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Prozess

„Antisemit“: Naidoo zieht vor Gericht

Der Soulsänger zieht mit einer Klage vor das Regensburger Landgericht. Es geht um die Äußerung einer kritischen Referentin.
Von Marion von Boeselager

Xavier Naidoo zieht vor das Landgericht Regensburg. Foto: Uli Deck/dpa
Xavier Naidoo zieht vor das Landgericht Regensburg. Foto: Uli Deck/dpa

Regensburg.Der deutsche Soul- und R & B Sänger Xavier Naidoo gerät seit Jahren nicht nur durch seine musikalischen Erfolge, sondern auch wegen umstrittener Songtexte und Interview-Äußerungen regelmäßig in die Schlagzeilen. Der Vorwurf der Kritiker: Der Künstler verbreite Verschwörungstheorien, seine Liedtexte seien teilweise antisemitisch und rechtspopulistisch.

Am kommenden Dienstag zieht der Künstler mit einer Unterlassungsklage gegen kritische Äußerungen der Referentin eines Vortrags in Straubing vor das Landgericht Regensburg. Eine Bildungsreferentin der Berliner Amadeu-Antonio-Stiftung hatte vergangenen Sommer im Theater am Hagen in Straubing Vertreter zahlreicher Ämter und Behörden über sogenannte „Reichsbürger“ informiert. Anlass der Einladung war der Auftritt von Xavier Naidoo beim Straubinger Bluetone-Festival.

Update: Der Musiker Xavier Naidoo kam persönlich zum Gerichtstermin in Regensburg.

Beklagte verweist auf Meinungsfreiheit

Auf eine explizite Publikumsnachfrage, wie die Referentin Naidoo einstufe, soll sie geantwortet haben: „Ich würde ihn zu den Souveränisten zählen, mit einem Bein bei den Reichsbürgern. Er ist Antisemit, das darf ich, glaube ich, aber gar nicht so offen sagten, weil er gerne verklagt. Aber das ist strukturell nachweisbar“ – so das in einer lokalen Tageszeitung veröffentlichte Zitat.

Naidoo möchte mit seiner Klage nun die künftige Unterlassung dieser Äußerung gerichtlich erwirken. Die beklagte Referentin vertritt dagegen den Standpunkt, die Bezeichnung des Sängers als „Antisemit“ sei lediglich eine Meinungsäußerung und von der Meinungsfreiheit gedeckt, teilte die Pressestelle des Landgerichts auf Nachfrage mit.

Demonstranten bei Schlossfestspiele-Auftritt

Xavier Naidoo ist Gründungsmitglied der Musikgruppe „Söhne Mannheims“ und erreichte mit mehreren Soloalben Platz eins der deutschen Charts. Sein Debütalbum „Nicht von dieser Welt“ verzeichnete über eine Million verkaufte Exemplare. In seinem 2009 veröffentlichten vierten Soloalbum propagierte Naidoo unter anderem Verschwörungstheorien zum 11. September 2001. So heißt es dort: „9/11, London und Madrid, jeder weiß, dass Al-Quaida nur die CIA ist…“

Nach dem Auftritt des Sängers bei den Thurn und Taxis Schlossfestspielen 2015 protestierten vor dem Schloss 100 Demonstranten gegen seinen Auftritt.

Nach Protesten und Kritik in den Medien sagte Naidoo 2016 seine Teilnahme am European Song Contest für Deutschland ab.

Im April 2017 veröffentlichte Naidoo mit den Söhnen Mannheims das Lied „Marionetten“, dessen Text in den Medien teilweise als antisemitisch, rechtspopulistisch und verschwörungstheoretisch wahrgenommen wurde. Die Stadt Mannheim distanzierte sich nach der Veröffentlichung von der Musikgruppe.

Ziel der Amadeu-Antonio-Stiftung ist die Stärkung einer demokratischen Zivilgesellschaft, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Bereits 2015 kam es zwischen Naidoo und der Stiftung zu einem gerichtlichen Vergleich, heißt es auf „wikipedia“. Danach können Textstellen des Songs „Raus aus dem Reichstag“ aus dem Jahr 2009 als antisemitisch verstanden werden. Naidoo „als Person“ dürfe von der Stiftung jedoch nicht als Antisemit eingestuft werden.

Ob der Sänger am Dienstag persönlich zu der Verhandlung erscheint, ist nicht bekannt.

Wir berichten regelmäßig aus den Regensburger Gerichtssälen. Hier geht es zum Spezial!


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