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Kirche

Beten für die Zukunft des Klosters

Immer wieder werden Klöster mangels Nachwuchs aufgelöst. Eine neue Chance hat ein Konvent, der geschlossen werden sollte.
Von Sabine Dobel

Auf dem idyllischen Reutberg bei Sachsenkam thront das Kloster der Franziskanerinnen. Foto: Matthias Balk/dpa
Auf dem idyllischen Reutberg bei Sachsenkam thront das Kloster der Franziskanerinnen. Foto: Matthias Balk/dpa

Sachsenkam.Die Menschen haben gebetet, sie haben innige Fürbitten in der kleinen Kirche hinterlassen, einige sind sogar nach Rom gereist – und sie haben damit die vorläufige Rettung des oberbayerischen Klosters Reutberg erreicht. Doch das Ringen um eine dauerhafte Lösung geht weiter.

Rom hatte im Oktober 2018 per Dekret eine bereits im Raum stehende Auflösung des Konvents bei Sachsenkam (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) mit seinen Franziskanerinnen zurückgenommen. Doch wie das Kloster auf lange Frist weiterbestehen kann, welche Ordensleute an den Reutberg kommen könnten und wie es mit der Seelsorge konkret weitergeht, ist noch nicht endgültig klar.

Überlegungen für das Haus

Die Gemeinschaft habe sich „sehr stabilisiert“, teilten die Schwestern und ihre von Rom eingesetzte apostolische Kommissarin mit. Sie war von der vatikanischen Ordenskongregation ernannt worden und nimmt nun die Rechte und Pflichten einer Oberin wahr, die zuletzt fehlte. Es gebe Anfragen von Schwestern, die „am Leben auf dem Reutberg interessiert“ seien. Die Seelsorge und der tägliche Gottesdienst seien vorerst gesichert.

Das Erzbistum München und Freising hatte schon vor dem Dekret aus Rom den dortigen Priester von seiner Aufgabe entbunden. Der Geistliche im Ruhestand hatte über Jahre die Frühmesse gehalten, zu der Tag für Tag vor der Arbeit an die zwei Dutzend Gläubige aus dem Umland zum Kloster kamen. Die Frühgottesdienste sollen nun, so heißt es aus dem Kloster, verschiedene Priester übernehmen.

Die Klosterkirche von Reutberg Foto: Matthias Balk, dpa
Die Klosterkirche von Reutberg Foto: Matthias Balk, dpa

Der Unterstützerkreis um das Kloster, die sogenannte Sachsenkamer Gruppe, hatte vorgeschlagen, dass am Reutberg parallel zum Schwesternkonvent ein Seelsorgezentrum entstehen könnte, mit einer kleinen Zahl von Ordenspriestern. Dieser Vorschlag liegt nicht weit entfernt von früheren Überlegungen des Erzbistums München und Freising, in dessen Verantwortung bei einer Auflösung das Kloster und seine Besitztümer wohl übergegangen wären. Neben den Nonnen könnten – so ebenfalls ein früherer Plan des Erzbistums – im Kloster Mönche wohnen. Diese könnten anders als die abgeschieden lebenden Franziskanerinnen in der Seelsorge tätig sein – Pfarrer fehlen in der Region.

Eine ähnliche Lösung will auch die Sachsenkamer Gruppe. „Diese Kombination könnte eine besondere Wirkung entfalten und auch neue Ordensleute an den Reutberg ziehen“, heißt es aus der Gruppe. Das Erzbistum verfolgt derzeit keine Pläne mehr. Es sei mit dem Dekret aus Rom nicht mehr verantwortlich und sehe „nach der 180-Grad-Wendung aus Rom auch keine verlässlichen Rahmenbedingungen für eine Planung“, sagte ein Sprecher.

Blick auf die Geschichte des Klosters

  • Gebäude:

    Erstes Gotteshaus auf dem „gerodeten Berg“ war eine Lorettokapelle, gestiftet von den Grafen Papafaba; der Grundstein wurde am 31. Juli 1606 gelegt. 1618 wurde durch Gräfin Anna das Kloster gegründet, das im Dezember 1619 eingeweiht wurde. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde das Kloster neu gebaut, 1735 wurde die barocke Kirche fertiggestellt.

  • Orden:

    Zu Beginn lebten und wirkten in Reutberg Kapuzinerinnen; es war das erste Kapuzinerinnenkloster Bayerns. Die Konvente in Salzburg und Landshut entstanden unter seinem Einfluss. 1651 erfolgte die Eingliederung in den Franziskanerorden. Während der Säkularisation konnte Reutberg weiterbestehen, 1835 genehmigte König Ludwig I. dann den Fortbestand des Klosters.

Der Kampf um das Kloster geht schon seit Jahren. 2016 hatte die Kongregation das Erzbistum München und Freising angewiesen, die Auflösung der Gemeinschaft vorzubereiten. Dort wohnten zuletzt zwei Nonnen – ohne Oberin zu wenig für den Fortbestand. Während die meisten anderen Klöster eher geräuschlos und ohne große Teilnahme der Öffentlichkeit aufgelöst werden, gab es hier Protest der Anwohner: öffentlich und im Stillen. Im Fürbitt-Buch in der kleinen Kirche drückten viele Menschen neben ihren persönlichen Anliegen ihre Unterstützung für den Konvent aus. „Möge der Herr diesen Ort erhalten“, schrieb ein Besucher, und ein anderer: „Das Kloster muss bleiben.“ Vertreter der Sachsenkamer Gruppe reisten mit mehr als 12 000 Unterschriften und einem 100 Seiten starken Papier mit Vorschlägen nach Rom.

Glaube

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Im Oktober kam von dort die Nachricht zu der ungewöhnlichen Wendung, die Ernennung der apostolischen Kommissarin und damit die vorläufige Rettung des Klosters. „Mit großer Freude dürfen wir mitteilen, dass Gott unser vertrauensvolles Gebet und die vielfältigen Bemühungen um das Fortbestehen des Klosters Reutberg reich gesegnet hat“, teilten die Franziskanerinnen danach mit.

Es ist das zweite Mal in Folge, dass in Oberbayern eine Klosterauflösung nicht wie in vielen anderen Fällen geräuschlos und abseits der Öffentlichkeit vonstattengeht. Im Kloster Altomünster hatte eine Frau, die Nonne werden wollte, bis zuletzt in ihrer Zelle ausgehalten. Claudia Schwarz, Juristin und fest entschlossen, ihr weiteres Leben dem Glauben zu widmen, hatte sich durch verschiedene Gerichte und Instanzen gekämpft, um das Kloster zu erhalten. Als „Klosterbesetzerin“ machte sie weithin Schlagzeilen. Am Ende beugte sie sich und zog aus.

Am Reutberg sieht es nun erst einmal nach einem vorläufigen Fortbestand aus. Ein kleines Wunder in Zeiten, in denen ein Leben hinter Klostermauern nur noch wenige junge Menschen lockt.

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