsen und zu einem der meistgespielten Songs in den Bierzelten werden könnte, ahnte Andreas Donauer, wie Donikkl eigentlich heißt, nicht. „Bei diesem Lied ging es vordergründig um die Bewegung und darum, lebensbejahende Gefühle anzusprechen. Und dazwischen ist eigentlich nur La-La-La.“ Gottschalk fragte, wie ihm die Ideen zu den Texten kommen. Er habe versucht, das Kind in sich zu bewahren und die Welt aus Kinderaugen zu sehen, erklärte Donikkl. Heute tritt der Musiker mit „Minna von Starkstrom“ und „Erich der Koch“ als Europas erfolgreichste Kindermusik-Band auf. Aber darauf allein will sich der Musiker nicht reduzieren lassen, denn dahinter steckt vor allem eins: pädagogische Arbeit. Sein Anspruch sei, dass die Musik nicht nur im Kinderzimmer laufe, sondern auch im Wohnzimmer und damit Impulse für Gespräche innerhalb der Familie setze. Nach dem Fliegerlied setzt nun das „Haifisch-Lied“ an, die Charts zu stürmen. Es werde der neue Hit beim Apres-Ski, versprach der Musiker. „Eigentlich sollte es im Sommer schon so weit sein, aber da kam uns Cordula Grün dazwischen.“

Zwei Läufer, die Extreme suchen

Die beiden Extremsportler Philipp Pflieger und Holly Zimmermann schaffen es immer wieder in die Sportnachrichten. Der Marathon-Profi und die Ultraläuferin bringen für ihre Ziele unbändige Motivation und Leidenschaft auf. Pflieger musste in diesem extremen Hochsommer bei der Leichtathletik-Europameisterschaft allerdings einen Dämpfer hinnehmen und die 42-Kilometer-Distanz mit Problemen an Achillessehne und Sprunggelenk vorzeitig beenden. Er wäre in Berlin in der Lage gewesen, eine Bestzeit zu laufen, aber er habe das Wetter ignoriert, bedauerte der Sportler im Gespräch mit Pöllmann. „Um Höchstleistungen erbringen zu können, muss man auch ab und an auf die Nase fallen. Das kann dreimal schief gehen, aber einmal klappt es.“ Er habe inzwischen einige Täler in seiner sportlichen Karriere zu durchwandern gehabt, sagte Pflieger. Auch dass er öffentlich seine Meinung vertritt, brachte Pflieger schon Probleme. Er sei eigentlich schüchtern, habe aber inzwischen gelernt, seine eigene Meinung zu kommunizieren, auch wenn diese Meinung vielleicht nicht die seines Leichtathletik-Verbandes sei. Ultraläuferin Zimmermann bewältigte in diesem Jahr den Marathon auf den höchsten Berg der Welt – den Mount Everest. Die gebürtige US-Amerikanerin, die heute in Alteglofsheim lebt, lief auch schon den kältesten Marathon bei minus 20 Grad in Grönland und den heißen Wüstenlauf über 257 Kilometer durch die marokkanische Wüste. Das alles schafft sie, obwohl sie auch noch vier Kinder zu versorgen hat. „Meine Familie kommt immer an der ersten Stelle und ich ermutige meine Kinder, ihre eigenen Abenteuer zu machen.“ Trotz der vollen Terminpläne hat sie es inzwischen auch noch geschafft, ein Buch zu schreiben. Es geht um den Ultralauf, aber es sei eher ein Roman, sagte sie auf der Bühne. Pöllmann wollte wissen, was einem die extreme körperliche Betätigung denn bringe. „Alles andere wäre langweilig“, sagte Pflieger.

Nicht ganz so schnell wie Pflieger und Zimmermann bewegt sich Gabi Röhrl, dafür aber ebenfalls mit einer enormen Zielstrebigkeit. Die frühere Wirtin der Weltenburger Klosterschenke ist gerade vom Jakobsweg zurückgekehrt und verarbeitet ihre Erlebnisse nun in einem Film mit dem Titel „Nur die Füße tun mir leid“. Fünf Mal ist sie den bekanntesten Pilgerweg inzwischen gelaufen. In diesem Jahr 900 Kilometer in sechs Wochen. Bei ihrer ersten Tour sei sie einfach nur vorbeigelaufen und habe gesundheitliche Probleme bekommen. Als sie ihr Tempo drosseln musste, sei der Blick auf den Weg ein anderer geworden, erzählte sie auf der Bühne. Auf der Strecke könne sie sich selbst finden. Sie gehe langsame Schrittgeschwindigkeit und bekomme dadurch nach und nach alles aus dem Kopf. Weil nicht Neues nachgeliefert werde, werde der Kopf irgendwann leer - „und dann wird es richtig spannend“. Zuhause in Niederumelsdorf, einem kleinen Örtchen im Landkreis Kelheim, hat Gabi Röhrl das Anwesen der Urgroßeltern eins zu eins wieder aufgebaut und ihn zum Ort der Begegnung, Kultur und Kulinarik gemacht. Statt als Wirtin arbeitet die umtriebige Niederbayerin inzwischen als Social-Media-Expertin und zeigt anderen Leuten, wie man das Netz für sich gewinnt. 2019 wird Röhrl ihren Film ins Kino bringen. 2020 will sie den Weg auf jeden Fall wieder gehen, wie sie sagt. „Alle Länder, alle Religionen der Welt sind dort vertreten, alle gehen in eine Richtung, alle gesellschaftlichen Schichten laufen zusammen, das ist so entspannend und angenehm“, erzählte sie bei ihrer letzten Rückkehr ihrem Mann. Der antwortete: „Du, das kenne ich auch. So eine Oase haben wir beim Kneitinger früher auch gehabt.“

Auch Gabi Röhrl, die mehrfach den Jakobsweg wanderte, gehörte in diesem Jahr zu den Talkgästen.

Ein schweres Schicksal musste Reinhard Söll meistern. Der umtriebige Impresario der Schlossfestspiele brach im Juni 2017 in seinem Büro der Odeon Concerte zusammen. Die schreckliche Diagnose lautete Gehirnblutung. In der Zeit in der er im Koma gelegen habe, habe er wilde Träume gehabt. Er habe etwa geträumt, dass er an der Copa Cabana Karten für die Schlossfestspiele verkauft habe, schilderte er dem Publikum, das gebannt an seinen Lippen hing. Für Söll begann ein Jahr, in dem er sich – unterstützt von seiner Lebensgefährtin Swetlana Panfilow und den beiden Söhnen – zurück ins Leben kämpfen musste. Auf der Gala-Bühne erschien er am Samstagabend ohne Rollstuhl, denn inzwischen kann er wieder mit Hilfe eines Rollators seine Schritte selbst bestimmen. Es gehe ihm heute wesentlich besser, das sei aber nicht allein sein Verdienst, sondern auch der seiner Partnerin und Familie, die ihn durch diese schwere Zeit begleitet hätten. „Ich bin ein ungeduldiger Mensch, der sofort alles erreichen will, aber das geht jetzt nicht mehr, die Genesung braucht seine Zeit“. Sehr viele Leute hätten an seinem Schicksal intensiv Anteil genommen, berichtete er. Auch viele bekannte Künstler begleiteten ihn auf diesem harten Weg mit ihren Genesungswünschen. In diesem Jahr konnte Söll seine Schlossfestspiele auf Schloss Thurn und Taxis wieder selbst eröffnen. „Das war wie heimkommen.“ Seine Partnerin Panfilow bedankte sich ausführlich bei allen, die sie in dieser schweren Zeit unterstützt haben und bei den Ärzten und Therapeuten, die Söll behandelt haben. „Danke von ganzem Herzen.“

Bayern-Museum erinnert an spektakuläre Ballon-Flucht

Im kommenden Jahr jährt sich die unglaubliche Geschichte von Günter Wetzel zum 40. Mal. 1979 wagte er mit seiner Familie und Freunden in einem selbstgenähten Heißluftballon die Flucht aus der DDR - und landeten im fränkischen Naila. Die Geschichte dieser spektakulären Flucht, die nur 28 Minuten dauerte, schaffte es bis nach Hollywood und wurde jüngst auch von Michael Bully Herbig verfilmt. „Selbst die fiktiven Szenen hätten sich so zutragen können“, lobte Wetzel das Werk und verriet, dass sie insgesamt drei Heißluftballone nähten. Beim dritten Ballon hätte dann der zweite Fluchtversuch geklappt. Der Ballon wird ab dem kommenden Jahr eines der herausragenden Exponate im neuen Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg sein. Für mindestens zwei Jahre wird er gezeigt und Architekt Stefan Traxler aus Frankfurt hat ihm einen besonderen Platz im Museum gebaut. Doch Traxler muss für sein Bauwerk am Donaumarkt auch viel Kritik einstecken. An der Architektur, besonders der grauen Fassade, scheiden sich die Geister. Parkhaus und Lagerhalle schimpfen die Kritiker, doch Traxler stellt sich der Diskussion und ist selbst von seinem Bau überzeugt, der durch sein verwinkeltes Dach, dem großen Fenster zum Dom und den im Innenraum aufgegriffenem Altstadtgassenflair das Regensburger Stadtbild weiterentwickeln soll. Die Dachlandschaft als Struktur und der große Teppich aus dem Landtag hätten den Entwurf bestimmt, erläuterte der Architekt. „So entsteht ein Haus. Das ist ein Prozess.“ Dennoch treffe ihn die Kritik, sagte er dem Publikum. Er freue sich deshalb umso mehr über positive Reaktionen, wie neulich der Brief eines Schülers des Albertus-Magnus-Gymnasiums, der mit ihm über die Architektur sprechen wolle. „Ich habe ihm meine Handynummer geschickt.“

Einem tierischen Job geht auch Bernd Hackl nach. Längst kennt man den Pferdetrainer deutschlandweit. Beim Fernsehsender VOX arbeitet er regelmäßig als „Pferde-Profi“ und nimmt sich verfahrenen Tier-Mensch-Beziehungen an. Die Begeisterung für Pferde hat der Wahl-Chamer von seinem Vater geerbt. Sein Weg zu den Pferden führte über Hasen, um die er sich kümmern musste, später kam aber dann doch sein erste Pony, verriet er. Ausbilden ließ sich der Pferdeflüsterer, wie ihn seine Fans nennen, in den USA als Cowboy. „Wer flüstert, der lügt“, sagte Hackl, der den Begriff Pferdeflüsterer eigentlich nicht mag. Sein Job bestehe darin, Jungpferde anzureiten, aber auch die Arbeit mit vielen gefährlichen Pferden, deren letzte Station bei ihm sei, bevor sie zu „Wurst“ würden. Zu 99 Prozent seien bei Problempferden die Besitzer das eigentliche Problem, erzählte er über seine Arbeit. Er verriet auch, dass sein Weg ins Fernsehen über einen Mini-Esel führte. Der Esel sei ein Missstück gewesen, er habe getreten und gebissen. Aber Hackl bekam den TV-Job. Sein Wissen setzt er heute auf seinem Pferdehof in Bruckmühl um. Dort widmet er sich den Pferden mit Konsequenz, Disziplin und klaren Führungsstrukturen. Längst ist das Wissen Hackls nicht nur bei Tierbesitzern, sondern auch bei Führungskräften gefragt. Pferde vertraue er mehr als Menschen, verriet er, bevor er sich von der Bühne verabschiedete.

Die "Menschen, die bewegen"-Gala 2018

Humor aus der Oberpfalz

Quatsch macht Christian Huber jeden Tag – und dafür wird er auch noch bezahlt. „Es ist ein Luxus, mit Humor Geld zu verdienen“, bestätigte er. Der gebürtige Schwandorfer, der sich auf Twitter „Pokerbeats“ nennt, hat sich mit witzigen Textschnipseln eine riesige Fangemeinde in den sozialen Netzwerken erarbeitet. Menschen bei Laune halten, das hat Huber mittlerweile auch zum Beruf gemacht und arbeitet für Satiriker Jan Böhmermann. Er schreibt die Sketche für die Late-Night-Show „Neo Magazin Royale“ und erreicht damit ein Millionenpublikum. Er sei selbst großer Fan der Sendung und dass er nun dafür arbeiten dürfe, sei einfach toll, bestätigte er. Performen selbst sei aber nicht sein Ding, er bleibe lieber im Hintergrund. Witzig kann Huber aber nicht nur im Twitter-Format. Ende Oktober ist sein drittes Buch erschienen. Es heißt „Alle anderen können einpacken“ und erzählt eine witzige Weihnachtsgeschichte, der zum ersten Mal ohne seine Familie Weihnachten feiert. Bereits mit dem Vorgänger „7 Kilo in 3 Tagen“, einer Hommage an die Oberpfalz, stand Huber wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Im Moment mache ihm das Autorenleben am meisten Spaß, verriet er dem Publikum.

Jahresrückblick

Bewegende Geschichten im Marinaforum

Beim Jahresrückblick brachte die MZ Menschen mit bewegenden Geschichten auf die Bühne. Es war emotional und glamourös.

Die einen stehen im Rampenlicht, andere wollen dort gar nicht sein. Zwei stille Helden sind Mesner Josef Manfred Heigl und Berufsfeuerwehrmann Manfred Eisenhofer. Sie verhinderten zu Jahresbeginn 2018 eine Katastrophe in der Albertus-Magnus-Kirche in Regensburg. Heigl hatte nach der 18-Uhr-Messe noch einen letzten Kontrollblick in die Kirche geworfen und an einer 15 Meter hohen Holzdecke ein Feuer, nicht größer als ein Kerzenlicht, entdeckt. „Zunächst habe ich es gar nicht für möglich gehalten, so etwas sieht man sonst nur im Fernsehen.“ Er regierte sofort und alarmierte die Feuerwehr. „Ich habe mich gefragt, was passiert, wenn ich die Feuerwehr rufe und das Feuer aber gleich ausgeht. Ich habe die Feuerwehr trotzdem gerufen.“ Auch die Heiligen drei Könige, die noch in der Kirche waren, habe er weggeschickt. Als die Sirene losging, sei es ihm eiskalt den Rücken hinuntergelaufen – „weil man weiß, das trifft einen jetzt selbst“. Die Feuerwehr wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was sie in diesem besonderen Fall Außergewöhnliches leisten muss. Ein Gerüst aufzustellen hätte zu lange gedauert, deshalb manövrierte Berufsfeuerwehrmann Eisenhofer die Drehleiter mit enormer Präzision rückwärts durch das Hauptportal der Kirche. Nur 20 Zentimeter blieben ihm an der engsten Stelle – aber er schaffte es und der Brand konnte schnell gelöscht werden. Bundesweit machte das Feuerwehrauto in der Kirche Schlagzeilen. Der Tag nach der Rettung sei nervig gewesen, erinnerten sich die Gäste, andauernd habe das Telefon geläutet. Eine offizielle Anerkennung hätten sie aber bis heute nicht erhalten. Pöllmann appellierte deshalb an Bischof Rudolf Voderholzer: „Diese beiden hätten eine Einladung zum Frühstück verdient.“

Anja Wolbergs spricht über belastende Zeit

Die Schlagzeilen vom aktuell laufenden sogenannten Korruptionsprozess vor dem Landgericht Regensburg gegen den suspendierten Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hat sicherlich jeder vor Augen, aber im Marina Forum kam die Frau zu Wort, die an seiner Seite den Aufstieg und Fall miterlebte und dadurch selbst mit ihrer Familie eine enorm belastende Zeit meistern musste. Anja Wolbergs versicherte im Gespräch mit Josef Pöllmann, dass es für sie der richtige Weg gewesen sei, den autobiografischen Roman „In Liebe, Jana“ zu schreiben. „Das war mein Weg.“ Sie habe die Ereignisse dadurch verarbeiten können, aber es gebe auch heute noch belastende Situationen, in denen sie sich schwer zurechtfinde, etwa wenn es Schlagzeilen in den Medien auftauchten. Manchmal durchlebe sie nachts Angstzustände. Wohl auch deshalb verfolgt sie den Prozess nicht so genau. „Ich lese nicht täglich in den Medien, was vor Gericht passiert, sondern widme mich im Moment dem Buch von Michelle Obama.“ Auf der Straße erfahre sie inzwischen sehr viel Zustimmung für ihre Art der Aufarbeitung. „Es tut gut, das unterstützt mich mental.“ Sie selbst habe sich durch die Ereignisse stark verändert. „Diese Zeit hat mich sehr geprägt, sie sehen heute eine andere Anja Wolbergs als vor ein paar Jahren.“ Bis heute trägt Anja Wolbergs ihren Ehering am Finger. Auf die Frage von Pöllmann, ob das Buch eine Liebesgeschichte auf 192 Seiten gewesen sei, erwiderte sie: „Ich habe meinen Mann geliebt und liebe ihn noch immer auf eine bestimmte Art. Aber wenn jemand gehen möchte, dann muss man ihn loslassen.“

Zwölf Geschichten, die das Publikum ebenso packten wie die Songs, mit denen Sänger Markus Englstädter und die Geff-Eisenhauer-Band den Galaabend musikalisch umrahmten. Das Publikum lobte auch in diesem Jahr die Mischung von humorvollen und ergreifenden Themen auf der Bühne. Professor Dr. Mark Berneburg, Vorsitzender des Fördervereins für Kinder und Erwachsene mit seltene Erkrankungen und sein Stellvertreter Theo Zellner waren am Ende der Gala einfach nur überwältigt von der Unterstützung, die nun wieder ein Stück neue Hoffnung für jene Menschen bringt, die aufgrund ihrer seltenen Erkrankungen oft lange Leidensgeschichten durchlaufen müssen.

Alle Informationen zur Gala „Menschen, die bewegen“ finden Sie hier!

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