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Historische Wirtshäuser

Das Hennerloch als Wohlfühl-Oase

Das Wirtshaus mit dem kuriosen Namen ist über 400 Jahre alt – und die Weidener lieben die Oase bayerischer Gastlichkeit in der Altstadt.
Von Fritz Winter, MZ

  • Gemütlich ist es im historischen Lokal Hennerloch in Weiden, das auf das Jahr 1592 zurückgeht. Wirt in dritter Generation ist Karlheinz Merkl, der ein frisches Edelhell zapft. Merkl ist auch der Koch. Foto: Gabi Schönberger
  • Das alte Schild erinnert an die Gründungszeit im Jahr 1592. Foto: Gabi Schönberger
  • Das Kreuzgewölbe über der Gaststube ruht auf Granitsäulen. Foto: Gabi Schönberger
  • Prost Herr Nachbar: Im Hennerloch schmeckt eine frische Halbe. Foto: Gabi Schönberger

Weiden.Auf der Holzbank am kleinen runden Tisch direkt gegenüber dem Ausschank werden Erinnerungen wach. An die Schulzeit kurz vor dem Abitur, mit der Schafkopfrunde an jedem Freitag Abend. An die ewig grantige Bedienung Erika, die uns Jungspunden die Halbe „Edelhell“ für eine Mark und sechzig Pfennige servierte und den zweiten „Spruz“ mit den Worten verweigerte: „Das nächste Mal wartst, bist a Halbe vertragst“. Und an den Seniorchef Karl Merkl, der sich in der „Kegelbahn“ gelegentlich ans Klavier setzte und einige Akkorde in die Tasten donnerte.

Wie es zu dem Namen kam

Das Hennerloch liegt in der Türlgasse 7, die in der Weidener Altstadt auf Höhe des Alten Rathauses rechtwinklig vom Marktplatz abzweigt. Erstmals erwähnt wird das Anwesen anlässlich eines Erweiterungsbaus im Jahre 1592 und trotz mehrerer Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte hat es sich den Charakter einer historischen Bierwirtschaft erhalten. „Darauf bin ich sehr stolz“, sagt der heutige Besitzer und Wirt Karlheinz Merkl, dessen Großvater Franz Merkl aus der Mooslohe den Brauereigasthof am 6. Februar 1904 gekauft hatte.

Als erster Besitzer des Hauses erscheint nach einer Chronik des Hennerlochs in den Steuerbüchern der Jahre 1585 bis 1590 der Metzger Wolf Koch. Die lange Reihe der Besitzer, Wirte und Pächter ist im Weidener Stadtarchiv gut dokumentiert. Um 1700 kam das Haus in den Besitz der Familie Stöckel und hieß deshalb lange „Stöckel-Brauhaus“. 1867 wurde die bisherige Brauschenke in eine ständige Bierwirtschaft umgewandelt und bis 1873 vom Braumeister Andreas Zwack, genannt „Zwickl-Zwackl“ und seiner Frau Margarethe geführt. Wie die Weidener Stadtarchivarin Petra Vorsatz in dem Buch „50 historische Wirtshäuser in der Oberpfalz“ schreibt, kam in dieser Zeit das Hennerloch auch zu seinem Namen: Stammgäste schrieben ihn nachts heimlich an das Haus, da viele Hühner aus der Türlgasse sich in der Durchfahrt des Gasthauses am Körner- und Treberabfall, der aus dem Malz- und Sudhaus gespült wurde, gütlich taten. Zuvor wurde das Hennerloch im Volksmund auch „Wolfsschlucht“ genannt.

Ein bunt gemischtes Publikum

Die Wirtschaft betritt man, wie es für ein Weidener Ackerbürgerhaus typisch ist, durch einen Torbogen und über eine Hofdurchfahrt, die mit großen Granitplatten ausgelegt ist. In der Gaststube ist der dunkle, geölte Holzfußboden bei der Renovierung 1982 leider verschwunden – geblieben sind aber die holzgetäfelten Wände mit der umlaufenden Sitzbank und die rustikalen Tische und Stühle. Das historische Kreuzgewölbe ruht auf mächtigen Granitsäulen und zwei sich gegenüberliegende Spiegel vermitteln den Eindruck, als ob man in die Ewigkeit blicken könnte. Die ehemalige Kegelbahn wurde in die Gaststube integriert und mit der Weidener Altstadtsanierung einschließlich der Entkernung der Hinterhöfe wurde ein kleiner, aber feiner Biergarten geschaffen.

Auf sein Publikum und die vielen Stammtische ist Wirt Karlheinz Merkl besonders stolz. „Das Publikum ist bunt gemischt, es kommen die 16-Jährigen und die 94-Jährigen, es kommt der Oberbürgermeister genauso wie der kleine Handwerker“, sagt er. Der Chef ist auch der Koch und bei ihm kommt bodenständige Oberpfälzer Küche mit frischen Zutaten aus der Region auf den Tisch. Zum Beispiel ein saures Lüngerl für 4,50 Euro, eine Terrine Kartoffelsuppe mit Knackwurst und Holzofenbrot für 7 Euro oder ein gebratenes Schweineschäuferl mit Kartoffelknödel und Krautsalat für 9,50 Euro.

Es war der Großvater des heutigen Wirtes, der den Grundstock für die moderne Bierhalle gelegt hatte. Alte Bilder und Plakate an den Wänden erinnern an Franz Merkl, der von 1910 bis 1914 kinematographische Vorführungen im Hennerloch ermöglichte, das während dieser Zeit teilweise zum „Union-Theater“ wurde. 1937 übernahm dessen Sohn Karl Merkl mit seiner Frau Paula die Gaststätte, bis 1979 Karlheinz Merkl das Erbe seines Vaters übernahm und das Hennerloch heute in dritter Generation führt.

Für viele Weidener, aber auch für Gäste, sind die historischen Mauern zu einem Wohlfühl-Ort geworden. Und auch der Wirt spürt, dass gerade die Wirtschaften, die sich ihre alte Atmosphäre und ihren Charakter über viele Jahre erhalten haben, zunehmend geschätzt werden. „Wichtig ist, dass das Lokal in seiner typisch Oberpfälzer Art weitergeführt wird“, sagt Merkl, den es freut, wenn an den Stammtischen eine lebhafte Unterhaltung läuft, wenn man sich sehen lässt und man auch gerne gesehen wird.

Schon früher war das Hennerloch für seine Sprüch bekannt, die einst die Wände zierten, etwa „Hier wurde schon so viel gelogen, dass sich Tisch und Bänke bogen“. Und auch dem heutigen Besitzer sitzt der Schalk im Nacken. Was er sich für die Zukunft wünscht: „Naja, dass vor allem der Wirt erhalten bleibt und dass sich die Gäste so verhalten, dass sich der Wirt wohl fühlt“. Typisch Hennerloch.

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