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Justiz

Anklage fordert hohe Haftstrafe

Im Prozess um die Hatz auf einen transsexuellen Mann in Siegenburg wurden am Donnerstag Plädoyers gehalten. Die drei Angeklagten entschuldigten sich.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Drei Männer müssen sich wegen der Hatz auf einen transsexuellen Mann in Siegenburg verantworten. Foto: dpa

Regensburg. Tränen im Zuschauerraum, als Oberstaatsanwältin Ulrike Klein ihr Strafmaß nennt: Für die Hatz auf einen transsexuellen Mann in Siegenburg forderte die Anklägerin am Donnerstagnachmittag vor dem Landgericht Regensburg hohe Haftstrafen für die drei Angeklagten. In ihrem Plädoyer führte sie aus, dass nicht nur der Straftatbestand einer gefährlichen Körperverletzung erfüllt sei, sondern auch ein versuchter Mord durch Unterlassen. Letzterem widersprachen die drei Verteidiger.

„In Kauf genommen, dass er stirbt“

Sieben Jahre und sechs Monate Haft für den 20-jährigen Tobias B., vier Jahre und neun Monate für seinen 18-jährigen Bruder Lothar und sieben Jahre für den mutmaßlichen Mittäter Daniel A. forderte die Oberstaatsanwältin für die brutale Körperverletzung an einem 22-jährigen transsexuellen Mann im Februar vergangenen Jahres. Klein sah es als erwiesen an, dass die drei Angeklagten in jener Nacht den Mann „völlig grundlos“ prügelten und mit Stiefeln traten und ihn durch den Ort jagten. Am Ende hätten sie ihn weggeschickt und seinem Schicksal überlassen. „Die Angeklagten haben sicher nicht gewollt, dass er stirbt, aber sie haben es in Kauf genommen“, so die Oberstaatsanwältin in ihrem Plädoyer.

Mit gesenkten Köpfen verfolgten die drei Männer die Ausführungen, warfen nur ihren Müttern, die im Gerichtssaal waren, immer wieder Blicke zu. Die drei Verteidiger hatten in ihren Plädoyers die gefährliche Körperverletzung ihrer Mandanten vollständig eingeräumt. „Dass dem Opfer Schlimmes widerfahren ist, stellen wir nicht in Abrede. An dieser Misere sind unsere Mandanten schuld“, sagte Anwalt Burkhard Schmidt. Er übte allerdings auch Kritik an dem transsexuellen Mann, der vor und während des Gerichtsverfahrens seine Darstellungen „immer weiter angereichert“ habe. Er forderte eine Jugendstrafe von elf Monaten für seinen Mandanten Lothar B.. Für Tobias B. forderte dessen Verteidiger Christian Bertsch eine Verurteilung für gefährliche Körperverletzung, ohne ein Strafmaß zu nennen. Der Anwalt von Daniel A. plädierte auf eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren und die Unterbringung in einer Suchtklinik.

Am Morgen hatte ein Gutachter des rechtsmedizinischen Instituts Erlangen die Situation in der Tatnacht als dramatisch dargestellt. Er sprach von einer „massiven, stumpfen Gewalteinwirkung gegen den Schädel“. Es sei hinreichend aus Medien bekannt, so Gutachter Peter Betz, „dass man jemanden auf diese Weise tot schlagen kann“. Für das Opfer, das unter anderem eine Gehirnerschütterung, einen Nasenbeinbruch, einen Einriss der Nasenschleimhaut und eine Fraktur in der Kieferhöhlenwand erlitt, „hätte es übel ausgehen können“. Akute Lebensgefahr habe aber nicht bestanden.

Ein Psychologe unterrichtete das Gericht unter Vorsitzendem Richter Carl Pfeiffer über die schwierigen familiären Verhältnisse der drei Angeklagten. Sowohl die Brüder Tobias und Lothar, als auch Daniel A. seien in eine Alkohol- und Drogensucht abgerutscht. Auch am Tattag war Alkohol im Spiel, doch bei keinem der drei mutmaßlichen Täter hätte dies zu deutlichen Ausfallerscheinungen geführt, so der Gutachter. Ihnen sei klar gewesen, was sie taten.

Angeklagte entschuldigen sich

Die drei Angeklagten ergriffen in der Verhandlung noch einmal das Wort und entschuldigten sich bei ihrem Opfer. Zuvor hatten sie einem Vergleich zugestimmt, in dem sie einwilligten, dem Opfer jeweils 5000 Euro Entschädigung zu zahlen. „Ich hoffe, dass ihm das Schmerzensgeld dabei hilft, das alles zu verarbeiten“, sagte der 18-jährige Lothar. Tobias B. und Daniel A. versprachen, das Geld so schnell es geht zu bezahlen. Das Urteil fällt am Freitag.

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