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Verkehr

Anschub für S-Bahn-Netz in der Region

Fünf Landräte und die Regensburger Bürgermeisterin wenden sich an den Freistaat. Ihr Wunsch: Züge im 30-Minuten-Takt
von Christine Straßer

Kommunale Spitzenpolitiker fordern, dass rund um Regensburg ein S-Bahn-Netz entsteht. Foto: Deutsche Bahn AG/Waltraud Weber
Kommunale Spitzenpolitiker fordern, dass rund um Regensburg ein S-Bahn-Netz entsteht. Foto: Deutsche Bahn AG/Waltraud Weber

Wiesent.Der Schienenverkehr im Großraum Regensburg soll gestärkt werden. Ein 30-Minuten-Takt auf den fünf Strecken im Zulauf auf Regensburg, bis zu 16 Stunden jeden Tag – das schwebt den Landräten der Landkreise Regensburg, Schwandorf, Neumarkt, Kelheim und Cham sowie der Bürgermeisterin der Stadt Regensburg vor. Am Dienstag haben sie bei einer Tagung im Himalaya Pavillon in Wiesent (Lkr. Regensburg) eine Erklärung unterzeichnet, in der sie sich für einen „S-Bahn-ähnlichen Betrieb“ aussprechen. Damit liegt der Ball nun bei Bayerns Staatsministerin für Wohnen, Bauen und Verkehr, Ilse Aigner, und Finanzminister Albert Füracker.

Die Wünsche für den Ausbau des Schienenpersonennahverkehrs, der den rund 730 000 Menschen, die im Großraum leben, den Umstieg von der Straße auf die Schiene schmackhafter machen soll, sind umfangreich. Auf den fünf Strecken Regensburg-Neumarkt-Nürnberg, Hof-Schwandorf-Regensburg, Schwandorf-Regensburg, Regensburg-Landshut-München, Regensburg-Plattling-Passau und Regensburg-Ingolstadt-Ulm sollen alle halbe Stunde Züge verkehren, die alle Unterwegshalte besser anbinden. Die Umsteigesituation auf die Busverkehre im Zubringerdienst soll so gleichzeitig verbessert werden. Auf der Strecke Regensburg-Neumarkt-Nürnberg wird zudem in der Hauptverkehrszeit ein 20-Minuten-Takt angestrebt. Ein 30-Minuten-Takt von Regensburg nach Schwandorf soll im Ein-Stunden-Takt gar bis Furth im Wald verlängert werden. Taktlücken für Maxhütte und Regenstauf in Richtung Regensburg, die sich im Dezember 2017 auftaten, sollen beseitigt werden. Gefordert werden außerdem schnelle Verbindungen ab Regensburg nach München und zum Flughafen. Das Ziel sei eine Fahrzeit von möglichst nicht mehr als einer Stunde, was durch einen Infrastrukturausbau gelingen soll. Angeregt wird auch ein Wiederanschluss der Bahn nach Kelheim.

Großbaustellen auf Autobahnen

Fünf Landräte und die Regensburger Bürgermeisterin machen sich für den Ausbau des Schienenpersonennahverkehrs stark. Foto: Straßer
Fünf Landräte und die Regensburger Bürgermeisterin machen sich für den Ausbau des Schienenpersonennahverkehrs stark. Foto: Straßer

Die hochrangigen Kommunalpolitiker verweisen auf das Bevölkerungswachstum, das erhöhte Verkehrsaufkommen und die Auswirkungen der Verkehrsstörungen durch den noch Jahre dauernden Ausbau der A3 sowie die anstehende Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels. Der Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn sei auch für die Einhaltung der europäischen Grenzwerte für Schadstoffe und damit für die Luftreinhaltung und den Klimaschutz wichtig, wie die fünf Landräte und die Regensburger Bürgermeisterin betonen. Sie bitten außerdem darum, die Reaktivierung der Schienenstrecke Burglengenfeld-Maxhütte-Haidhof sowie die betriebliche Machbarkeit einer Bedienung des Abschnittes Langquaid-Eggmühl zu prüfen.

Die Schiene stärken

  • Sechs Unterstützer:

    Die Landräte von Cham, Kelheim, Neumarkt, Regensburg und Schwandorf sowie die Regensburger Bürgermeisterin (Foto: Straßer) fordern den Ausbau des Schienenpersonennahverkehrs im Großraum Regensburg.

  • Kosten:

    Die kommunalen Spitzenpolitiker betonten, dass es sich um eine Bedarfsanmeldung handelt. Nun sei es Sache der Staatsregierung die Kosten zu prüfen und zu entscheiden, wie viele der zur Verfügung stehenden Mittel in den Großraum Regensburg fließen. Nicht alles müsse in München und Nürnberg investiert werden.

Attraktive Lebensräume

Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger und Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer gaben sich zuversichtlich, dass der gemeinsame Aufschlag Wirkung entfalten werde. Willibald Gailler, Landrat von Neumarkt, und Thomas Ebeling, Landrat von Schwandorf, erhoffen sich Entlastung für die Pendlerströme auf der Straße. Der Kelheimer Landrat, Martin Neumeyer, merkte an, dass er für viele Bewohner seines Landkreises gerade abends derzeit schwierig sei, mit dem Zug nach Regensburg zu fahren. Der Chamer Landrat, Franz Löffler, betonte, dass es darum gehe attraktive Lebensräume zu schaffen. Dass Menschen 100 Kilometer vom Wohnort zur Arbeit pendeln, sei heutzutage eine Realität, der man sich stellen müsse.

Stößt das Anliegen der Landräte beim Freistaat auf Zustimmung, sollen spätestens ab 2024 die ersten S-Bahn-Züge fahren. Sie gaben sich aber auch zuversichtlich, dass einige Verbesserungen vielleicht schon in drei bis vier Jahren umgesetzt werden können.

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  • FH
    Franz Huber
    04.07.2018 14:35

    Die Forderung einer Regio-S-Bahn in einer nicht unbedeutenden Region (Großraum Regensburg mit seinen angrenzenden Landkreisen in der Mitte Bayerns), ist jetzt zur Bewältigung des Regional-verkehrs und der Pendlerströme auf der Schiene zur Entlastung der Straße dringend geboten. Sie kommt leider reichlich spät. Der Großbaustellenbetrieb auf der A3 und der A93 im Großraum Regensburg wird noch viele Jahre lang die jetzt schon prekäre Lage auf der Straße zusätzlich verschärfen. Hoffentlich fällt die formulierte Erklärung und Bedarfsanmeldung der sechs Landräte und der Regensburger Oberbürgermeisterin bei ihrem Treffen, für ein Regio-S-Bahn-Netz beim bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bauen und Verkehr, sowie dem Finanzministerium auf fruchtbaren Boden. Attraktiv gestalteter Bahnverkehr (Takt, Haltestellen, Zugmaterial) ist eine echte Alternative für viele Betroffene, berufsbedingt, zum Auto (Zweitwagen). Die Einhaltung der Klima-ziele und der Schadstoffgrenzwerte erfordert zudem ohnehin ein Umdenken bei unserem Mobilitäts-verhalten. Ein untätiges, weiteres Abwarten und Aussitzen beim Schienenverkehr, auch beim Güter-verkehr, sollte sich deshalb verbieten und wäre fatalerweise eine „Alternative für Dauerstau“ (AfD) auf der Straße. Vorausschauende Forderungen und Stimmen zur Verknüpfung der Regionen (länd-licher Raum und Ballungszentren, wurden vor zehn Jahren leider noch als unrealistische, phantastische Träume bewertet und ignoriert. Eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur für alle Verkehrsteilnehmer ist in unserer prosperierenden, arbeitsteiligen Volkswirtschaft unverzichtbar.

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