mz_logo

Bayern
Montag, 23. April 2018 22° 6

Energie

Bayern bei Bioenergie vorne: Aber kaum noch neue Anlagen

In keinem anderen Bundesland sind so viele Bioenergieanlagen installiert wie in Bayern. Neue Anlagen kommen im Freistaat aber kaum noch dazu. Grund dafür ist die Abnahme der staatlichen Förderungen.

Monteure arbeiten im Bioenergiezentrum in Rehau. Foto: David Ebener/Archiv

München.Bayern nimmt in der Erzeugung von Bioenergie im Ländervergleich eine Spitzenposition ein. 2016 waren im Freistaat 3756 Biomasseanlagen installiert, wie das Wirtschaftsministerium in München mitteilte – das ist mehr als in jedem anderen Bundesland. Auch hinsichtlich der installierten Leistung ist Bayern demnach mit rund 1,5 Gigawatt im Ländervergleich vorne.

Im Freistaat wurden den Angaben zufolge 2016 insgesamt 8,7 Terawattstunden Strom aus Bioenergie erzeugt. Biogas leistete daran mit rund drei Vierteln mit Abstand den größten Anteil, gefolgt von fester Biomasse und Bioenergie aus biogenen Abfällen. Die Zahl der Biogasanlagen lag 2017 in Bayern bei 2493, wie aus den Daten der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft hervorgeht.

Neue Anlagen kommen allerdings kaum noch hinzu. Nach einem Boom zwischen 2009 und 2012 ist die Errichtung von Biogasanlagen seit 2012 weitgehend stagniert. 2016 belief sich der Zubau laut Wirtschaftsministerium nur noch auf rund 2,5 Prozent. Im Jahr davor war der Wert mit rund einem Prozent sogar noch geringer.

Den Grund dafür sieht Andrea Horbelt vom Fachverband Biogas im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das die Einspeisevergütung für Strom aus Bioenergie und anderen erneuerbaren Energien bundesweit regelt. Das Gesetz wurde in den vergangenen Jahren mehrere Male novelliert. „Seit 2009 wurde es für Biogas immer schlechter“, sagte Horbelt. „Die Vergütung ging immer weiter nach unten.“

Dass die installierte elektrische Leistung der Biogasanlagen in Bayern dennoch 2015 um 12 Prozent und 2016 um 6 Prozent stieg, ist laut Wirtschaftsministerium vor allem „auf die Erweiterung und Flexibilisierung von Bestandsanlagen zurückzuführen“. Für sie gelten in der Regel noch die besseren Konditionen der früheren EEG-Regelungen.

Aber auch bestehende Anlagen könnte es bald treffen. 2020 läuft für die ersten Biogasanlagen die auf 20 Jahre angelegte staatliche EEG-Förderung aus. Eine Anschlussvergütung kann zwar beantragt werden, aber die Bedingungen werden dann schwieriger, sagte Andrea Horbelt. „Ich weiß von einigen Betreibern, die sich überlegen, ob sie das noch mal auf sich nehmen.“

Es gebe zudem auch heute schon Anlagen in Bayern, die wieder vom Netz gehen, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Dies sei „zu jeder Zeit der EEG-Förderung“ passiert, sagte ein Sprecher, ohne genaue Zahlen zu nennen. Die Abschaltung sei eine „wirtschaftliche Entscheidung von Betreibern“.

Für den Fachverband Biogas, der Hersteller, Bauer und Betreiber von Biogasanlagen vertritt, ist das problematisch. Sprecherin Horbelt kritisierte, Biogas werde nicht gesamtheitlich betrachtet und daher nicht ausreichend gefördert. „Biogas kann nicht nur Strom, sondern auch Wärme und Kraftstoff. Außerdem erzeugt man als Gärprodukt hochwertigen Dünger und vermeidet Methan.“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht