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Agrar

Bauern-Demo sorgt für verstopfte Straßen

Heute machen tausende Landwirte gegen die Agrarpolitik mobil. Auch in Nürnberg gibt es eine „Schleppersternfahrt“.

Bauern demonstrieren mit ihren Traktoren. Foto: David Young/dpa
Bauern demonstrieren mit ihren Traktoren. Foto: David Young/dpa

Nürnberg.Die bundesweiten Bauernproteste mit mehreren hundert Traktoren zum Auftakt der Grünen Woche sind am Freitagmorgen angelaufen. Auf zahlreichen Bundesstraßen versammelten sich Treckerfahrer zu Sternfahrten nach Berlin und andere größere Städte. Pendler müssen sich auf Verkehrsbehinderungen einstellen. Umfangreiche Aktionen der Landwirte zur Grünen Woche sind in Bayern, Niedersachsen, Bremen, Baden-Württemberg, Berlin und Hessen geplant.

Zu den Protesten aufgerufen hat die Bauern-Initiative „Land schafft Verbindung“. Die Landwirte demonstrieren für die Interessen der Agrarbetriebe und gegen aus ihrer Sicht zu harte Umweltschutzvorgaben.

Landwirte: Neue Düngeverordnung sorgt für höhere CO2-Freisetzung

In Bayern wurde eine Schleppersternfahrt nach Nürnberg organisiert. Die Organisatoren der Initiative „Land schafft Verbindung“ erwarten bis zu 10000 Teilnehmer und 5000 Traktoren, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte.

Die Demonstration dürfte den Straßenverkehr in Nürnberg in großen Teilen lahmlegen. Ab etwa 9.30 Uhr rechnet die Polizei mit verstopften Straßen durch die zu einer Demo im Zentrum hereinfahrenden Traktoren, wie ein Sprecher am Freitag sagte.

Agrarpolitik

Traktoren rollten zur Demo in Nürnberg

Eine der Sammelstellen war in Unterferrieden bei Burgthann. Die Landwirte wollen endlich gehört werden.

Bereits seit den frühen Morgenstunden rollen die Traktoren Richtung Nürnberg, wie ein Sprecher der Organisatoren von der Initiative „Land schafft Verbindung“ am Freitag sagte. Auf der Bundesstraße 470 bei Würzburg rollten am Morgen bereits Hunderte Landmaschinen in Richtung der Frankenmetropole.

Polizei begleitet die Aktion

Um die zügige Durchfahrt der Traktoren ins Zentrum von Nürnberg zu gewährleisten, würde die Kolonne von der Polizei begleitet, wie ein Sprecher des Präsidiums Mittelfranken am Freitag sagte. Auch wenn keine Straßen gesperrt würden, könne es de facto dazu kommen, dass es außer für Traktoren kein Durchkommen mehr gebe.

Bei der Kundgebung am Nürnberger Volksfestplatz wird unter anderem Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zu den Bauern sprechen.

Die Landwirte kritisieren unter anderem die geplante Verschärfung der Düngeverordnung und Auswirkungen des Insektenschutzes. Eine pauschale Unterversorgung von Pflanzen führe zu Humusabbau und letztlich höherer CO2-Freisetzung, hieß es in einer Mitteilung der Protestbewegung. Die Landwirtschaft dürfe nicht mehr länger billiger Rohstofflieferant der Lebensmittelindustrie sein. Die Ausrichtung der Produktion auf Weltmarktpreise habe in Europa keine Zukunft.

Bauern-Protest

Neumarkter bei Sternfahrt nach Berlin

Nicht jeder kann seinen Hof und die Kühe einfach allein lassen. Landwirt Herbert Haschke tut das, was viele gerne tun würden.

Proteste in sechs Bundesländern

In Dresden sind seit etwa 5 Uhr rund 1000 Traktoren in der Stadt unterwegs. Die Fahrer brachen von vier Sammelpunkten aus in Richtung der Staatskanzlei auf, wie die Polizei in der Landeshauptstadt mitteilte. In den Morgenstunden haben auch in Niedersachsen die Proteste begonnen – Traktoren sind auf dem Weg zu Demonstrationen in Hannover und Bremen. Allein zu der Kundgebung in Hannover werden mehr als 2500 Landwirte mit ihren Fahrzeugen erwartet.

In Berlin sollen zum Auftakt der Agrar- und Verbrauchermesse Hunderte Traktoren durch die Hauptstadt rollen. Die Polizei erwartete wegen der mit 500 Treckern angemeldeten Sternfahrt ab den Morgenstunden Staus und am späten Vormittag große Behinderungen.

In Stuttgart sind 1000 Landwirte zu einer Sternfahrt angemeldet. In Nürnberg erwarten die Veranstalter bis zu 10000 Teilnehmer. In Rheinhessen wollten sich nach Angaben der Organisatoren 1000 bis 2000 Fahrzeuge an einer Traktorenkette beteiligen. Proteste sind zudem in Kiel, Schwerin, Rostock, Magdeburg und Halle angekündigt.

Grünen-Chef Habeck: „Die Bauern leiden“

Die Landwirte kritisieren unter anderem die geplante Verschärfung der Düngeverordnung. Der Protest richtet sich gegen das Agrarpaket der Bundesregierung, das etwa ein staatliches Tierwohl-Label und ein Aktionsprogramm Insektenschutz mit Einschränkungen beim Pestizide-Einsatz vorsieht. Die Landwirtschaft dürfe nicht mehr länger billiger Rohstofflieferant der Lebensmittelindustrie sein.

Grünen-Chef Robert Habeck äußerte Verständnis für die Proteste gegen die Agrarpolitik. „Die Bauern und Bäuerinnen leiden selbst unter dem System“, sagte Habeck dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag). „Die Förderpolitik der EU und die Exportorientierung der Wirtschaft setzen darauf, dass sie immer mehr zu immer kleineren Preisen produzieren. Da schmälert jede neue Verordnung die Einnahmen, mit der sie ihre Familien ernähren oder Schulden begleichen müssen.“ Die Landwirte würden zerrieben: „Aber die Antwort, weniger Klima- oder Tierschutz, wäre falsch.“ Landwirte seien wichtige Partner für eine Reform des Agrarsystems. Habeck warnte vor „moralischer Überheblichkeit gegenüber den Bauern“.

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