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Kultur

Bayern-Museum: Jetzt wird obandelt

Das große Geschichtstheater am Regensburger Donaumarkt ist fertig. An die 2000 Menschen feiern die Eröffnung.
Von Marianne Sperb und Isolde Stöcker-Gietl

Der Oktoberfest-Löwe in seinem 17 Meter hohen, von Licht durchfluteten Austragsstüberl, wachte über die 2000 Gäste. Eigentlich waren nur 1500 geladen. Foto: Uwe Moosburger/altrofoto.de
Der Oktoberfest-Löwe in seinem 17 Meter hohen, von Licht durchfluteten Austragsstüberl, wachte über die 2000 Gäste. Eigentlich waren nur 1500 geladen. Foto: Uwe Moosburger/altrofoto.de

Regensburg.Begeisterung, Erleichterung, Freude, Stolz: Nach vier Jahren Bauzeit, einigen Krisen und anhaltender Kritik brachen sich im Haus der Bayerischen Geschichte am Dienstag die positiven Gefühle Bahn. Gäste aus Politik, Kultur, Kirche, Wissenschaft und Handwerk schwelgten bei der Eröffnung in schönster Sympathie für die neue „Schatzkammer unserer Geschichte“, wie Bernd Sibler das Museum nannte. Bayerns Kunstminister griff den Teddy, der Bomben in Würzburg überstand, den Goggo und eine durchschossene Pickelhaube aus dem Ersten Weltkrieg als Beispiele für die 1000 Objekte heraus, die 200 Jahre Freistaat spiegeln – aus der Perspektive der Menschen. „Hier wird nicht Herrschafts- sondern Alltagsgeschichte erzählt“, so Sibler. Er habe sich auf das Haus mehr als auf jedes andere Museum gefreut.

Impressionen von der Eröffnung sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Die Eröffnung des Bayern-Museums

Der Ministerpräsident streichelt den „Barockengel“. Foto: altrofoto.de
Der Ministerpräsident streichelt den „Barockengel“. Foto: altrofoto.de

Selbstironisch, hintersinnig: Ministerpräsident Markus Söder griff den Ton der Ausstellung auf. Sein Luitpold-Kostüm sei zweifellos ein Höhepunkt der Ausstellung, witzelte er, und dann, ernster: „Das Haus wird für Regensburg eine Attraktion. Und vielleicht erfasst es sogar die bayerische Seele“, das Romantische, Anarchische, Gesellige, Grundoptimistische.

Der Festsaal war überfüllt, so dass Gäste die Eröffnung vor der Tür mitverfolgen mussten. Foto: altrofoto.de
Der Festsaal war überfüllt, so dass Gäste die Eröffnung vor der Tür mitverfolgen mussten. Foto: altrofoto.de

Dick unterstrich Söder Bayerns Vorzüge. „Bayern war nie ein statischer Begriff, sondern ein Lebensgefühl. Und die Bayern hatten die Nase immer im Trend.“ Jeder fühle sich in Bayern wohl, der Zuzug sei ungebrochen. „Irgendetwas Besonderes also muss Bayern haben.“ Das Museum passe besonders gut in eine Zeit, die sich schwertut mit Selbstvergewisserung und Identität. „Wir wollen das Museum in aller Welt anpreisen“, versprach Söder. „Bei jedem Staatsbesuch wird es ein fester Programmpunkt sein.“

Das Haus der Bayerischen Geschichte wurde eröffnet

Mit Neugier beginnt jedes Kennenlernen, jedes Anbandeln. Am Dienstag war das Gefühl, am Donaumarkt könnte eine Liebesgeschichte beginnen, greifbar. 1500 Gäste waren geladen, an die 2000 waren gekommen. Einige hundert verfolgten deshalb draußen im Foyer über Bildschirme, wie Bischof Rudolf Voderholzer, Regionalbischof Hans-Martin Weiss und Rabbiner Josef Chaim Bloch den kirchlichen Segen spendeten, wie die Domspatzen „Jauchzet“ anstimmten und wie beinahe die ganze Gesellschaft am Ende die Bayern-Hymne sang. Draußen vor dem Haus verschafften sich da allerdings Kritiker Gehör. Mehrere Verbände, die fürchten, das Museum werde zu viel Verkehr anziehen, demonstrierten für ein fahrradfreundliches Regensburg.

Prominente Stimmen zum Fest lesen Sie in unserer Bilderstrecke:

Prominente Stimmen zum neuen Museum

Demonstranten trafen sich am Dom und zogen zum Museum. Sie befürchten, das neue Haus der Bayern könnte zu viel Verkehr anziehen, und forderten eine fahrradgerechte Stadt. Foto: Steffen
Demonstranten trafen sich am Dom und zogen zum Museum. Sie befürchten, das neue Haus der Bayern könnte zu viel Verkehr anziehen, und forderten eine fahrradgerechte Stadt. Foto: Steffen

„Ein Gewinn für Regensburg und für Bayern“ nannte Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer das Haus. Die Stadt und der Freistaat seien über Jahrhunderte starke Partner gewesen, auf Augenhöhe auch in Zeiten der Auseinandersetzung. Knapp 25 Millionen Euro hatte die Stadt beigetragen zum Prestigeprojekt.

„Wir bieten unseren Gästen ein Forum, um selber zu Sinnproduzenten zu werden“, skizzierte Museumsdirektor Richard Loibl das Konzept. „Unser Haus stachelt die Imagination an und schult die Kombinatorik. Es macht neugierig und beflügelt die Fantasie.“

Kultur

Museum eine „Liebeserklärung an Bayern“

Markus Söder hält die Lobrede auf das Haus der Bayerischen Geschichte. Und Regensburg erlebt eine Sternstunde.

80 Quadratmeter groß, 60 Tonnen schwer und eines der größten Panoramafenster Europas: Von hier aus schaut man in die Altstadt. Foto: altrofoto.de
80 Quadratmeter groß, 60 Tonnen schwer und eines der größten Panoramafenster Europas: Von hier aus schaut man in die Altstadt. Foto: altrofoto.de

Loibl, Biograf und Botschafter Bayerns, rief Leihgeber, Bau-Beteiligte und sein Team auf die Bühne. Seiner „Spitzentruppe“ überreichte er eigens entworfene Krüge. Die Ausstellung verzichtet auf die staatstragende Selbstfeier. Kritische Sätze sagte auch Loibl: Ob das Museum heute realisierbar wäre, sei zweifelhaft. „Die Bürokratie ist in den letzten Monaten mächtig aufgewachsen. Wenn das Vergaberecht zu streng ausgelegt wird, geht jeder Spielraum verloren.“ Qualität werde dem günstigsten Gebot untergeordnet. „Bayerisch ist das nicht.“

Der Festakt im Newsblog:

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