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Pferderennen

Auch Frankreich wettet in Straubing

Zum Gäubodenfest gibt es wieder Trabrennen. Die kleine Bahn in Ostbayern kann sich behaupten - dank eines großen Partners.
Von Jan-Lennart Loeffler

Um eine Länge vorne: Die Stute Misses Ferrari brachte am Mittwoch im dritten Rennen einen langersehnten Sieg für Josef Eder. Am Freitag stehen wieder sechs Starts auf der Straubinger Bahn auf dem Programm. Foto: Loeffler
Um eine Länge vorne: Die Stute Misses Ferrari brachte am Mittwoch im dritten Rennen einen langersehnten Sieg für Josef Eder. Am Freitag stehen wieder sechs Starts auf der Straubinger Bahn auf dem Programm. Foto: Loeffler

Straubing.Für Christian Wolf aus Sünching ist die Sache klar: Er hat Otto Cash und Uncle Bens Diamant auf seinem Tippschein. Sie sind zwei von zehn Startern, die im dritten Rennen des Tages auf der Trabrennbahn in Straubing um den Sieg laufen. Ob die beiden Pferde dem 57-Jährigen zum großen Wettglück verhelfen, wird sich nach etwas mehr als zwei Runden auf der breiten Sandbahn zeigen. Sobald alle Fahrer mit ihren Sulkys in Position sind, braust das Startfahrzeug davon und das Rennen ist gestartet. In knapp zweieinhalb Minuten wird der Sieger feststehen.

Vor dem Start zum Tippschalter: Christian Wolf hofft auf das Wettglück. Foto: lj
Vor dem Start zum Tippschalter: Christian Wolf hofft auf das Wettglück. Foto: lj

Auf der Innenbahn fährt die Rennleitung mit. Der weiße Kastenwagen bleibt immer auf Höhe mit dem Führenden. Drei Augenpaare wachen darüber, dass kein Fahrer den anderen behindert oder gefährdet und dass auf der Bahn alles ordnungsgemäß zugeht. Besonders im Blick ist beim Trabrennen naturgemäß die Gangart: „Bis zu fünfzehn Galoppsprünge sind erlaubt,“, erklärt Helmut Biendl, der Vorsitzende der Rennleitung. Bei mehr muss er einschreiten.

Rennkommentar auf Französisch

„Disqualifikation rot“, erschallt dann über den Lautsprecher des Begleitfahrzeugs und der Fahrer ist aus dem Rennen. Wenn das Pferd unrein läuft oder im Passgang ist, dann ist ebenfalls Schluss: „Disqualifikation blau“ ist dann auf der Bahn zu hören. Bei unklaren Situationen werfen Biendl und seine Kollegen einen Blick auf den Rennfilm. Zwei Kameras filmen jedes Rennen.

Ein Video von der Straubinger Rennbahn sehen Sie hier:

Auf der Trabrennbahn in Straubing

Alles im Blick hat auch Ernst Waldsperger vom dritten Stock des Rennbahnturms aus. Waldsperger kommentiert für die Besucher den Rennverlauf. Wenn es für Laien schwierig ist, das Feld mit den bis zu zwölf Startern zu überblicken, bleibt der 66-Jährige gelassen. Schließlich kommentiert der ehemalige Fahrer schon seit über 25 Jahren. Er hat auch ein Gespür für den Rennverlauf auf dem 900 Meter langen Oval. Wer am Ende vorne liegt, kann er meist schon etwas früher abschätzen. „Auf der Gegenseite werden die Rennen freier und schneller gefahren, da trennt sich die Spreu vom Weizen“, erzählt Waldsperger.

Mit Fernglas, Mikrofon und viel Erfahrung: Ernst Waldsperger kommentiert die Straubinger Rennen bereits seit über 25 Jahren. Foto: lj
Mit Fernglas, Mikrofon und viel Erfahrung: Ernst Waldsperger kommentiert die Straubinger Rennen bereits seit über 25 Jahren. Foto: lj

Einen Stock tiefer wird das Rennen ebenfalls kommentiert – auf Französisch. Dort sitzt Melanie Bäumel-Schachtner und spricht den Kommentar für die PMU. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich die große französische Wettgesellschaft, die mit Pferdewetten weltweit für einen Milliardenumsatz sorgt. Pferdewetten ist in Frankreich ein beliebter Zeitvertreib, ob nach Feierabend oder in der Mittagspause. In einem der vielen Cafés oder Bars mit dem grünen PMU-Schild, die im Nachbarland allgegenwärtig sind, können die Franzosen auch auf die Rennen in Straubing – die dort live übertragen werden – wetten.

Wie sieht es auf der Trabrennbahn Straubing aus? Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie:

Straubing: Hinter den Kulissen beim Trabrennen

Seit drei Jahren sind die Franzosen in Straubing mit im Boot – und treiben den Wettumsatz der dortigen Rennen in die Höhe. Das ist auch bitter nötig, denn ohne Pferdewetten würde schlichtweg das Geld für den Rennsport hierzulande fehlen. Und der Trabrennsport hat auch in Straubing schon einmal bessere Zeiten erlebt. „In den Neunzigerjahren hatten wir rund 50 Renntage“, erzählt Josef Schachtner, der Vorsitzende des Straubinger Rennvereins, unter dessen Regie die Rennen laufen. „Heute ist unser Ziel, 15 bis 17 Renntage zu veranstalten.“ Immerhin hat die Bahn überlebt. In Bayern finden sonst nur in München-Daglfing regelmäßig Rennen statt. Das niederbayerische Pfarrkirchen richtet an Pfingsten zwei Renntage aus, in Dingolfing gibt es Trabrennen zum Kirchweihfest im Herbst.

Wettumsätze sichern den Sport

Andere Bahnen in Mühldorf am Inn und Pfaffenhofen gingen durch Insolvenzen gänzlich verloren. Auch Straubing entging diesem Schicksal nur knapp. Der Rennverein war nach der Jahrtausendwende verschuldet. Durch Grundstückverkäufe konnte man wieder Geld in die Kasse bringen. „In den ersten sieben Jahren als Vorsitzender hatte ich viele schlaflose Nächte“, erzählt Schachtner, der seit 2008 dem Verein vorsteht. Durch die Kooperation mit der PMU kann er nun besser schlafen: „Mit den Franzosen macht das richtig Spaß.“

Volksfest

Das gibt’s beim Gäubodenfest

Die bunte Erlebniswelt in Straubing dauert vom 9. bis 19. August. Neu sind unter anderem herausfordernde Fahrgeschäfte.

Für das vergangene Jahr konnte der Vereinsvorsitzende den Mitgliedern sogar wieder einen positiven Jahresabschluss präsentieren. Einen festangestellten Platzwart beschäftigt der Verein, der ein Jahresbudget von rund einer Million Euro hat. Der kümmert sich das Jahr über um die Sandbahn, die außer für die Rennen noch zum regelmäßigen Training von den Fahrern aus Straubing und Umgebung genutzt wird. An Renntagen sind es rund 40 Personen, von der Rennleitung bis zum Tierarzt, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Die Zukunft ist ungewiss. „Wir sind nicht über den Berg“, sagt Schachtner. „Das ist ein zartes Pflänzchen, das jetzt wachsen muss.“ Seine Bilanz des Renntags ist positiv: Der Wettumsatz war gut, fast eine Dreiviertelmillion. Für Otto Cash und Uncle Bens Diamant hat es an diesem Mittwoch allerdings nicht zum Sieg gereicht. Am Freitag, 16. August, sind die nächsten Rennen. Der erste Start ist um 11.55 Uhr.

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