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Angeschaut

Aus der Oberpfalz nach Cannes

Die Ortschaft Seebarn war Drehkulisse für „Die Protokollantin“. Jetzt ist die Produktion für einen Preis nominiert.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Iris Berben und Moritz Bleibtreu drehten auf dem Friedhof in Seebarn eine Schlüsselszene in der Krimiserie.Foto: Archiv/Stöcker-Gietl
Iris Berben und Moritz Bleibtreu drehten auf dem Friedhof in Seebarn eine Schlüsselszene in der Krimiserie.Foto: Archiv/Stöcker-Gietl

Neunburg vorm Wald.Die Nachricht verschlägt selbst Bürgermeister Martin Birner für einen kurzen Moment die Sprache. Die Krimi-Serie „Die Protokollantin“, die im vergangenen Sommer in Teilen im Dorf Seebarn nahe Neunburg vorm Wald gedreht wurde, ist für einen Preis beim TV-Festival in Cannes nominiert. Dort wird der Mehrteiler mit Iris Berben, Moritz Bleibtreu und Peter Kurth in den Hauptrollen Anfang April auch zum ersten Mal zu sehen sein. „Eine bessere Werbung als über eine solche Filmproduktion gibt es ja überhaupt nicht“, sagte Birner, der am Dienstagnachmittag von der Nachricht überrascht wurde. „Die Protokollantin“ ist die einzige deutsche Produktion, die in Südfrankreich gezeigt wird.

Das „Cannes International Series Festival“ findet in diesem Jahr zum ersten Mal statt. Hintergrund ist, dass das Genre der Serien boomt. Immer mehr Produktionen erreichen Kino-Niveau, auch immer mehr Filmstars greifen bei guten Serienangeboten zu – George Clooney, Nicole Kidman oder Anthony Hopkins etwa. Moritz Bleibtreu sagte bei der Vorstellung von „Die Protokollantin“, dass Serien wie „Breaking Bad“ für ein Umdenken gesorgt haben. „Das war der Startschuss für alles.“ Auch er selbst, der sich eher aus Fernsehformaten fernhält, finde plötzlich Gefallen daran. „Toll an den neuen Serien ist, dass die Figuren aus sich selbst agieren dürfen.“

Aus 130 Serien ausgewählt

Die internationale Jury des Festivals lobt den deutschen Beitrag als „hochwertig sowie spannend“. Der künstlerische Leiter des Festivals, Albin Lewin, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich bin mir sicher, dass ‚Die Protokollantin‘, aber auch die anderen nominierten Serien ihren Weg ins internationale Fernsehprogramm finden werden.“ Rund 130 aktuelle Serien aus 30 Ländern waren in der Auswahl, neun Mehrteiler werden von 9. bis 12. April in Cannes zu sehen sein.

Damit erhält die Filmproduktion, die in Berlin und Neunburg vorm Wald gedreht wurde, auch für die Laiendarsteller aus der Oberpfalz noch einmal eine völlig neue Qualität.

Bilder vom Filmdreh sehen Sie hier:

Dreharbeiten in Seebarn

Bei über 30 Grad hatten sich im August 2017 die Musiker der Blaskapelle Seebarn in dicken Wolljankern zum Trauerzug versammelt, geleitet vom Neunburger Pfarrer Stefan Wagner, für den es ebenfalls die erste Filmrolle war. Auch Ministranten und Sargträger – allesamt erfahren in ihren Aufgaben, aber unerfahren vor der Kamera, unterstützten das Team nach Leibeskräften – und wie man nun weiß – mit Erfolg. Den größten Beitrag leisteten allerdings Marianne und Josef Hösl. Sie räumten sogar ihr altes Bauernhaus, um dort Dreharbeiten zu ermöglichen. In der Serie ist es der Ort, an dem die verstorbene Mutter der Protokollantin, die von Iris Berben gespielt wird, lebte. Dem schmucken Häuschen verliehen die Kulissenbauer einen morbiden Charme. Josef Hösl war damals entsetzt. „Schwarz ham’s es angemalt“, schimpfte er. Aber dann freute er sich doch, dass ein so prominenter Gast zu ihm nach Hause kam und in seiner Stube drehte.

#dieProtokollantin von Nina Grosse läuft bei @canneseries !

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Berben ahnte schon den Erfolg

Die Hösls räumten ihr Bauernhaus für die Dreharbeiten. Foto: Archiv/Stöcker-Gietl
Die Hösls räumten ihr Bauernhaus für die Dreharbeiten. Foto: Archiv/Stöcker-Gietl

„Das war schon ein Erlebnis“, so erzählte man sich noch wochenlang im Dorf. Schließlich waren die Crew und allen voran die Schauspieler Stars zum Anfassen. Zum Eintrag ins Goldene Buch hatte Bürgermeister Birner der 60-köpfigen Crew Leberkäs spendiert und man kam mit den Gästen sofort ins Gespräch, erinnert sich Birner.

Iris Berben bedankte sich vor ihrer Abreise für die herzliche Gastfreundschaft. „Ich habe mich sehr wohl gefühlt.“ Schon damals war sie auch überzeugt, dass „Die Protokollantin“ ein Erfolg werden könnte. „Das sind mit die klügsten Drehbücher, die ich seit langem gelesen habe.“ Wann die fünfteilige Krimiserie, die von Berbens Sohn Oliver produziert wird, im ZDF zu sehen sein wird, ist noch offen. Fest steht allerdings, dass das Krimiformat den Samstagabendplatz füllen wird.

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