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Katastrophe

Das schützt den Dom vor Feuer

In Regensburg hoffen die Verantwortlichen, dass der Brandschutz ausreicht. Doch auch in diesem Wahrzeichen steckt viel Holz.
Von Magdalena Hechtel und Christine Schröpf

Der Regensburger Dom ist mit einer modernen Brandmeldeanlage ausgestattet. Foto: Armin Weigel/dpa
Der Regensburger Dom ist mit einer modernen Brandmeldeanlage ausgestattet. Foto: Armin Weigel/dpa

Regensburg.Die Bilder aus Paris haben Helmut Stuhlfelder schockiert. Die brennende Kathedrale Notre-Dame erinnern den Hüttenmeister der Regensburger Dombauhütte daran, dass auch der hiesige Dom nicht gänzlich vor einer solchen Katastrophe geschützt werden kann. „Es kann jeden treffen, trotz aller Vorsicht“, sagt er.

In Paris war am Montagabend in der weltberühmten Kathedrale im Herzen der Stadt ein Feuer ausgebrochen. Die Flammen verwüsteten den Sakralbau, der Dachstuhl stand lichterloh in Flammen. Das genaue Ausmaß der Zerstörungen ist noch nicht bekannt.

Notfälle

Notre-Dame: Wiederaufbau in fünf Jahren

Präsident Macron verspricht, dass die Kirche dann noch schöner als vorher sein wird. Das Ausmaß des Schadens ist enorm.

Staatliches Bauamt setzt auf vorbeugende Maßnahmen

In Regensburg versuchen die Verantwortlichen, es nicht soweit kommen zu lassen. Für Karl Stock, Leiter des Staatlichen Bauamts, ist vorbeugender Brandschutz das entscheidende Stichwort. Schon vor einiger Zeit wurde deshalb im Dom eine Brandmeldeanlage installiert. Ihre Sensoren sind über das ganze Gebäude verteilt, auch in solchen Bereichen, die nur schwer zugänglich sind. So soll ein Feuer möglichst schnell bemerkt und an die Feuerwehr gemeldet werden. Über das sogenannte Einsatzcenter im Domgarten können die Feuerwehrleute vor Ort feststellen, an welcher Stelle es im Dom brennt.

Sehen Sie in der Bildergalerie weitere Fotos der brennenden Kathedrale

Notre Dame in Flammen

Wird die Feuerwehr frühzeitig informiert und vor Ort schnell von den Mitarbeitern der Dombauhütte eingewiesen, sieht Iris Krimm, die stellvertretende Leiterin des Amts für Brand- und Katastrophenschutz, kein Problem darin, einen möglichen Brand schnell zu löschen. Die Feuerwehr kann den Dom von drei Seiten aus anfahren, im Norden des Gebäudes steht den Einsatzkräften eine trockene Steigleitung zur Verfügung. Sie ermöglicht es der Feuerwehr, ohne langes Verlegen von Schläuchen an Löschwasser zu kommen. Doch es bleibt ein Problem – die Höhe des Doms. „Das Mittelschiff ist 40 Meter hoch, mit unseren Drehleitern erreichen wir etwa 25 Meter“, erklärt Krimm. Den Einsatz von Löschflugzeugen oder gar Hubschraubern hält die stellvertretende Amtsleiterin für abenteuerlich. „Sie müssen sich vorstellen, da werden 3000 Liter Wasser mehr oder weniger kontrolliert abgeworfen“, sagt sie.

Dompersonal ist für Notsituationen geschult

Sollten sich zum Zeitpunkt des Feuers Personen im Dom aufhalten, gibt es Evakuierungspläne. „Je nachdem wie viele Menschen im Dom vermutet werden, ist festgelegt, welche Tür wann zu öffnen ist“, sagt Stock. Dafür ist bei Veranstaltungen eingewiesenes Personal vor Ort, abhängig von der jeweiligen Besucherzahl.

Die Stadt Regensburg ist für Notfälle gerüstet, wie Juliane von Roenne-Styra, die Leiterin der Pressestelle der Stadt, versichert. „Gemeinsam mit der Polizei und der Feuerwehr sind wir ein eingespieltes Team.“ Die Stadt könne im Notfall schnell reagieren und beispielsweise den Strom abstellen, aber auch Sporthallen und Busse für zu evakuierende Bürger bereitstellen.

Dachstuhl ist komplett aus Holz

Das Mittelschiff des Regensburger Doms ist aus Holz. Foto: Armin Weigel/dpa
Das Mittelschiff des Regensburger Doms ist aus Holz. Foto: Armin Weigel/dpa

Doch eine Gemeinsamkeit hat der Regensburger Dom mit Notre-Dame, die im Ernstfall zur Gefahr werden könnte. „Das Holz im Mittelschiff ist noch original vorhanden, also aus dem 14. und 15. Jahrhundert“, erklärt Karl Stock. Solch altes, trockenes Holz hat in Paris dazu geführt, dass sich das Feuer immer weiter in der Kirche ausgebreitet hat. Dieser Gefahr ist man sich in Regensburg bewusst. Deshalb gibt es neben der Brandmeldeanlage noch eine gemauerte Brandschutzwand im Dachboden des Doms. Sie soll verhindern, dass Flammen von einem Teil des Dachbodens auf den anderen übergreifen können.

Frankreich zeigt sich indes entschlossen, die jahrhundertealte Kathedrale in Paris wieder aufzubauen. Staatspräsident Emmanuel Macron rief über Frankreich hinaus zu Spenden auf. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer zeigte sich tief betroffen. „Mit Entsetzen und Trauer haben wir miterlebt, wie in nur wenigen Stunden ein Jahrhunderte alter Dachstuhl und viel brennbares Inventar ein Raub der Flammen wurde.“ Als Zeichen der Verbundenheit läuteten am Dienstag die Glocken vieler deutscher Kirchen, darunter auch die des Regensburger Doms.

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Staatsanwaltschaft geht von Unfall aus

Die Pariser Staatsanwaltschaft geht derzeit von einem Unfall aus. „Nichts weist derzeit in die Richtung einer vorsätzlichen Tat“, sagte Staatsanwalt Rémy Heitz. Ihm zufolge werden nun Zeugen angehört, darunter Arbeiter, die mit Renovierungsarbeiten in der Kathedrale beschäftigt waren. Das Feuer auf dem Dach hatte sich sehr schnell auf rund 1000 Quadratmeter ausgebreitet. Der Dachstuhl stand lichterloh in Flammen, der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs stürzte ein, die beiden Haupttürme konnten jedoch gerettet werden. Es wurde befürchtet, dass die Konstruktion geschwächt würde und die Glocken abstürzen könnten. Nach ersten Erkenntnissen wurden zwei Polizisten und ein Feuerwehrmann leicht verletzt.

Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder bietet Frankreich Unterstützung im Bereich der Rekonstruktion und Restaurierung des Kulturerbes an. „Der verheerende Brand macht mich als Christen und überzeugten Europäer tief betroffen. Notre-Dame de Paris ist Wahrzeichen, Geschichtsquelle und Zufluchtsort. Es ist schockierend und traurig. Wie kaum ein anderes Baudenkmal steht die Kathedrale für das christliche Miteinander in Europa!“ Vor diesem Hintergrund halte er es für geboten, Frankreich beim Wiederaufbau zur Seite zu stehen, betonte Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Er hoffe, dass der Aufbau schnell gelingen werde.

Dombauhütten teilen auf Wunsch ihre Expertise

Bayern stellt gerne die Expertise der drei staatlichen Dombauhütten in Regensburg, Passau und Bamberg zur Verfügung. Dort wird die mittelalterliche Steinmetz-Tradition bis heute gepflegt und kommt bei der Restaurierung der Sakralgebäude nach wie vor zum Einsatz. Weiterhin bietet Ministerpräsident Söder die einschlägigen Experten aus dem traditionsreichen bayerischen Landesamt für Denkmalpflege mit seinen Abteilungen für Bau- und Kunstdenkmalpflege sowie für Denkmalforschung zur Unterstützung an. Auch an den bayerischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften gebe es umfassende wissenschaftliche Expertise im Umgang mit materiellem Kulturerbe.

Hüttenmeister Helmut Stuhlfelder hofft, dass Regensburg ein Unglück, wie das von Paris erspart bleibt. Doch er sagt auch: „Wir haben bisher Glück gehabt. Leider reichen schon ein Kabelbrand oder ein Gewitter aus und dann passiert so etwas.“

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