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Vortrag

Afrika bleibt Sorgenkontinent

Günter Nooke, Afrikabeauftragter der Kanzlerin, sprach an der Uni Regensburg über die künftige Zusammenarbeit mit Europa.
Von Daniel Pfeifer

Günter Nooke zeigte sich bei seinem Vortrag als Pragmatiker. Großen Optimismus in Sachen europäisch-afrikanisches Verhältnis zeigt er nicht. Foto: Pfeifer
Günter Nooke zeigte sich bei seinem Vortrag als Pragmatiker. Großen Optimismus in Sachen europäisch-afrikanisches Verhältnis zeigt er nicht. Foto: Pfeifer

Regensburg.Es ist ein äußerst komplexes Thema, das sich der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Günter Nooke als sein Fachgebiet ausgesucht hat. Der 60-jährige studierte Physiker ist seit 2010 der persönliche Afrika-Beauftrage der Bundeskanzlerin. In dieser Funktion lotet er Tag für Tag das schwierige Verhältnis zwischen Deutschland, Europa und den vielfältigen Staaten des afrikanischen Kontinents aus.

Am Freitag kam Nooke auf Anfrage des Alumni-Vereins „Phönix Academiae“ an die Universität Regensburg und brachte Fachwissen, Debatten zu neuesten entwicklungspolitischen Problemen und Einblicke in die Arbeit der Bundeskanzlerin Angela Merkel mit. Anhand wissenschaftlicher Veröffentlichungen sowie persönlicher Meetings und Konferenzen stellte er den europäisch-afrikanischen Beziehungen ein gemischtes Zeugnis aus.

Ausgangspunkt des Vortrags war – wenig verwunderlich – die Migration aus Afrika nach Europa. Diese hochaktuelle Problematik sei mehr denn je Grund, das jahrzehntelang ineffizient laufende Projekt der „Entwicklungshilfe“ zu Grabe zu tragen und stattdessen Wege zu finden, echte Wirtschaftsentwicklung zu fördern. „Für Europa ist das eine Frage von existenziellem Überlebensdenken“, betont Nooke.

Auf Basis unzähliger Studien hält er es nicht für unwahrscheinlich, dass bis 2050 zwischen 100 und 200 Millionen Migranten aus Afrika nach Europa wandern möchten. Zum Teil aufgrund des rapiden Bevölkerungswachstums, aber auch wegen fehlender Sicherheit und fehlender Arbeitsplätze vor Ort. Die einzige Lösung: Man müsse Arbeitsplätze vor Ort schaffen.

Risiko für Europäer

Das große Problem, so fasste Nooke die unzähligen Gespräche mit europäischen Firmen zusammen, sei das unkalkulierbare Risiko in weiten Teilen des Kontinents. Europäische „Entwicklungsprojekte“ hätten versucht, sichere Systeme, verlässliche Institutionen und gute Regierungsführung zu fördern. „Das Problem ist, dass wir nicht sehr erfolgreich waren“, sagt Nooke.

In seinem stark improvisierten Impulsvortrag am Freitag warf er einige Lösungen in den Raum. Chartercities zum Beispiel, nach dem umstrittenen Vorschlag des Wirtschaftsnobelpreisträgers Paul Romer. Oder staatliche Risikoabsicherungen für europäische Firmen, wie es China bereits durchführt. „Aber ich bin nicht der Optimist, wenn es um Afrika geht. Ich sehe da nicht den Chancenkontinent“, sagt er klar in Richtung deutscher Firmen.

Phönix Academiae

  • Verein: 2006 gründeten Uni-Alumni den Verein Phönix Academiae. Die Idee entstand aus der Frankonia-Studentenverbindung heraus. Man wolle „der Universität etwas zurückgeben“, erklärt Vorsitzender und ehemaliger Jurastudent Henning Kahmann.

  • Events: Günter Nooke konnte der Verein über persönliche Beziehungen einladen. Phönix Academiae beteiligt sich zudem am Deutschlandstipendium und sponserte bei Uni-Sommerfesten die Bühne.

Doch gleichzeitg solle man weder alle Staaten über einen Kamm scheren, noch sie unterschätzen. Deutschland habe in Afrika ein hohes Ansehen, erzählt Nooke. Und in regelmäßigen Treffen der Regierungschefs scheue die Bundeskanzlerin nicht vor scharfen Worten zurück. Besonders wenn es um Menschenrechte gehe. „Die Kanzlerin interessiert sich für Afrika, weil sie sich immer für Dinge interessiert, die man nicht so leicht versteht“, gibt Nooke einen Einblick in den tüftlerischen Geist Angela Merkels, „und Afrika versteht man eben nicht so leicht“.

Uneinigkeit ist großes Problem

Doch dann ist da noch Europa. Der Kontinent sei sich selbst nicht einig, wie er mit Afrika umgehen solle, muss Nooke aus seiner täglichen Arbeit feststellen. Die politische Einigkeit zwischen Deutschland und Frankreich ist lange nicht mehr so groß. Und ganz Europa sei auf dem Weg dahin, wieder sein eigenes Süppchen zu kochen.

Zur Veranschaulichung brachte er eine ganz konkrete Begebenheit aus seinem Arbeitsalltag mit. Der mittelafrikanische Staat Kamerun ist bis heute durch die französische Kolonialherrschaft stark zentralstaatlich geprägt. Als die Regierung ein Hafenbauprojekt plante, gewann eine Schweizer Firma die legale Ausschreibung. Frankreich unter Macron habe, so Nooke, daraufhin so deutlichen Druck ausgeübt, dass Kamerun den Vertrag rechtswidrig aufgekündigt habe und an eine französische Firma weitergab.

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