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Bavaria liest die Leviten am Nockherberg

Die Kabarettistin Luise Kinseher liest als Fastenpredigerin auf dem Nockherberg der CSU die Leviten und tröstet die SPD.
von Christine Schröpf, MZ

  • Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU, r.) und der Schauspieler Wolfgang Krebs als sein Double
  • Der Schauspieler Stefan Murr als Karl-Theodor zu Guttenberg und die Schauspielerin Stephanie Berger als Stephanie zu Guttenberg beim Singspiel
  • Die Kabarettistin Luise Kinseher als Bavaria predigt am Mittwoch in München beim traditionellen „Politiker-Derblecken“ auf dem Münchner Nockherberg.
  • Die Kabarettistin Luise Kinseher als Bavaria predigt am Mittwoch in München beim traditionellen „Politiker-Derblecken“ auf dem Münchner Nockherberg.

München.Die Politiker waren gewarnt: Die erste Frau auf dem Nockherberg hatte angekündigt, was von ihr als neuer Fastenrednerin zu erwarten ist. In einem BR-Werbespot für die Live-Übertragung säuselte Luise Kinseher über den Charme der Frauen, die jede Kritik so nett verpacken, dass niemand bös‘ sein kann. Sprach’s und zerhackte dann hinterfotzig das Würstchen vor ihr in zwei Teile. Im Vorjahr hatte Kinseher als strenge, aber ob der Lage im Land leicht depressive „Mama Bavaria“ Proben ihrer Scharfzüngigkeit geliefert. „Es wird hart“, raunte es durch die CSU-Fraktion. Ministerpräsident Horst Seehofer zeigte sein Pokergesicht. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt bekannte, dass er sich für seine Partei selbst manchmal eine strenge Bavaria wünsche.

Guttenberg blieb fern

Die große Garde der Politik war am Mittwoch auf den Nockherberg gepilgert. Bundesminister, Seehofer samt Kabinett, Bayerns SPD-Chef Florian Pronold, Hubert Aiwanger von den Freien Wählern. In ist, wer drin ist: Als ostbayerische Vertreter gesichtet wurden Europaministerin Emilia Müller, Staatssekretär Markus Sackmann, Regensburgs OB Hans Schaidinger und der FDP-Bundestagsabgeordnete Horst Meierhofer, der zwischen der grünen Parteichefin Claudia Roth und SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles platziert worden war – und in der rot-gelben Nachbarschaft verschmitzt aus der Wäsche blickte. Die alten CSU-Granden Günther Beckstein und Erwin Huber fehlten, ebenso der gefallene Star Karl-Theodor zu Guttenberg.

Als Nervennahrung hatte Paulaner Fleischpflanzerln, Obazda und Minisalamis serviert. Doch all zu starke Nerven waren bei Kinsehers Nockherberg-Debut nicht nötig. Die strenge Mama zeigte Milde, ließ das Hackebeil stecken – gemessen an der Predigt 2010 des „Barnabas“ Michael Lerchenberg. Themen: Schwarz-Gelbe Atomwende, Guttenberg, Kronprinzen-Gerangel in der CSU, die desolate Lage der SPD, Kapriolen der Freien Wähler, BayernLB-Affäre und Olympia.

Genüsslich derbleckte Bavaria die CSU, die ihre Politiker so gar nicht nach ihren Talenten einsetze. „Keiner macht was, für das er genetisch vorgesehen ist.“ Die leicht herzlose „Bixlmadam“ Christine Haderthauer, ausgestattet mit dem Blaulichtgen („Immer mit dem Lallülalla ganz nach vorn“) und mit zwei Zwirbeldrüsen für Machtwillen, gäbe einen besseren Innenminister ab. Joachim Herrmann (Typ: „freundlicher Kontaktbulle für ältere Damen“) wäre dank familiärer Erfahrungen mit schwierigen Jugendlichen der perfekte Sozialminister. Mitleid galt der SPD, speziell Florian Pronold und Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher, die die Bavaria an „halb verhungerte Zirkusponys“ erinnern. „Das ist aber auch hart, da übernimmt man die SPD. Sagt: Jetzt pack ich‘s, das Tal ist erreicht. Doch dann stellt sich heraus, es war erst die Mittelstation.“

Kübelweise Hohn und Spott für die fabelhaften Guttenbergs dann im Singpiel „Ude 2011“. Frei nach dem Song „We are the world“ sangen ihre Bühnenendoubles im Duett „Wir sind die Welt“, widmeten es den „königstreuen Facebookfreunden“ und kündigten ein rasches Comeback im Kanzleramt an. Der kraftmeiernde Söder-Darsteller (Stephan Zinner) staubte das Paar von der Bühne. Guttenberg giftete noch ein „Ihr könnt‘ mich mal am Arsche lecken.“ Die Antwort Söders: „Auch das ist ein Zitat.“

Seehofer klärt Nachfolgefrage

Söder und – erstmals – Haderthauer hatten im Singspiel tragenden Rollen. Sie sind in der Nach-Guttenberg-Ära die Stars der CSU. Der echte Seehofer zerstörte aber am Ende des Abends alle Blütenträume. „Das sind meine Nachfolger 2011. Nächstes Jahr werden es wieder andere sein. Das Spiel geht jetzt neun Jahre weiter, in wechselnder Besetzung.“ Eine klare Botschaft, dass er sich nicht vom Feld drängen lässt. Und wenn es nach Seehofer geht, bleibt auch „Bavaria“ Luise Kinseher genauso lang eine feste Größe auf dem Nockherberg. „So wie wir beim Ministerpräsidentenamt das Rotationsprinzip beendet haben, so ist das jetzt auch bei der Fastenpredigt.“

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