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Missbrauchsskandal

Bistum wehrt sich gegen neue Vorwürfe

Brutale Züchtigung, aber ohne sexuellen Charakter: Die Diözese Regensburg verweigert Missbrauchsopfern Leistungen.
Von Reinhold willfurth, MZ

Nicht alle Anträge auf Anerkennungsleistungen leitet das Bistum Regensburg, vertreten durch Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller, weiter.

Regensburg.Nimmt das Bistum Regensburg seine Verantwortung bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in seinen Reihen nicht ernst? Das Magazin „Kontrovers“ des Bayerischen Fernsehens warf am Mittwoch diese Frage auf und stellte den Fall zweier Menschen vor, deren Anträge auf „Anerkennungsleistungen“ der Deutschen Bischofskonferenz als Opfer sexuellen Missbrauchs durchgefallen waren.

Udo Kaiser, einer der beiden Männer, schilderte vor der Fernsehkamera detailliert, was ihm als kleiner Bub in den fünfziger Jahren vom damaligen Präses der Domspatzen-Vorbereitungsschule in Etterzhausen (Lkr. Regensburg) angetan worden sei. Der Priester habe sich mehrmals in besonders demütigender Weise an ihm vergangen, erinnerte sich Kaiser.

Jeder Fall wird auf Glaubwürdigkeit geprüft

Trotzdem hat das Bistum Regensburg seinen Antrag auf eine Anerkennungsleistung der Kirche nicht an die Deutsche Bischofskonferenz weitergeleitet. Die Versammlung der deutschen Oberhirten hatte 2011 beschlossen, an die Opfer jeweils 5000 Euro auszuzahlen. Die jeweiligen Bistümer prüfen jeden Fall vorher auf seine Glaubwürdigkeit. Maßgabe der Bischofskonferenz sei aber, „im Zweifel für das Opfer zu entscheiden“.

Im Fall von Udo Kaiser und eines weiteren Mannes, der sich ähnlich von einem kirchlichen Bediensteten gedemütigt fühlte, hat das Bistum allerdings entschieden, dass es hier nicht um sexuellen Missbrauch gehe. Beraten wird die Diözese dabei von dem Nürnberger Anwalt Geedo Paprotta, der die Fälle juristisch prüft. Seine Expertise: Es liege kein sexueller Missbrauch vor. Paprotta sagte auf Anfrage der MZ, es habe sich bei Udo Kaiser ganz klar um eine brutale körperliche Misshandlung gehandelt, sie sei aber nicht sexueller Natur gewesen. Anerkennungsleistungen der Kirche sind vorerst ausschließlich für Opfer sexueller Misshandlung vorgesehen.

Bistums-Sprecher Clemens Neck sagte auf Anfrage, bei der Plausibilitätsprüfung werde kein „enges Recht“ angewendet, „aber wir müssen eine Form finden, um die Sache anpacken zu können“. Die Kirche sei seines Wissens die einzige Institution, die Opfern in dieser Form Hilfe anbiete. Die Deutsche Bischofskonferenz spricht von circa 1000 Anträgen, von denen rund 95 Prozent anerkannt worden seien.

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