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Carolinenhütte ist Blickfang auf Bayerischer Eisenstraße

Die MZ-Serie endet mit der ältesten noch existierenden Eisengießerei Ostbayerns.
Von Helmut Wolf, MZ

Über der Carolinenhütte thront die mächtige Firmenvilla. Fotos: Michtl

Kallmünz. Entlang der Vils, seiner Nebenflüsse und der Naab entstanden ab dem 14.Jahrhundert Hammerwerke, die die Wasserkraft zur Energiegewinnung nutzten. Kleinere Eisenerz-Vorkommen im Raum Kallmünz waren offenbar neben dem Erz aus Amberger oder Sulzbacher Gruben die Rohstoffbasis für die Hammerwerke in Rohrbach und Traidendorf. 1515 erwarb Wolfgang Sauerzapf den Hammer in Lauf am Forellenbach. Das Werk wurde 1632 im 30-jährigen Krieg zerstört und erholte sich nicht mehr. 1675 kaufte Ulrich Geyer, Bürgermeister zu Hemau, den öd liegenden Betrieb und erbaute anstelle des Blechhammers im Oberlauf eine Mühle. 1717 errichtete ein Herr von Stachelhausen im Unterlauf einen Holzkohle-Hochofen.

Um 1800 wurde nahe Kallmünz (Lkr. Regensburg) dann die älteste noch existierende Eisengießerei Carolinenhütte gegründet. Namensgebend war Caroline von Bechtel, die 1830 bis 1832 oberhalb des Werkes die schlossartige Villa erbauen ließ.

Trotz des Standortnachteils im engen Forellenbachtal, wie dem Erzmangel und dem Umstand, dass die „Privathütten“ nicht wie die königlichen Hütten bevorzugt Holz zum ermäßigten Preis aus den staatlichen Waldungen erhielten, behauptete sich das Werk. Mit der starken Konkurrenz der Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte allerdings, die in Rosenberg 1864 den ersten Kokshochofen angeblasen hatte, zeichnete sich zunächst das Ende der Carolinenhütte ab, so dass der Betrieb 1882 fürs Erste stillgelegt werden musste.

1885 kaufte der Ingenieur Peter Höllein – der Urgroßvater des jetzigen Inhabers Raimund Höllein – die Carolinenhütte. Sie wurde als Familienbetrieb kontinuierlich weitergeführt und ausgebaut. Heute ist das Werk ein modernes Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern. Die Produktpalette umfasst zwei Sparten: Es sind dies zum einen die Gießerei, in der Gussteile bis maximal 10 Tonnen Stückgewicht für Maschinenbauunternehmen gefertigt werden. Dazu zählen auch Kunstguss-Stücke wie Kandelaber, Balkongitter und Parkmöbel in der Produktpalette vertreten. Zum anderen rüstet die Carolinenhütte insbesondere Großbrücken mit kompletten Entwässerungssystemen aus, und zwar mit Rohrleitungen aus Edelstahl.

Fast 500 Jahre Eisengewerbe im Forellenbachtal zeugen von Unternehmergeist und Risikobereitschaft. Die Carolinenhütte zeigt sich als positives Beispiel für die Kontinuität eines Standortes. Zwar dominieren im Eisengewerbe der Oberpfalz die Zentren Amberg und Sulzbach-Rosenberg als interessante Stätten der Industriekultur, aber auch der Raum nördlich und südlich davon ist von hohem Rang.

In der durch das Montanwesen geprägten Region kam es 1984 zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft „Bayerische Eisenstraße“. Heute verläuft dieser „Kulturweg des Eisens“ – so die Anerkennung durch den Europarat 2007 – von Pegnitz im Norden bis Regensburg im Süden und verbindet die einstigen Erzreviere Pegnitz, Auerbach, Sulzbach-Rosenberg und Amberg.

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