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Natur

50 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald

Der Nationalpark wurde 1969 als erster seiner Art in Deutschland genehmigt. Er hat sich prächtig entwickelt.
Von Michaela Schabel

Nebelschwaden ziehen zwischen den Baumwipfeln im Bayerischen Wald durch. Foto: Weigel/dpa
Nebelschwaden ziehen zwischen den Baumwipfeln im Bayerischen Wald durch. Foto: Weigel/dpa

Neuschönau.Die Vögel zwitschern mehr denn je am Lusen. Lichtes Grün von artenreichen Wäldern breitet sich aus und überragt die Wanderer. Das war Mitte der 90er Jahre noch ganz anders. Der Borkenkäfer hatte die mächtigen Fichtenwälder gekillt. Die Empörung in der Bevölkerung war groß, der Wald war weg, kahl die Gipfelregion des Lusens. Doch es zeigte sich, dass die Natur – sich überlassen – reguliert.

„Der Nationalpark Bayerischer Wald ist als ältester Nationalpark des Landes ein Hotspot der Artenvielfalt“, sagt Franz Leibl, Leiter der Nationalparkverwaltung. Er freut sich besonders, „dass der Park nach knapp 50 Jahren nun auch endgültig in der heimischen Bevölkerung verankert ist“.

Eröffnung des Parks ein Jahr nach Genehmigung

Groß war die Euphorie, als vor 50 Jahren der Bayerische Landtag den Nationalpark im Bayerischen Wald genehmigte. Ein Jahr später wurde der Park bereits eröffnet. Man legte die ersten Gehege mit heimatspezifischen und selten gewordenen Tierarten an.

Mit Hans Bibelriether, dem damaligen Leiter der Nationalparkverwaltung, bekam der Park von 1979 bis 1998 einen leidenschaftlichen Verfechter der Nationalparkidee. Er setzte das Informationszentrum in Neuschönau durch und verantwortete in Abstimmung mit dem Umweltministerium die Einschränkung der holzwirtschaftlichen Nutzung.

Als der Gewittersturm 1983 auf 90 Hektar ungefähr 30 000 Festmeter Holz niedergerissen hatte, ließ man das Totholz liegen. Der Nationalpark sollte sich ohne jegliches menschliche Eingreifen entwickeln und war damit ein eindeutiges Bekenntnis für die Natur. Die Feriengäste schwärmten von der unberührten Natur. Viele Einheimische schimpften, diskutierten sich an Stammtischen in Rage, angetrieben von Existenzängsten, dass sich der Borkenkäfer im Totholz ausbreitet, was auch passierte.

Tourismus-Boom vor allem wegen Tieren

Seltene Tierarten wie der Luchs wurden über den Nationalpark wieder heimisch im Bayerischen Wald.  Foto: Rainer Simonis/Nationalpark Bayerischer Wald
Seltene Tierarten wie der Luchs wurden über den Nationalpark wieder heimisch im Bayerischen Wald. Foto: Rainer Simonis/Nationalpark Bayerischer Wald

Während die Holzwirtschaft stagnierte, boomte der Tourismus. Jetzt kamen die Gäste, wollten vor allem die Tiere sehen. Das Wolfsrudel und die Bärenfamilie wurden zur Attraktion, die Luchse zu sehen ein Geduldsspiel, und durch die Wildschweingehege zu marschieren zuweilen ein nahes Erlebnis. Nach der Wende entstand durch die Fusion mit dem böhmischen Nationalpark Šumava das größte Waldschutzgebiet Mitteleuropas. 1998 wurde der Nationalpark durch Miteinbeziehung der Regionen um Großen Rachel und Falkenstein noch größer. 70 Prozent davon sind Naturzonen, in denen der Mensch nicht eingreifen darf.

Durch 350 Kilometer markierte Wanderwege, einen Baumwipfelpfad, über 200 Kilometer ausgewiesene Radwege und rund 80 Kilometer gespurte Loipen ist der Nationalpark für Naturliebhaber behutsam erschlossen. 98 Prozent der Fläche sind Wälder, dazwischen offene Hochmoore und Schachten, ehemalige Waldweiden. 1,3 Millionen Menschen besuchen inzwischen jährlich den Nationalpark.

Zoo

Tierpark: Erfolg und Kraftakt in Lohberg

Zum „silbernen Jubiläum“ des Bayerwald-Tierparks gab es heuer bereits viele Naturerlebnisveranstaltungen, am Mittwoch war eine Feierstunde.

Schüler aus der Region oder anderen Ländern sind auf den Spuren von Waldtieren unterwegs, werden über Geocaching für die ökologischen Prozesse sensibilisiert. „Umweltbildung gibt es in China einfach nicht so umfassend“, erklärt die Gruppenleiterin Ying Jiang einer Pekinger Partnerschule. „Ich mag besonders das Teamwork und die gemeinschaftlichen Ausflüge in der Natur“, kommentiert der Schüler Ian Chen. Über das Naturverständnis sollen Verhaltensweisen junger Menschen verändert werden.

Borkenkäfermanagement wird schrittweise reduziert

Die trockenen Sommer und der Schneebruch in diesem Jahr sorgen zur Zeit für viel Arbeit in den Rand- und Entwicklungszonen der Erweiterungsgebiete von 1998. Dort darf infolge eines politisch gewollten Kompromisses noch Borkenkäfermanagement stattfinden. Das wird allerdings Schritt für Schritt reduziert, damit das vorgegebene Ziel der IUCN (International Union of Conservation Nature) von 75 Prozent Naturflächen bis 2027 erreicht wird.

Steckbrief Nationalpark Bayerischer Wald

  • Entstehung:

    Der Nationalpark Bayerischer Wald, 1969 genehmigt, 1970 eröffnet, ist der erste Nationalpark Deutschlands. Zusammen mit dem Nachbar-Nationalpark Šumava in Tschechien bildet er das größte zusammenhängende Waldschutzgebiet Mitteleuropas. 1998 wurde er um die Regionen Falkenstein und Großer Rachel erweitert.

  • Prinzip:

    In den sogenannten Naturzonen – es sind mehr als 24 000 Hektar und insgesamt 70 Prozent des Nationalparks – gilt der Grundsatz „Natur Natur sein lassen“. Ohne menschliche Eingriffe sollen sich das ökologische Gleichgewicht ausbalancieren und die Artenvielfalt regenerieren. Bis 2027 sollen es 75 Prozent Naturflächen sein.

  • Lebensräume:

    Typisch sind natürliche Waldgesellschaften – Bergfichtenwälder, Bergmischwälder mit Fichte, Tanne, Buche, Bergahorn sowie Aufichtenwälder. Dazu kommen Moorflächen und Schachten.

Mussten in dieser Randzone 2018 schon 31 600 Festmeter aufgearbeitet werden, waren es bereits Mitte dieses Jahres 35 000 Festmeter. Zusätzlich zu den Waldarbeitern des Nationalparks sind derzeit fünf Fremdfirmen im Einsatz, um das Käferholz aufzuarbeiten.

Ansonsten gilt weiter die Grundregel, dass die Natur sich selbst überlassen bleibt. Mit dem Klimawandel wird sich allerdings auch der Wald ändern.

Diese Tierarten leben im Bayerischen Wald:

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