MyMz

Interview

Begegnungen schaffen

Annette Purschkes Sohn Julius wird bald 17 Jahre alt. Er hat das Down-Syndrom. Seit 2002 engagiert sie sich in der Elterngruppe Down-Syndrom Regensburg.

Frau Purschke, welche Anliegen hat dieser Arbeitskreis?

In erster Linie sind wir eine Selbsthilfegruppe. Die Eltern sollen erleben, dass sie nicht allein sind. Wir alle befanden uns einmal in derselben Situation und wussten nicht, was auf uns zukommt. Unser Ziel ist es, Ängste zu nehmen. Es gibt einen Stammtisch und wir haben eine Eltern-Kind-Gruppe. Es geht darum, das Glück zu sehen.

Emmas Papa, Daniel Karl, sagt, dass er ein Markenbotschafter sein möchte. Das ist ein Grund, weshalb er die Ausstellung „Glück kennt keine Behinderung“ in Kallmünz organisiert. Wie wichtig ist es, dass Eltern von Down-Kindern in die Öffentlichkeit gehen?

Das ist uns in der Elternrunde ein zweites großes Anliegen. Wir wollen Begegnungen schaffen. Man merkt immer wieder, dass viele Menschen noch keine oder kaum Begegnungen mit Behinderten hatten. Es gibt viele falsche Bilder. Wir erzählen zum Beispiel an Schulen von unserem Leben. Einmal im Jahr sind wir auch an der Uni und sprechen vor angehenden Ärzten. Die Begegnungen bringen da viel mehr, als irgendetwas aufzuschreiben.

Gibt es genug Unterstützung?

In Sachen Inklusion hat sich viel getan. Es gibt auch viele Angebote. Trotzdem muss man sich auch viel erkämpfen. Man bekommt schon Rückenwind und Unterstützung. Aber man muss gut informiert sein und man muss viel Energie haben, um Dinge umzusetzen. Ich würde mir schon ein bisschen mehr wünschen, dass man auch mal auf uns zugeht. Für mich war es traumhaft, als einmal eine Musikschullehrerin auf mich zukam, weil sie ein Musiktheater für Grundschüler inszenieren wollte. Da konnte Julius mitmachen und die anderen Kinder im Ort auch.

Was bedeutet für Sie Inklusion?

Für mich bedeutet das auch, eine Wahl zu haben. Zum Beispiel entscheiden zu können, ob die Regelschule, eine Partnerklasse oder ein Förderzentrum das Richtige für mein Kind ist. Es muss nicht alles inklusiv sein. Es sollte verschiedene Angebote geben, weil Kinder unterschiedlich sind und unterschiedliche Bedürfnisse haben.

Lesen Sie auch: Die vierjährige Emma aus Kallmünz hat das Down Syndrom. Darunter leidet sie nicht, sondern allenfalls unter den Vorurteilen ihrer Mitmenschen. Ihre Eltern wollen aufklären.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht