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Samstag, 21. Juli 2018 28° 8

Parteien

AfD prophezeit CSU eine Niederlage

Oberpfälzer AfD attackiert Ministerpräsident Söder, der die Partei stellen will. Im Landtag endet bald die Gemütlichkeit.
Von Christine Schröpf, MZ

Roland Magerl (l.) ist Oberpfälzer Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl. Rechts im Bild: Bezirkschef Christian Paulwitz Foto: Schröpf
Roland Magerl (l.) ist Oberpfälzer Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl. Rechts im Bild: Bezirkschef Christian Paulwitz Foto: Schröpf

Wackersdorf.„Hol Dir Dein Land zurück“, steht auf dem Banner an der Frontseite des Saals. Die AfD Oberpfalz ist am Sonntag in einem Wirtshaus in Wackersdorf zusammengekommen, um die Oberpfälzer Listenkandidaten für die Landtagswahl zu nominieren – im Herbst will die Partei das bayerische Landesparlament erobern. Bezirkschef Christian Paulwitz ruft seinem Publikum die Kampfansage des CSU-Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten Markus Söder in Erinnerung, der die AfD im Wahlkampf konsequent stellen will. Paulwitz kontert. Seine Partei habe den Versammlungsort für die Listenreihung bewusst gewählt. „Es gibt dafür keinen besseren Ort als Wackersdorf“, sagt er. Dort also, wo die CSU im Einsatz für eine Wiederaufarbeitungsanlage in den 1980er Jahren eine herbe Niederlage erlebt hatte.

Die AfD zählt in der Oberpfalz rund 400 Mitglieder. 126 Stimmberechtigte sind am Sonntag nach Wackersdorf gekommen. Der Nebenraum muss geöffnet werden, damit alle Platz finden. Auf dem Parkplatz: gediegene Limousinen. Im Saal: ein Querschnitt der Oberpfälzer Bevölkerung – mit mehr oder minder großer Skepsis gegenüber den Medien, die erst am Samstag über den Veranstaltungsort informiert worden waren. Paulwitz begründete dies mit der Sorge, der Name der Lokalität könne sonst in die linke Szene durchsickern. Er fürchtete Proteste vor Ort und Druck auf die Wirtsleute.

Bis zu zwölf Prozent in Umfragen

Die AfD liegt in aktuellen Umfragen zur Landtagswahl bei Werten zwischen zehn und zwölf Prozent. Ostbayern zählt im Freistaat zu den Hochburgen. Bei der Bundestagswahl im Herbst erreichte die Partei in der Oberpfalz einen Zweitstimmenanteil von 14,1 Prozent, in Niederbayern 16,7 Prozent. Paulwitz rechnet damit, dass im Herbst zwei Oberpfälzer AfD-Abgeordnete in den Landtag einziehen werden. „Mit der bayerischen Gemütlichkeit im Maximilianeum wird es dann vorbei sein“, sagt der Regensburger Kreisvorsitzende Dieter Arnold. Die AfD dürfe sich nicht zur CSU light entwickeln, warnt der 45 Jahre alte Inhaber einer Sicherheitsfirma vor gewissen Strömungen in den eigenen Reihen. Es wäre auch grundfalsch, mit einer Koalition mit der CSU zu liebäugeln.

„Heimat ist dort, wo deutsche Feste gefeiert und deutsche Lieder gesungen werden.“

Benjamin Nolte

Arnold kandidiert für Platz 1 auf der Liste. Nach dem Spitzenplatz greift auch Roland Magerl, Kreisvorsitzender aus Weiden, Betriebsratsvorsitzender eines Großunternehmens und früheres SPD-Mitglied. Er macht sich in seiner Bewerbungsrede für Arbeitnehmerrechte und soziale Sicherheit stark. Im Rennen ist zudem Werner Meier, Kreisvorsitzender Amberg-Neumarkt, der gegen die vermeintlichen „Altparteien“ und Kanzlerin Angela Merkel schießt. Er spricht vom gesellschaftlichen und nationalen Untergang durch Massenimmigration, sieht Bayern wegen Söder, Seehofer und dem geplanten Polizeiaufgabengesetz auf dem Weg zum Überwachungsstaat.

Benjamin Nolte wurde auf Listenplatz zwei gewählt. Foto: privat
Benjamin Nolte wurde auf Listenplatz zwei gewählt. Foto: privat

Magerl wird am Sonntag zum Oberpfälzer Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gewählt. Auf Platz 2 folgt Benjamin Nolte (35), der auch als Direktkandidat in Regensburg antritt. Ein deutlich Rechter der Partei, der die CSU als „bajuwarische Merkel-Truppe“ tituliert und von einer galoppierenden Islamisierung Deutschlands spricht. „Heimat ist dort, wo deutsche Feste gefeiert und deutsche Lieder gesungen werden“, sagt er.

Stefan Löw zieht auf Platz 3 der Liste in die Landtagswahl. Foto: Schröpf
Stefan Löw zieht auf Platz 3 der Liste in die Landtagswahl. Foto: Schröpf

Auf Platz 3 der Liste für die Landtagswahl folgt Stefan Löw vom Kreisverband Weiden-Neustadt-Tirschenreuth. Er ist 27 Jahre alt und Polizist im vorläufigen Ruhestand. Löw berichtet von seinen Erfahrungen im Polizeidienst nach der Grenzöffnung 2015 zu Zeiten der Flüchtlingskrise, die ihm an seinen Beruf hätten zweifeln lassen. Er habe sich als einer gefühlt, der Beihilfe zur Zerstörung Deutschlands leiste, sagt er unter großem Beifall.

Im März hatte die AfD in Regensburg gegen einen Moscheebau demonstriert und war auf zahlreiche Gegendemonstranten gestoßen. Details dazu lesen Sie hier!

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