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Amberger kauft Schiff für Seenotretter

Der Unternehmer Benjamin Hartmann hat ein Schiff für „Mission Lifeline“ gekauft. Am Montag rettete die Crew 101 Menschen.
Louisa Knobloch

Der Unternehmer Benjamin Hartmann hat ein neues Rettungsschiff für „Mission Lifeline“ gekauft. Foto: HUMAN BLOOD & Mission Lifeline
Der Unternehmer Benjamin Hartmann hat ein neues Rettungsschiff für „Mission Lifeline“ gekauft. Foto: HUMAN BLOOD & Mission Lifeline

Amberg.Seit Freitagabend sind die Seenotretter der Hilfsorganisation „Mission Lifeline“ wieder auf dem Mittelmeer unterwegs. Ermöglicht hat das ein gebürtiger Amberger: der Unternehmer Benjamin Hartmann (31). Er hat das Schiff gekauft, das nun unter dem Namen „Eleonore“ vor der libyschen Küste unterwegs ist. Nicht einmal die Mitarbeiter von Hartmanns Modelabel „Human Blood“ durften vorab etwas wissen, da das Risiko bestanden habe, dass die Behörden – etwa in Italien – das Schiff am Auslaufen hindern würden.

Am Montag rettete die Crew der „Eleonore“ 101 Menschen aus Seenot. Foto: Johannes Filous/Seacoverage
Am Montag rettete die Crew der „Eleonore“ 101 Menschen aus Seenot. Foto: Johannes Filous/Seacoverage

Wie „Human Blood“ am Montagnachmittag bekanntgab, haben Kapitän Claus-Peter Reisch und sein Team mit der „Eleonore“ 101 Menschen vor dem Ertrinken gerettet. „Nun geht es darum, einen sicheren Hafen in Europa bereitgestellt zu bekommen“, teilte eine Unternehmenssprecherin mit.

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Unter dem Slogan „Human Blood is all one color“ (menschliches Blut hat eine einzige Farbe) setzt sich Hartmanns Modelabel gegen Rassismus, Ausgrenzung und Mobbing ein. Als der Unternehmer vor rund einem Jahr einen Tweet von „Mission Lifeline“ las, dass deren T-Shirts aktuell ausverkauft waren und die Seenotretter zu wenig Zeit hätten, sich darum zu kümmern, sagte er spontan Unterstützung zu. Ende 2018 veröffentlichte das Label dann gemeinsam mit „Mission Lifeline“ zwei Designs. Pro verkauftem Kleidungsstück geht eine Spende an den Verein.

Schiff bietet Platz für 100 Menschen

Unternehmer Benjamin Hartmann und Axel Steier, Vorsitzender von „Mission Lifeline e.V.“ an Bord des Schiffs. Foto: HUMAN BLOOD & Mission Lifeline
Unternehmer Benjamin Hartmann und Axel Steier, Vorsitzender von „Mission Lifeline e.V.“ an Bord des Schiffs. Foto: HUMAN BLOOD & Mission Lifeline

Der Kontakt sei dann intensiver geworden und er habe überlegt, wie er mehr helfen könne, sagt Hartmann im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Da die „Lifeline“, das Schiff des Vereins, im Sommer 2018 von den maltesischen Behörden beschlagnahmt worden war, entstand so die Idee, ein neues Schiff für „Mission Lifeline“ zu kaufen. In die „Eleonore“, ein ehemaliges Fischereiboot von 1961, hat Hartmann einen sechsstelligen Betrag investiert – unter anderem für eine Satellitenanlage und ein Bordkrankenhaus. Einen genauen Betrag möchte er nicht nennen. Das rund 20 Meter lange Boot kann etwa 100 Menschen aufnehmen.

Tote im Mittelmeer

  • 2019:

    Nach einem der schwersten Bootsunglücke dieses Jahres werden seit Donnerstag wohl mehr als 150 Geflüchtete vermisst. Das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten. Beim Versuch, es zu überqueren, kamen 2019 nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration bereits mehr als 680 Menschen ums Leben. Mehr als 3700 seien aufgegriffen und in Internierungslager in Libyen gebracht worden.

  • Dunkelziffer:

    Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer verweist darauf, dass wohl eine große Zahl der Toten im Mittelmeer von keiner offiziellen Statistik erfasst werden. Indiz sind für ihn die Vielzahl der Boote in Seenot, die bei Rettungseinsätzen entdeckt werden. „Niemand traut sich an die Dunkelziffer“, sagt der Regensburger. „Alle schütteln mit dem Kopf. Aber dass die Dunkelziffer hoch ist, weiß jeder. Das leugnet auch niemand.“

Die Reaktionen auf den am Wochenende öffentlich gewordenen Schiffskauf seien hauptsächlich positiv gewesen, berichtet Hartmann. Natürlich gebe es in den sozialen Netzwerken auch negative Kommentare. Der Unternehmer weist Kritik zurück, dass die Seenotretter quasi als Schlepper fungierten. „Die Flüchtlinge fahren aufs Mittelmeer – ob da nun Seenotretter sind oder nicht“, sagt er. Man könne genauso gut sagen: Wenn man keine Feuerwehr hat, brennt es auch nicht.

„Politik verschließt die Augen“

Michael Buschheuer ist der Gründer der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Michael Buschheuer ist der Gründer der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Ein weiterer Unternehmer aus der Region, der sich seit langem in der Seenotrettung einsetzt, ist Michael Buschheuer, Gründer von „Sea Eye“. Er begrüßt Hartmanns Engagement. „Es freut mich, wenn nicht nur Einzelpersonen und große Organisationen Verantwortung übernehmen, sondern auch Unternehmen.“ Allerdings würden viele Unternehmer davor zurückschrecken – aus Sorge davor, wie Mitarbeiter oder Kunden auf ein solches Engagement reagieren würden. Wobei Buschheuer betont, dass die Seenotretter ihr Handeln nicht als politisches Engagement verstehen würden – „es ist schlicht humanistisch“. Hartmann sieht keine negativen Auswirkungen durch sein Handeln: „Unser Modelabel richtet sich gegen Rassismus. Menschen, die Seenotrettung ablehnen, sind ohnehin nicht unsere Zielgruppe und kaufen nicht bei uns.“ Er verweist zudem auf den zunehmenden Fachkräftemangel in Europa. Die Migranten aus Afrika seien zwar zumeist ungelernt, könnten hier aber Ausbildung und Arbeit finden, ist er überzeugt.

„Ich finde es wichtig, dass Unternehmen helfen, wenn die Politik schon die Augen verschließt“, sagt Hartmann. Sollte sich auf europäischer Ebene nichts tun, kann er sich sogar vorstellen, im kommenden Jahr ein eigenes Seenotrettungsschiff zu starten.

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