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Justiz

Berufung: Bischof-Williamson-Prozess wird neu aufgerollt

Ob der Holocaust-Leugner nach Regensburg kommt, ist aber ungewiss.
Von Marion von Boeselager, MZ

Der Bischof der Piusbruderschaft Richard Williamson Foto: dpa

Regensburg. Ab Montag muss sich der erzkonservative Bischof Richard Williamson erneut wegen Volksverhetzung vor dem Landgericht Regensburg verantworten. Der britische Bischof der umstrittenen Piusbruderschaft und Holocaust-Leugner soll 2008 in einem Fernsehinterview mit einem schwedischen Sender den Massenmord am jüdischen Volks bestritten haben. Er glaube nicht, soll der 71-Jährige gesagt haben, „dass sechs Millionen Juden vergast wurden.“ Im April 2010 verurteilte ihn das Amtsgericht Regensburg deshalb zu einer Geldstrafe von 10000 Euro (100 Tagessätze zu je 100 Euro). Der Bischof war damals nicht persönlich anwesend, sondern ließ sich durch seinen Anwalt vertreten. Gegen das Urteil gingen sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der angeklagte Bischof in Berufung.

Da der Piusbruder-Bischof das Interview 2008 im Pius-Priesterseminar im oberpfälzischen Zaizkofen gab, ist die Regensburger Justiz für den Fall zuständig. Auch der neuerliche Prozess wird in Regensburg aufgerollt.

Die Holocaust-Leugnung Williamsons löste damals eine Krise in der gesamten katholischen Weltkirche aus. Der Vatikan hatte etwa zu dem Zeitpunkt, als der Inhalt des Interviews publik wurde, die Aufhebung der Exkommunikation von Williamson und drei weiteren Bischöfen der Bruderschaft bekanntgegeben. Damals soll der Papst die Aussagen Williamsons aber noch nicht gekannt haben.

Im Verlauf des Strafverfahrens wechselte Williamson, der in London lebt, mehrfach die Verteidiger. Inzwischen wird der Bischof von dem in Frankfurt am Main niedergelassenen Strafrechtler Edgar Weiler, der auch Honorarprofessor der Marburger Universität ist, sowie dessen Sohn Benjamin Weiler vertreten. Die Anwälte des Geistlichen betonten im Vorfeld des neuen Prozesses, dass das von einem schwedischen TV-Team aufgezeichnete Interview „nicht zur öffentlichen Ausstrahlung in Deutschland bestimmt“ gewesen sei.

Ob Williamson diesmal selbst zum Termin in Regensburg anreist, ist ungewiss, da es in dem Verfahren zunächst einen Strafbefehl gab. Ein persönliches Erscheinen könne nicht erzwungen werden, teilte Justizsprecher Johann Piendl im Vorfeld des Prozesses der MZ mit. Sollte Williamson nicht kommen, müsse das Gericht über das weitere Vorgehen entscheiden – ob ohne ihn verhandelt oder die Berufung verworfen werde.

Laut Deutscher Presseagentur wollen die Piusbrüder am morgigen Samstag in Zaitzkofen nahe Regensburg vier Männer zu Priestern weihen. Nach Ansicht des Vatikans sind diese Weihen unzulässig. Weihekandidaten sind ein Pole (26), ein Belgier (25), ein Schweizer (26) und ein Österreicher (26). Vertreter der Amtskirche hatten diese Weihen der Bruderschaft in der Vergangenheit wiederholt scharf kritisiert. Denn trotz der Aufhebung der Exkommunikation ihrer Bischöfe ist die Piusbruderschaft bis heute von Rom nicht anerkannt.

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