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Kirche

Bistum will Missbrauchsfälle in Ex-Kinderheim aufklären

Seit 2010 steht die katholische Kirche wegen Missbrauchsfällen in ehemaligen Kinderheimen und Internaten in der Kritik. Nun haben frühere Bewohner eines schwäbischen Heims über brutale Misshandlungen berichtet. Ein ehemaliger Spitzenjurist soll die Vorgänge aufklären.

Schatten von Händen einer erwachsenen Person und dem Kopf eines Kindes sind an einer Wand eines Zimmers zu sehen. Foto: Patrik Pleul/Archiv
Schatten von Händen einer erwachsenen Person und dem Kopf eines Kindes sind an einer Wand eines Zimmers zu sehen. Foto: Patrik Pleul/Archiv

Augsburg.Nach neuen Berichten über Kindesmisshandlungen in einem ehemaligen Kinderheim in Nordschwaben will das Bistum Augsburg die Vorfälle im Detail aufklären. Bischof Konrad Zdarsa habe deswegen einen ehemaligen bayerischen Spitzenjuristen mit der Koordinierung der Aufarbeitung beauftragt, teilte die Diözese am Mittwoch mit.

Vorangegangen war am Dienstag ein Treffen von Opfern aus dem ehemaligen Kinderheim Heilig Kreuz in Donauwörth. Der Bayerische Rundfunk und anschließend weitere Medien hatten seit Februar über Missbrauchsfälle berichtet, in der Folge meldeten sich weitere Betroffene.

Das in den 1970er Jahren geschlossene Heim gehörte zu der Pädagogischen Stiftung Cassianeum, die nun neun Betroffene eingeladen hat. „Zunächst waren drei Fälle bekannt, nach der Berichterstattung sowie einem öffentlichen Aufruf der Stiftung hatten sich neun weitere Personen gemeldet“, berichtete das Bistum. Die Vorwürfe richten sich insbesondere gegen einen gestorbenen katholischen Priester. In einem Fall sei „auch schwere sexuelle Gewalt“ durch den früheren Heimleiter angezeigt worden, teilte das Bistum mit.

Die Vorwürfe sollen nun von dem ehemaligen Vorsitzenden Richter des Münchner Oberlandesgerichtes, Manfred Prexl, aufgeklärt werden. Der pensionierte Richter ist Mitglied des ständigen Arbeitsstabes zur Behandlung von Missbrauchsfällen des Bistums. Prexl wurde 2007 bekannt, weil er damals - noch als Vorsitzender einer Strafkammer des Augsburger Landgerichtes - den Politiker-Sohn Max Strauß vom Vorwurf der Steuerhinterziehung freigesprochen hatte.

Seit etlichen Jahren, insbesondere seit 2010, wird darüber berichtet, dass es zwischen den 1950er und 1970er Jahren in zahlreichen kirchlichen und staatlichen Kinderheimen in Deutschland üblich war, Kinder mit Gewalt zu erziehen und viele Bewohner auch Opfer von sexuellem Missbrauch wurden.

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