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MZ-Dialektserie

Bàmhàckl am Baum und auf der Haut

Zum 200. Mal erscheint in der MZ die Dialekt-Reihe von Prof. Ludwig Zehetner. Diesmal geht es um Spechte, Heislschleicha und Höidlbrummer
Von Prof. Dr. Ludwig Zehetner, MZ

Der Specht heißt auch „Bàmhàckl“.Foto: dpa

Bàmhàckl ist der Specht, bedeutet aber auch unreine Haut

„Baumhackl, Bàmhàckl“ ist zum einen ein volkstümlicher Name für den Specht, der mit seinem Schnabel ja tatsächlich in Baumrinde und morsches Holz hackt, um Käfer und Maden herauszupicken. Schwer nachvollziehbar ist, wie es dazu kommen konnte, dass auch ein bestimmter Befund der Haut an Waden und Armen als „Bàmhàckl“ bezeichnet wird: entzündete rissige Haut als Folge mangelnder Reinlichkeit. Noch in den ersten Nachkriegsjahren hatten viele Buben die Unterschenkel voller Bàmhàckl; sie waren barfuß gelaufen, durch Dornen gerannt, in Pfützen gewatet – und um die Körperpflege stand es schlecht in Haushalten ohne fließendes warmes Wasser, ohne Bad oder Dusche. Der feuchte Schmutz trocknete auf der Haut, es bildeten sich Risse, die sich entzündeten und kaum heilten. Oft bildeten sich Ekzeme. Das ist Vergangenheit. Heute versteht man unter Bàmhàckl einfach ungepflegte, unreine Haut. Im Monolog der Kreszenz Hiagelgwimpft von Karl Valentin wird der Wunschtraum des Dienstmädchens zunichte gemacht: „Moana denn Sie, mit Eahnan gwarzerten Verdrußfaltengsicht und mit Eahnan Baumhackl-Teint wern Sie a Schauspielerin? A Abspülerin könna S’ macha in der Speisehalle, Sie Prachtdotschen!“

Die Frage stellte Evelyne Hagn aus Regensburg

„Schmeiß’n aussi, den Heislschleicha, den elentign!“

Einen scheinheiligen, heuchlerischen Menschen, der anderen schöntut, um sich eigene Vorteile zu erschleichen, nennt man einen „Häuslschleicher“, ausgesprochen „Heislschleicha“. Das ist ein schöner und sehr bildkräftiger Ausdruck, der anspielen könnte auf einen Fuchs, der um den Hühnerstall schleicht, um die Gelegenheit für eine Beute abzupassen. Auch eine Katze kann man sich vorstellen, die nahrungsuchend ums Haus schleicht. „Schmeiß’n aussi, den Heislschleicha, den elentign!“, wies mein Onkel Toni seine Frau an, als er sich durch den wiederholten Besuch eines süßlich redenden Hausierers belästigt fühlte.

Die Frage wurde eingereicht von Edi Reichenberger

Höidlbrummer sind begriffsstutzig

Ein langweiliger, träger, begriffsstutziger Mensch kann in der Oberpfalz als „Höidlbrummer“ bezeichnet werden. Verhochdeutscht ist das: „Hütleinbrummer“. In seinen Gedichten im oberpfälzischen Dialekt erläutert Eugen Oker (mit bürgerlichem Namen Fritz Gebhardt, † 2006), was es damit auf sich hat: „äiz wiar e eng faroun / wäi s häilbruma gäid: // lusz af // beim häilbruma / mou ma wenixdns zo dritt saa / zwoi / wous oin / dea wous no niad ko / leana // brouda dea wiad schbizn // also / däi zwoi song zo oin / moxd niad mid häilbruma / bal a moch / doud oina sein houd owa / und beist en grembm ei / und macht sum sum sum / des söl macha nou de andan aa / und dear oi wous niad ko / dengd sa / wos äbba äiza kumd // owar easchd / wens eam woam an de fäiss owe rind / wois a / das n de andan / obrunzd hom“

In die Schriftsprache übertragen heißt das: „Jetzt werde ich euch verraten, wie das Hütlbrummen geht. Horcht her! Beim Hütlbrummen muss man wenigstens zu dritt sein: zwei, die es einem, der es noch nicht kann, lernen. Bruder, der wird spitzen! Also: Die zwei sagen zu einem: ‚Magst nicht mit Hütlbrummen?’ Wenn er mag, tut einer seinen Hut herunter und beißt in die Krempe hinein und macht ‚Summ, summ, summ’. Dasselbe machen dann die anderen auch. Und der eine, der es nicht kann, denkt sich: ‚Was etwa jetzt kommt?’ Aber erst, wenn es ihm warm die Füße hinab rinnt, weiß er, dass ihn die anderen angebrunzt haben.“

Die Auskunft wünschte Günter Schmid aus Hohenirlach

Ein schmächtiges Kind ist

ein „Gleberl“

„Mei, des is halt a Greberl“, hat die Oma über ein mageres, schwächliches Kind befunden, erinnert sich die Einsenderin, und sie überlegt, ob etwa das lateinische Adjektiv „creber“ drinsteckt. Das kann nicht zutreffen, denn „creber“ bedeutet ‚zahlreich, fruchtbar‘. Bestimmt hat die Oma von einem „Gleberl“ gesprochen. Es gibt nämlich das bairische Wort „kleber“, das bedeutet ‚schwach, zart, schmächtig, mager, kränklich‘. Als „Kleberl, Glewal“ bezeichnet man ein schwächliches Kind von instabiler Gesundheit.

Die „Schoatnkiachl“ und

die Hobelschoatn

Die „Schoatnkiachl“ heißen wohl so, weil sie an „(Hobel-) Scheiten“ erinnern. Mittelhochdeutsch „ei“ ist im Bairischen zu „oa“ geworden, was mit der verbreiteten mundartlichen Aussprache von „ar, or“ zusammenfällt („woatn, Doaf“ für ‚warten, Dorf‘). Es könnte sich daher auch um „Schartenkiachl“ handeln – bloß ergibt das keinen Sinn. Österreichische Wörterbücher führen das Stichwort „Scharten“ auf und geben als Bedeutung ‚Späne‘ an, wobei die Dialektlautung „Schoatn“ mit „Scharten“ in die Schrift umgesetzt wird.

„Brauchst sched über d’Strass geh zon Kramer“

Das Wörtchen „sched“ hält man da und dort für eine ganz spezielle Besonderheit der eigenen engeren Heimat; die Hallertauer nehmen es für sich in Anspruch, ebenso die Bayerwäldler und manch andere. Dabei darf „sched“ als allgemeinbairisch gelten: „Brauchst sched über d’Strass geh zon Kramer.“ Der Gstanzlsänger Sebastian Daller (aus Teugn, Kreis Kelheim) textete 2008 über die damalige CSU-Spitze: „Da Huber und da Beckstein / han’s beste Führungstandem vo da Wölt, / sched des Tandem hod an Plattn / und da Lenker is vastöllt“. In manchen Gegenden, vor allem in den Städten, mag das mundartliche „sched“ außer Gebrauch gekommen sein; stattdessen setzt man die standardsprachlichen Wörter ‚nur, bloß, einfach‘. Die Etymologie von „sched“ ist relativ gut durchschaubar. Es handelt sich um eine lautliche Vereinfachung von „schlecht“ im Sinne von ‚schlicht, einfach‘ (vgl. „schlechthin, schlechterdings“). Dass die Lautfolge „cht“ zu „t = d“ wird, begegnet uns im Dialekt häufig: Aus „nicht“ ist „ned“ geworden; „Nod, Gned, Liad / Läid“ sind die altmundartlichen Ausspracheformen von ‚Nacht, Knecht, Licht’. Die gleiche Lautentwicklung darf in Anspruch genommen werden für „schled“ aus „schlecht“. Ein weiterer Schritt der Vereinfachung erfolgte mit dem Verschwinden des Konsonanten „l“, so dass aus ursprünglichem „schlecht“ unser bairisches Adverb „sched“ geworden ist.

Diese drei Fragen stellte Katharina Müller

„Kinder, seids do

ned so báálous!“

„Seids do ned so báálous!“ hat man die Kinder gerügt, wenn sie sich beim Essen vordrängten, um nur ja nicht zu kurz zu kommen. Das bairische Wort „báálos“ kann ‚gierig’ bedeuten, in erster Linie aber ‚rücksichtslos, unverschämt, ohne Benehmen, ohne Manieren“. So erklärt sich auch die Wortbildung. Die heutige Form ist die lautgesetzliche Fortentwicklung von „ge-bär-los“. Das Hochdeutsche kennt „Gebärde, Gebaren, sich gebärden“, die denselben Wortstamm enthalten. Dem „ä“ entspricht ein bairisches helles „à“ (vgl. „Mädchen, Käse, mähen - Màdl, Kàs, màhn“), die Vorsilbe „ge-“ verschwindet nach Verlust des unbetonten „e“, d. h. sie geht im Anlaut „b“ auf („ge-bàr › *gbar › bàr“). Dazu kommt „-los“ im Sinne von ‚ohne’. Da langes „ô“ vorliegt, erscheint der Zwielaut „ou“.

Angefragt hat Elisabeth Schamberger aus Regensburg

Die Burschen goischeln scho wieda umanand

In Eschlkam kennt man das Verb „goischen“ für ‚ziellos herumrennen oder -fahren, nie zuhause sein‘. Eine Frau, die das tut, ist eine „Goischen“, ein Mann ein „Goischer“. Die Erklärung ist nicht einfach; erst Hinweise von Prof. Anthony Rowley (München) führten zur folgenden Lösung. Bei „goischen“ dürfte es sich um eine Rückbildung von „goischeln“ handeln, dies eine lautliche Spielart von „goißeln“ = „geißeln“. In Schmellers Bayerischem Wörterbuch findet sich „gaiseln: (verächtlich) rennen“ und „herumgaiseln: umher rennen“. Offenbar wurde das ziellose Herumrennen verglichen mit der Bewegung einer Peitschenschnur, einer „Geißel, Goasl, Goisl“. Dass in „goischen“ statt des „s“ ein „sch“ steht, scheint eine regionale Besonderheit zu sein,.

Diese Frage kam von Frieda Frädrich aus Eschlkam

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