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Corona: Ausgangssperre in Mitterteich

In der Kleinstadt im Landkreis Tirschenreuth haben sich besonders viele Menschen angesteckt. Die Lage ist ernst.
Von Isolde Stöcker-Gietl und Dr. Christian Eckl

Erstmals gibt es in Bayern eine Ausgangssperre im Kampf gegen das Coronavirus: Das Landratsamt Tirschenreuth verhängte sie für die Stadt Mitterteich mit sofortiger Wirkung. Foto: Daniel Karmann/dpa
Erstmals gibt es in Bayern eine Ausgangssperre im Kampf gegen das Coronavirus: Das Landratsamt Tirschenreuth verhängte sie für die Stadt Mitterteich mit sofortiger Wirkung. Foto: Daniel Karmann/dpa

Tirschenreuth.Innerhalb weniger Stunden hat Landrat Wolfgang Lippert (FW) eine zweite Pressekonferenz einberufen. Die Lage im Landkreis Tirschenreuth ist ernst. Nirgendwo sonst in der Oberpfalz hat das Corona-Virus bislang so massiv zugeschlagen. Nun wird in der Kleinstadt Mitterteich, dort wo das Virus innerhalb weniger Tage mehr als 20 Bürger befallen hat, eine Ausgangssperre verhängt.

Erster Ort in Bayern

Es ist der erste Ort in Bayern, für den aufgrund der dynamischen Entwicklungen eine solche weitreichende Entscheidung getroffen wird. Damit dürfen die Bürger nur noch in bestimmten Fällen − etwa um zur Arbeit zu gehen oder einzukaufen − ihre häusliche Umgebung verlassen. Betroffen ist davon zunächst nur der Innenstadtbereich, für die umliegenden Ortsteile gilt weiterhin die dringende Empfehlung auf soziale Kontakte weitestgehend zu verzichten.

Der Regensburger Infektiologe, Professor Dr. Bernd Salzberger plädiert bereits für flächendeckende Ausgangssperren wie in Frankreich und Italien. Er sagte der Mittelbayerischen: „Ich bin dafür, das öffentliche Leben drastisch herunterzufahren – die richtigen Instrumente dazu muss die Politik auswählen. Es muss wirken und durchführbar sein.“ Führende Virologen und Internisten hätten angesichts der sich rasant nach oben entwickelnden Zahlen die Forderung aufgestellt, die derzeit getroffenen Maßnahmen noch zu verschärfen.

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Auch Landrat Lippert hatte bereits am Dienstag vor der „sehr, sehr ernsten Situation“ im Raum Tirschenreuth und insbesondere in Mitterteich gewarnt, zunächst aber noch auf freiwillige Einschränkungen bei den Bürgern gehofft. Warum die Infektionswelle insbesondere Mitterteich mit solcher Wucht traf, dazu gibt es keine offiziellen Verlautbarungen. Regina Kestel, die Leiterin des Katastrophenschutzes, sagte am Dienstag, dass es Vermutungen gebe, aber keine gesicherten Informationen. Den ersten bestätigten Fall gab es im Landkreis am 10. März. Ein 83-jähriger Mann, der nach den Recherchen des Gesundheitsamtes zuvor auf keiner Veranstaltung war.

Die Situation im Landkreis Tirschenreuth ist nicht nur aufgrund der stetig steigenden Zahl von Infektionen inzwischen besorgniserregend. Nirgendwo sonst in der Oberpfalz gibt es bislang so schwere Verläufe. Lippert gab bekannt, dass sieben Patienten, insbesondere ältere Menschen, beatmet werden müssten. Infiziert hätten sich aber auch jüngere Bürger und Kinder.

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Die Lage in der Oberpfalz

Auch in anderen Gebieten der Oberpfalz sind die Infektionen weiter nach oben geschnellt. In der Stadt Regensburg sind es nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit inzwischen 26 Fälle, im Landkreis Regensburg 27. In einem Fall, so die Informationen der Mittelbayerischen, verläuft die Erkrankung schwerwiegender. Das Uniklinikum Regensburg hatte bereits am Montag bestätigt, dass dort ein Patient stationär wegen des Corona-Virus behandelt werden muss. Im Landkreis Neumarkt, wo aktuell 19 Infektionen registriert wurden, mussten zwei Betroffene in Krankenhäuser eingewiesen werden.

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Bislang mild sind die Verläufe dagegen im Landkreis Cham, der mit 29 bestätigten Fällen oberpfalzweit an zweiter Stelle liegt. „Bislang musste noch niemand in ein Krankenhaus“, bestätigte Pressesprecher Friedrich Schuhbauer vom Landratsamt Cham auf Nachfrage. Auch in Schwandorf hat Landrat Thomas Ebeling bislang zwar 17 Infektionen zu vermelden, aber ebenfalls relativ milde Verläufe. Im Amberg gibt es derzeit zwei Fälle, im Landkreis Amberg-Sulzbach 15. In Weiden haben sich bislang sieben Personen infiziert. Der Landkreis Neustadt an der Waldnaab ist positives Schlusslicht in der Oberpfalz mit bislang nur zwei Infektionen.

Insgesamt hat sich die Zahl der Infizierten auch in der Oberpfalz weiter deutlich erhöht. Waren es am Dienstag noch 132 bestätigte Tests, lag die Zahl am Mittwoch bereits bei 180. In Niederbayern sind 166 Fälle bekannt, von denen sechs im Landkreis Kelheim leben. Bayernweit gibt es inzwischen 1800 Infizierte, die meisten davon in Oberbayern.

Im Freistaat sind bislang sieben Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben. Das bayerische Gesundheitsministerium teilte am Mittwochabend mit, dass ein über 90 Jahre alter Mann mit Vorerkrankungen aus Würzburg daran verstorben sei.

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